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23.08.2012

11:32 Uhr

Meeresschnecken

Die richtige Dosis Sex

Was kann eine kleine Meeresschnecke dazu bewegen, sich häufiger als unbedingt nötig beim Sex in den Bauch stechen zu lassen? Tübinger Forscher machten dazu eine interessante Entdeckung.

Zwei Meeresschnecken (Siphopteron quadrispinosum) bei der gegenseitigen Verpaarung. Die Zwitter haben ein geteiltes Geschlechtsteil. Mit dem Stilett (S) sticht die Schnecke dem Partner in den Bauch und injiziert Prostataflüssigkeit. Dann führt sie über den dornigen Penis (p) Samen in die weibliche Geschlechtsöffnung ein. Die männlichen Geschlechtsorgane sitzen in der Nähe des Kopfes (h). Tübinger Forscher fanden heraus, dass die Häufigkeit des traumatischen Aktes Auswirkungen auf die weibliche Fruchtbarkeit der Tiere hat. dpa

Zwei Meeresschnecken (Siphopteron quadrispinosum) bei der gegenseitigen Verpaarung. Die Zwitter haben ein geteiltes Geschlechtsteil. Mit dem Stilett (S) sticht die Schnecke dem Partner in den Bauch und injiziert Prostataflüssigkeit. Dann führt sie über den dornigen Penis (p) Samen in die weibliche Geschlechtsöffnung ein. Die männlichen Geschlechtsorgane sitzen in der Nähe des Kopfes (h). Tübinger Forscher fanden heraus, dass die Häufigkeit des traumatischen Aktes Auswirkungen auf die weibliche Fruchtbarkeit der Tiere hat.

San Francisco/TübingenAuch wenn es vielleicht wehtut: Die Meeresnacktschnecke Siphopteron quadrispinosum braucht die richtige Dosis an traumatischem Sex für ihre weibliche Fruchtbarkeit. Darüber berichten Wissenschaftler der Universität Tübingen in der Fachzeitschrift „Plos one“. Bei zu viel oder zu wenig Sex sinkt die Zahl der Eier zum Teil deutlich.

Die Paarung der Meeresschnecken-Zwitter scheint sehr schmerzhaft: Erst sticht der jeweils männliche Part mit einem spritzenähnlichen Penisstab - auch Stilett genannt - in den Bauch der Partnerin und injiziert Prostataflüssigkeit. Dann dringt er mit einem Dornenpenis in die Geschlechtsöffnung ein und führt sein Sperma ein. „Wie schmerzhaft das ist, versuchen wir unter anderem noch herauszufinden. Natürlich liegt die Vermutung nahe, dass es nicht sehr angenehm ist“, sagte Projektleiter Nils Anthes.

Anthes und seine Kollegin Rolanda Lange waren bei Feldstudien in Australien verblüfft, dass sich die zwei bis drei Millimeter großen Meeresschnecken trotz der brachialen Prozedur häufiger paaren als es für die Arterhaltung zwingend nötig wäre. Sie starteten eine Versuchsreihe zur Auswirkung der Paarungszahl auf die weibliche Fruchtbarkeit.

Dabei fanden sie heraus, dass die Schnecke bei ihrer natürlichen Paarungsrate - die etwas höher ist als zur Arterhaltung notwendig - die meisten Eier legte. Bei dreimal so häufigen Paarungsmöglichkeiten dagegen sank die Eierzahl um 23 Prozent. Mögliche Ursachen sehen die Forscher in der Zunahme der Verletzungen oder in einer Überdosis männlicher Sexualhormone. Bei nur einem Drittel der natürlichen Paarungsmöglichkeiten nahm die Zahl ebenfalls ab, um rund zehn Prozent. Dies könne unter anderem an zu wenig Stimulation liegen, mutmaßen die Tübinger.

Die Forscher gehen davon aus, dass die Häufigkeit des traumatischen Schnecken-Sexes durch die Balance zwischen negativen Auswirkungen und Vorteilen mehrfacher Befruchtung bestimmt wird. In weiteren Versuchen wollen sie nun klären, wohin die Prostataflüssigkeit genau injiziert wird und was dies im Körper des weiblichen Parts bewirkt.

Denkbar sei etwa, dass damit unter anderem beeinflusst werde, wie sich die beiden Schnecken paaren - ob sie sich gegenseitig befruchten oder nur einer von beiden die männliche Rolle übernimmt. „Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass die Schnecken durch die Injektion das andere Tier in die weibliche Rolle puschen“, sagte Anthes.

Von

dpa

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