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09.01.2009

11:06 Uhr

Neue Studie

Klimawandel fördert Hungersnöte

Hungert bald die halbe Menschheit? Nach Untersuchungen von US-Forschern bedroht der Klimawandel in zunehmenden Maße die Versorgung der Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln. Betroffen sind vor allem Regionen, die schon heute verstärkt von Nahrungsmittelengpässen geplagt sind.

Extreme Hitzewellen gehen stets mit Ernteausfällen einher. Foto: ap ap

Extreme Hitzewellen gehen stets mit Ernteausfällen einher. Foto: ap

HEIDELBERG. Der globale Klimawandel mit weltweit steigenden Temperaturen bedroht die Narhrungsmittelproduktion weltweit. Setzt sich die Entwicklung im gegenwärtigen Maße fort, könnte bis zum Ende des Jahrhunderts etwa die Hälfte der Menschheit regelmäßig von Hungersnöten geplagt werden. Zu diesem Ergebnis kommen David Battisti von der University of Washington in Seattle und Rosamond Naylor von der Stanford University in einer aktuellen Untersuchung. Besonders in den Tropen und Subtropen könnten die Ernteerträge stark zurückgehen.

Damit würden gerade jene Regionen getroffen, die ohnehin häufiger von Nahrungsmittelengpässen geplagt sind und deren Bevölkerung meist sehr arm ist, so die Forscher weiter. Ihre Ergebnisse könnten zudem noch nicht einmal den schlimmsten Fall beschreiben, denn Battisti und Naylor berücksichtigten in ihrer Studie, die sie in der aktuellen Ausgabe des Magazins "Science" vorstellen, nicht die durchaus mögliche Verknappung des lokalen Wasserangebots. Stattdessen konzentrierten sie sich rein auf die Erwärmung bis zum Jahr 2100 einstellen, wie sie in insgesamt 23 verschiedenen Klimamodellen simuliert wird.

Mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit liegen dann die niedrigsten Temperaturen während der Wachstumsperiode der Nutzpflanzen über den heute bekannten regionalen Extremwerten - mit entsprechend hohem Stress für die Pflanzen. Extreme Hitzewellen gingen in der Geschichte stets mit Ernteausfällen einher, wie Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit zeigen: In Frankreich, während des äußerst warmen Sommers 2003, und in der Ukraine 1972 verdorrte das Getreide auf den Feldern - wegen der Missernten schrumpften anschließend sogar weltweit die entsprechenden Vorräte. Die hohen Temperaturen, unter denen Frankreich wie weite Teile Westeuropas 2003 litten, könnten bis 2100 zum Normalfall werden.

Viele der heutigen Pflanzensorten besitzen einen temperaturabhängigen optimalen Wachstumsbereich, und steigende Werte können ihnen Schaden zufügen - zumal in den Tropen, wo viele Arten weitgehend gleichmäßige Temperaturbedingungen kennen und sich daher eher schlecht an den Wandel anpassen können. Die Erträge von wichtigen Pflanzen wie Mais und Reis könnten daher um 20 bis 40 Prozent sinken.

Um diesen Gefahren zu begegnen und um überhaupt die wachsende Zahl der Menschen vor Ort satt zu bekommen - die Bevölkerungszahl in den Tropen und Subtropen könnte sich bis 2100 verdoppeln -, mahnen Battisti und Naylor dringend zu einer Art neuen Grünen Revolution und der Zucht hitzeresistenter Nutzpflanzen.

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