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17.04.2012

19:05 Uhr

Nachhaltigkeit

Warum der Öko-Erfolg der Hybridautos nur eine halbe Sache ist

VonSusanne Bergius

Wer nachhaltig wirtschaften will, muss die Lebenszyklen all seiner Produkte auf den Ressourcenverbrauch überprüfen. In vielen Branchen ist das Sparpotenzial oft beträchtlich.

Der Toyota Prius hat sich zum Lieblingsgefährt vieler Umweltbewegter gemausert. Reuters

Der Toyota Prius hat sich zum Lieblingsgefährt vieler Umweltbewegter gemausert.

BerlinVor allem aus einem Grund gilt der Toyota Prius als Vorbild für die gesamte Autobranche: Weil der Prius von einem Hybridmotor angetrieben wird, verbraucht er weniger Benzin als vergleichbare konventionelle Modelle. So hat sich der Prius zum Lieblingsgefährt vieler Umweltbewegter gemausert, denen ihre individuelle Mobilität teuer ist.

Friedrich Schmidt-Bleek hält das für ökologischen Unfug: "Um nur etwas CO2-Masse einzusparen, verdoppelt das gefeierte Toyota-Hybrid-Auto im Motorenbereich den ,ökologischen Rucksack', da es zwei Motoren statt einen benötigt", kritisiert Schmidt-Bleek. Der Professor leitete in den 90er-Jahren das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Heute ist der 69-Jährige Präsident des Faktor-10-Instituts in Frankreich.

Wahre Nachhaltigkeit bedeutet für ihn, sich in die für das menschliche Leben nötigen Dienstleistungen der Natur einzupassen. Gelinge es nicht, Nachhaltigkeit bis in jedes Produkt über eine bessere Ressourceneffizienz zu bewirken, seien auch andere Nachhaltigkeitsanstrengungen verzichtbar, sagt der Wissenschaftler: "Wenn es gelänge, die Wirtschaft mit zehn Prozent des heutigen Ressourcenverbrauchs zu gestalten, könnten wir die Hälfte der Energie einsparen."

Schmidt-Bleeks Ansatz hat einen Vorteil: Ressourceneffizienz ist messbar. Darum solle man Nachhaltigkeit der Wirtschaft über die Ressourcenproduktivität definieren, fordert er. Ein Beispiel: Um ein Kilo eines Autos zu schaffen, werden 30 Kilogramm Material verbraucht, hat Schmidt-Bleek errechnet.

Angesichts dieser Dimension relativiert sich das Umweltziel der Branche, die CO2-Emissionen ihrer Fahrzeuge zu senken. So werde nur ein einziger Faktor optimiert, egal was es ökologisch bedeute, befürchtet Schmidt-Bleek. Das sei sogar kontraproduktiv: Ein Fahrzeug verbrauche im Schnitt 450 Gramm Naturmaterial pro Kilometer - viel mehr, als es CO2-Emissionen verursache.

Das gilt analog für viele andere Branchen. "Würde der westeuropäische Konsumstil auf die Welt übertragen, bräuchten wir die natürlichen Ressourcen von zwei bis vier Erden, bei dem der USA mehr als vier", schildert Michael Kuhndt, Leiter des Centre on Sustainable Consumption and Production (CSCP) der Uno-Umweltorganisation Unep und des Wuppertal Instituts. Angesichts des Heißhungers auf Konsumgüter in den Schwellenländern sei das eine reale Gefahr, sagt Kuhndt.

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