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07.12.2011

12:16 Uhr

Kraftlose Stürme

Jetstreams taugen nicht als Energiequelle

Sie gelten als mögliche Energiequelle der Zukunft: Jetstreams – schnelle Winde in der oberen Erdatmosphäre. Doch die Strahlströme liefern offenbar weniger erneuerbare Energie als bislang angenommen.

Drachen mit Rotoren sollen als Windräder in Atmosphärenschichten aufsteigen, in denen Jetstreams wehen. Doch die hier als Fotomontage gezeigte Technik hat ihre Schattenseiten. MPI

Drachen mit Rotoren sollen als Windräder in Atmosphärenschichten aufsteigen, in denen Jetstreams wehen. Doch die hier als Fotomontage gezeigte Technik hat ihre Schattenseiten.

DüsseldorfDer Energiemix der Zukunft muss wahrscheinlich anders zusammengesetzt sein, als es sich manche Visionäre derzeit vorstellen. Denn aus Jetstreams, die mit hohen Windgeschwindigkeiten durch die obere Atmosphäre fegen, lässt sich deutlich weniger Energie gewinnen, als bisher geschätzt. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie in Jena.

In den Jetstreams bewegt sich die Luft in Höhen zwischen 7 und 16 Kilometern mit kontinuierlichen Geschwindigkeiten von über 90 Kilometer pro Stunde. Angesichts dieser hohen Geschwindigkeiten wurden diese Winde bislang als nahezu unerschöpfliche Quelle erneuerbarer Energie gehandelt. Bereits heute fließen umfangreiche Investitionen in Techniken, die diese Quelle anzapfen sollen.

Tatsächlich ist die Energie der Strahlströme aber eng begrenzt. Sie werden, wie auch die anderen Wind- und Wettersysteme der Erde, dadurch erzeugt, dass die Sonneneinstrahlung die Tropen stärker aufheizt als die Polargebiete. Ein Temperaturunterschied in der Atmosphäre bewirkt wiederum ein Gefälle im Luftdruck, das die Antriebskraft des Windes ist.

Aus der meteorologischen Forschung ist zudem bekannt, dass die Strahlströme so schnell sind, weil sie in der oberen Atmosphäre fern von der Erdoberfläche entstehen. Daher sind sie fast keiner Reibung ausgesetzt. Folglich braucht es nur wenig Energie, um sie anzutreiben und aufrecht zu erhalten.

„Genau dieser geringe Energiebedarf ist es, der das Potential zur Nutzung als erneuerbare Energiequelle begrenzt“, erklärt Axel Kleidon, Leiter der unabhängigen Max-Planck-Forschungsgruppe Biosphärische Theorie und Modellierung.

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