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07.08.2017

11:40 Uhr

Naturkatastrophen

Klimawandel fördert arktische Mega-Tsunamis

VonLars Fischer
Quelle:Spektrum.de

Die größten Monsterwellen der Erde entstehen im eisigen Norden: Tsunamis in der Arktis können sich hunderte Meter hoch auftürmen. Der Klimawandel begünstigt ihre Entstehung – und lockt mehr Menschen in die Gefahrenzone.

Die riesige Welle brach große Eisbrocken von den umliegenden Gletschern. (Foto: Nature/Hermann Fritz)

Arktischer Tsunami

Die riesige Welle brach große Eisbrocken von den umliegenden Gletschern. (Foto: Nature/Hermann Fritz)

HeidelbergEs war einer der größten Tsunamis der letzten Jahrzehnte: Eine bis zu 90 Meter hohe Welle zerstörte in den Abendstunden des 17. Juni 2017 die Siedlung Nuugaatsiaq an der grönländischen Westküste und tötete vier Menschen. Der Ursprung der Woge gab zunächst Rätsel auf, doch dann identifizierte die dänische Küstenwache den vermutlichen Auslöser: ein Felssturz von einem Steilhang etwa 20 Kilometer von dem Ort entfernt.

Der Vorfall in einer der entlegensten Regionen der Welt ist nach Ansicht von Fachleuten ein Vorgeschmack auf die Zukunft: Der Klimawandel destabilisiert Bergflanken im hohen Norden und macht gigantische Erdrutsche wahrscheinlicher.

Welche Dimensionen solch ein Ereignis annehmen kann, zeigen Aufnahmen aus Grönland. Etwa 300 Meter breit und einen Kilometer lang sei die Narbe, die das in den Fjord stürzende Gestein im Berg hinterlassen habe, berichteten Kundschafter vor Ort.

Dass Erdrutsche am Ufer Tsunamis hervorbringen, kommt gar nicht so selten vor – erst am 19. Juli erzeugte herabstürzendes Gestein einen Tsunami an der kolumbianischen Küste. Doch die größten Wellen entstehen in der Arktis – dort, wo die Gletscher tiefe Fjorde ins Land gefräst haben und wegen des kalten Klimas weder Vegetation noch Verwitterung das steile Relief seither abmilderten. Unter solchen Bedingungen entstehen die größten bekannten Tsunamis – so zum Beispiel die mit 520 Metern höchste bisher dokumentierte Welle, die durch die Lituya Bay in Alaska pflügte.

Solche mächtigen Tsunami-Ereignisse unterscheiden sich grundsätzlich von den niedrigeren Tsunamis, die von Seebeben ausgelöst werden und beim Aufprall auf die Küste oft große Verwüstungen anrichten. Wellen nach Felsstürzen erreichen enorme Höhen, verlieren ihre Energie jedoch schon nach wenigen Kilometern, statt ganze Ozeane zu durchqueren.

Deswegen und weil die Polargebiete so dünn besiedelt sind, ist der Tsunami von Nuugaatsiaq mit vier Toten und einer verwüsteten Siedlung bisher ein Sonderfall unter den arktischen Erdrutsch-Tsunamis. Selbst hunderte Meter hohe Wellen zerstören meist kaum mehr als einen baumbestandenen Berghang – bisher jedenfalls.

Kommentare (7)

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Herr Holger Narrog

07.08.2017, 13:53 Uhr

Das Klima ändert sich seit es die Erde gibt. Ein wärmeres Klima ist für das Leben auf der Erde in der Regel vorteilhaft. Aufgrund des Bolzmann Gesetzes und der Wasserbedeckung der Erde ist das Weltklima jedoch seit 600 Mio. Jahren so stabil dass höheres Leben in dieser Zeitspanne nicht ausgestorben ist. Eine Analyse meinerseits findet man unter "Bürger für Technik", "Die Schwachstellen der Hypothese vom Klimawandel"...einfach googlen.

Seit dem Ende der Kleinen Eiszeit, ca. 1850, ist das Weltklima gem. diverser Studien um 0,5 - 0,8°C +-0,5° wärmer geworden. Das führt dann zu schrumpfenden Gletschern und Eisbergen und kann natürlich auch Tsunamis auslösen.

Die Menschheit kann hier nur ähnlich verfahren wie im Pazifik und entsprechende Warneinrichtungen installieren.

G. Nampf

07.08.2017, 15:27 Uhr

@Holger Narrog07.08.2017, 13:53 Uhr

Davon auszugehen, daß die Menschheit alle fossilen Brennstoffe, die seit dem Karbon auf dieser Erde entstanden sind, einfach in die Luft pusten kann, ohne daß das gravierend nachteilige Auswirkungen hätte, ist bestensfalls unendlich naiv.



Herr Marcel Europaeer

07.08.2017, 15:35 Uhr

@G. Nampf - 07.08.2017, 15:27 Uhr

Sie sagen es. Bestenfalls ist es naiv aber eigentlich ist es skrupellose Heuchelei, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse in dem Augenblick geleugnet werden, wo eine angemessene Reaktion auf diese Erkenntnisse der gesamten Menschheit nützt, nur kurzfristig dem eigenen Geldbeutel nicht.

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