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05.08.2012

09:35 Uhr

Nahrungsmittelversorgung

Katars Wüste soll erblühen

VonMathias Brüggmann

Das Golf-Emirat Katar ist zu 90 Prozent von Nahrungsmittelimporten abhängig. Das soll sich in Zukunft ändern – auch mit deutscher Technik.

Nur 1,7 Prozent der Fläche der Golfstaaten sind als Ackerflächen nutzbar. dpa

Nur 1,7 Prozent der Fläche der Golfstaaten sind als Ackerflächen nutzbar.

BerlinKatar ist das reichste Land der Erde, das Bruttoinlandsprodukt wuchs 2011 erneut um 18,7 Prozent - so stark wie nirgends sonst. Nur: Dass man Geld nicht essen kann, wissen die Menschen auf der Halbinsel im Persischen Golf auch. Deshalb will sich das Emirat im Rahmen seines neuen Nationalen Ernährungssicherheitsprogramms QNFSP deutlich unabhängiger von Lebensmittelimporten machen. Dazu soll die Wüste jetzt erblühen.

Zugleich will Katar auch andere Staaten, die unter extremer Trockenheit und Abhängigkeit von Nahrungsmittelimporten leiden, zu einer globalen Initiative unter dem Namen Global Dry Land Alliance vereinen. Das kündigte Fahad al-Attiya, Chef des QNFSP, im Gespräch mit dem Handelsblatt an. Die Lebensmittelversorgung sei eine Frage der nationalen Sicherheit, Unabhängigkeit und Existenz, ebenso die Wasserversorgung: „Wir haben aktuell nur Trinkwasserreserven für 1,8 Tage“, sagte Al-Attiya.

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Die zwei natürlichen unterirdischen Wasserspeicher Katars gehen bedrohlich zur Neige. Bauern dürfen keine Brunnen mehr graben. Denn die Nachbarländer stellten fest, dass sonst die Lagerstätten durch nachdrückendes Meerwasser dauerhaft versalzen. Bisher gewinnt Katar sein Trinkwasser aus Wasserentsalzungsanlagen.

Über 90 Prozent der benötigten Lebensmittel werden heute importiert. Die heimische Landwirtschaft trägt nur 0,2 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Die Zahl der Farmen im Land sank wegen des Wassermangels seit 2008 um ein Drittel. „Alles Wasser kommt aus dem Meer, fast alle Agrarprodukte kommen bisher aus dem Ausland - so können wir unser eigenes Schicksal nicht bestimmen“, sagt Al-Attiya.

„Nur mit Wasser- und Nahrungsmittelsicherheit können wir unsere Existenz und unser Wachstum garantieren“, begründete er die Initiative für Nahrungsmittelsicherheit. Katar zu einem Agrarland zu machen sei „aber ein Schritt wie damals der erste Mensch auf dem Mond“.

Kommentare (7)

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KlausWolf

05.08.2012, 18:59 Uhr

Gute Idee ! Das wäre ein weltweites Beispiel: mit erneuerbarer Energie Meerwasser entsalzen und zu den landwirtschaftlichen Betrieben pumpen !!! Die Menschheit ist doch noch zu geistigen Leistungen fähig ! Klaus Wolf - München

Account gelöscht!

06.08.2012, 09:02 Uhr

OK, wenn Ihr mit deutscher Technik etwas aufbaut, so wie es in Russland und China schon passiert ist, müsst Ihr nur aufpassen, daß die USA Euch anschliessend nicht mit einem Militärschlag befreien wollen.

Account gelöscht!

06.08.2012, 09:42 Uhr

Es scheint die Einsicht einzukehren bei den Wüstenbewohnern, wo selbst ich das Gefühl hatte, das Sie nichts anderes als die eigenen Ressourcen solange auszubeuten bis sie wieder ins tiefste Mittelalter zurückgeworfen wären.
Da ziehe ich mein Hut vor Demut (aber nur dann wenn dieses Projekt auch Umgesetzt worden ist).

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