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14.08.2015

13:36 Uhr

Kugelfisch L. sceleratus

Giftiger Eindringling verbreitet sich im Mittelmeer

Der Hasenkopf-Kugelfisch kommt eigentlich aus den Tropen. Doch über den Suez-Kanal ist er inzwischen bis ins westliche Mittelmeer vorgedrungen. Sein kräftiges Gebiss kann Metall durchbeißen – und sein Gift töten.

Experten bezeichnenden Hasenkopf-Kugelfisch als den schlimmsten fremdartigen Fisch im Mittelmeer. Erst vor wenigen Jahren war er aus dem Roten Meer über den Suez-Kanal ins Mediterrane geschwommen. dpa

Hasenkopf-Kugelfisch

Experten bezeichnenden Hasenkopf-Kugelfisch als den schlimmsten fremdartigen Fisch im Mittelmeer. Erst vor wenigen Jahren war er aus dem Roten Meer über den Suez-Kanal ins Mediterrane geschwommen.

Rhodos/FrankfurtWas für ein toller Fisch, denkt sich ein angelnder Tourist an der Mittelmeerküste. Silbern glänzt der Rücken, gesprenkelt mit schwarzen Punkten. Weißer Bauch. Ab auf den Grill mit dem Fang. Doch die Mahlzeit endet tödlich, denn der tropische Kugelfisch Lagocephalus sceleratus ist hochgiftig.

Die Szene ist Fiktion – aber eine, die beunruhigend nah an der Wirklichkeit ist. Denn im östlichen Mittelmeer haben sich schon Menschen mit dem lebensbedrohlichen Fisch vergiftet. Inzwischen hat er es bis nach Italien und Spanien geschafft.

„Der fühlt sich da sehr wohl. Und er ist eine Gefahr“, sagt der Toxikologe Dietrich Mebs, der früher am Universitätsklinikum Frankfurt lehrte. Er ist Fachmann für Fischgifte und hat das Buch „Gifte im Riff“ geschrieben.

Andere Experten nennen den L. sceleratus, auch als Hasenkopf-Kugelfisch bekannt, den „schlimmsten fremdartigen Fisch“ im Mittelmeer. Erst vor wenigen Jahren war er aus dem Roten Meer über den Suez-Kanal ins Mediterrane geschwommen. Schnell breitete er sich im östlichen Mittelmeer aus. Forscher sprechen von einer Invasion – und wegen der Folgen von einer Pest.

Jetzt steige die Zahl der Exemplare auch im Westen, sagt Maria Corsini-Foka. Sie ist Meeresbiologin am Griechischen Zentrum für Meeresforschung auf Rhodos, an dessen Küste der Kugelfisch recht häufig ist. Aber inzwischen taucht er sogar in den Gewässern bei Spanien auf.

Vor sechs Jahren ging dort vor Katalonien der erste ins Netz, bis 2013 fünf weitere – und im vergangenen Jahr allein waren es nach Angaben der Behörden schon zehn. Aus Malta, Italien und Algerien gibt es ebenfalls Meldungen.

Toxikologe Mebs fürchtet, dass der Fisch in der Bevölkerung nicht bekannt genug ist. Ans Mittelmeer reisen jedes Jahr unzählige Touristen. Und das Gift des Kugelfisches – das Tetrodotoxin – gehört zu den gefährlichsten Nervengiften überhaupt. Alle Kugelfische tragen es in sich, es komme aber auch in Landtieren vor, sagt Mebs. Wer den Hasenkopf-Kugelfisch isst, vergiftet sich.

Berichte von Vergiftungen gab es zunächst in der Türkei, wo der Kugelfisch 2003 vor Akyaka zum ersten Mal im Mittelmeer entdeckt worden war. Auf einem Markt hatten unbedarfte Fischer den Fisch verkauft. Auch in Israel gab es einen dokumentierten Fall: Ein Hobbyfischer konnte gerade noch gerettet werden.

Die Lähmung befalle das äußere Nervensystem, gehe also nicht vom Gehirn aus, erklärt Mebs. „Das heißt: Ich kriege das bei vollem Bewusstsein mit.“ Zuerst verschwindet das Gefühl unter anderem in den Fingerspitzen. Dann greift die Lähmung um sich. Sobald sie die Atemmuskulatur erreicht, besteht akute Lebensgefahr. Einzige Rettung: künstliche Beatmung.

Kommentare (2)

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Herr Georg Schmidt

14.08.2015, 15:15 Uhr

"Es wird Zeit, Öko-Apokalypsen kritischer zu hinterfragen. "Steht ein paar Artikel weiter oben. scheints ist das nicht soweit durchgedrungen. Jetz kommt der Fisch: "Sein kräftiges Gebiss kann Metall durchbeißen – und sein Gift töten. " in der gleichen Weise daher. Auch ich kann Metall durchbeisen! "Lötzinn, Blei" auch Wespengift "kann"töten" Die Panikmache scheint zur Pressekultur geworden zu sein.

Herr Horst Meiller

14.08.2015, 16:02 Uhr

"Giftiger Eindringling verbreitet sich..." Ach so, es geht um einen Fisch! (:
Ich wäre bisher nicht auf die Idee gekommen, etwas auf den Grill oder in die Pfanne zu legen, von dem ich nicht weiß, was es ist, aber manche Menschen sind eben so.
Die weitaus größere Gefahr ist vielleicht der "Beifang", bei dem ja (angeblich?) auch Delfine in Netzen z.B. zusammen mit Thunfisch verarbeitet --->und verkauft werden. Da droht möglicherweise eher ein Risiko, wenn in der Dose nicht mehr zu sehen ist, was es ist.

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