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04.03.2014

14:33 Uhr

Lebensraum

Tiere wandern ihrem gewohnten Klima hinterher

Der Klimawandel vertreibt immer mehr Tiere und Pflanzen aus ihrem gewohnten Lebensraum. Forscher haben verschiedene Erdteile auf Klimaveränderungen untersucht. Eine Studie zeigt, wie Arten dem Klima hinterherwandern.

Die klimabedingten Wanderungsbewegungen finden sowohl zu Land als auch zu Wasser statt. dpa

Die klimabedingten Wanderungsbewegungen finden sowohl zu Land als auch zu Wasser statt.

ErlangenBienenfresser und Taubenschwänzchen gab es in Deutschland früher selten bis gar nicht. Heute fühlen sich die Vögel und Falter bei uns wohl. Grund ist Experten zufolge der Klimawandel, der immer mehr Tiere und Pflanzen aus ihren angestammten Lebensräumen vertreibt und sie zwingt, sich eine neue Heimat zu suchen.

Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben zusammen mit Kollegen aus Australien, Großbritannien und den USA untersucht, wie sich das Klima in den vergangenen 50 Jahren in den verschiedenen Erdteilen veränderte - und welche Auswirkungen das auf die Verbreitung der Tierarten hat. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Nature“.

„Wir haben untersucht, in welche Richtungen sich der Klimawandel bewegt“, sagt Professor Wolfgang Kießling von der FAU. Denn nicht alle Regionen hätten sich gleich stark erwärmt. In manchen Gebieten sei es sogar kühler geworden.

Der Paläobiologe und seine Kollegen teilten dafür die Erdoberfläche in viele Quadrate auf und notierten für jedes Kästchen, wie sich die Temperatur dort in den vergangenen 50 Jahren entwickelt hat. Mit kleinen Pfeilen geben die Forscher an, in welche Richtung und mit welcher Geschwindigkeit sich die Klimaregionen über Kontinente oder Ozeane bewegen.

„Wir haben nachgewiesen, dass die Tiere im Meer und an Land diesen Veränderungen tatsächlich folgen“, sagt Kießling. „Der Hering wandert aus der Nordsee in den Nordatlantik ab, der Kabeljau in die Polarregionen.“ Alle Arten machten das, sogar Muscheln und Korallen. Dies geschehe über mehrere Generationen hinweg durch Fortpflanzung. „Die Larven wachsen dort, wo die gewohnten Klimabedingungen sind.“

Auch bei Pflanzen sind solche „Wanderungen“ zu sehen, wie der Biologe Ingolf Kühn vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Halle berichtet. „Ein Beispiel ist der Meerfenchel, der früher vor allem in der Bretagne vorkam. Durch die abnehmende Zahl der Winterfröste hat er sich aber inzwischen bis nach Deutschland ausgebreitet.“

Für das Überleben der einzelnen Tier- oder Pflanzenart ist nicht so sehr die absolute Temperaturveränderung entscheidend, sondern wie schnell und in welche Richtung sich das Klima verändert und ob die Arten es schaffen, dem Klima hinterher zu wandern.

Die Wissenschaftler entdeckten verschiedene Klimaregionen auf der Erde: Es gibt Gebiete wie am Äquator, aus denen viele Tiere fliehen, weil es dort zu warm wird. Die Forscher bezeichnen diese Regionen als „Quellen“. „Das bedeutet, dass dort Arten auswandern, aber keine neuen Arten zuwandern. Die Diversität schwindet hier“, sagt Kießling.

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