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02.01.2015

12:17 Uhr

Pekings dicke Luft

Leben in der Smoghauptstadt

Smog gehört in Chinas Hauptstadt zum Alltag. Außer der US-Präsident kommt, und Peking verwandelt sich mit rasch umgesetzten Notprogrammen in einen Luftkurort. Ein Einblick in das Leben in der Smoghochburg.

Die Atemschutzmaske gehört für die Menschen in Peking zur unverzichtbaren Ausrüstung. dpa

Die Atemschutzmaske gehört für die Menschen in Peking zur unverzichtbaren Ausrüstung.

PekingDas Flugzeug steht bereits auf dem Rollfeld von Pekings Flughafen. Jeden Moment soll es in Richtung Südchina abheben. Aber dann kommt eine Durchsage des Piloten: „Der Tower hat uns gerade informiert, dass wir wegen des dichten Smogs aus Sicherheitsgründen nicht abheben dürfen.“

Es geht ein Raunen durch die Reihen von Passagieren an Bord. Aber dann geht die Ansage noch weiter: „Die Luftverschmutzung ist so schlimm, dass wir vorerst nicht mal zum Flughafengebäude zurückrollen dürfen“, fügt der Pilot hinzu. Der Smog schränke die Sicht auf wenige Dutzend Meter ein. Da könne die Maschine auf den Weg zurück mit anderen Flugzeugen zusammenprallen.

Smog in Peking: Chinas Hauptstadt geht die Puste aus

Smog in Peking

Chinas Hauptstadt geht die Puste aus

Die Luft in Peking wird immer dicker – ein durchschnittlicher Tag Leben in Chinas Hauptstadt entspricht dem Konsum von 21 Zigaretten. Jetzt werden Rufe nach drastischen Maßnahmen gegen die Luftverschmutzung laut.

Nur schemenhaft lässt sich aus dem Fenster das Flughafengebäude mit seinen grellen Scheinwerfern erahnen. Alles andere verschwindet in dem grau-braunen Gemisch aus Feinstaub und anderen Stoffen. Die Belastung mit dem besonders gefährlichen Feinstaub, der kleiner als 2,5 Mikrometer (PM 2,5) ist, liegt zwischenzeitig beim 17-fachen des empfohlenen Grenzwerts der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Es vergeht eine halbe Stunde, bis das Flugzeug langsam zurückrollen darf und wir aussteigen können.

PM 2,5 – der sperrige Begriff ist zu einem festen Bestandteil im Alltagsvokabular in Peking geworden. Seit Premier Li Keqiang den Wert in seiner Ansprache vor den rund 3000 Delegierten des Volkskongresses erwähnte, mussten plötzlich Provinzpolitiker im ganzen Land die Luftwerte in ihrer Region studieren. Als ich vor sieben Jahren in Peking zur Universität ging, war die Luft auch nicht gut, aber unsere Professoren redeten uns ein, dies sei der normale Pekinger Nebel.

Seit knapp zwei Jahren bin ich als Journalist zurück in Peking. Heute leugnet niemand mehr das Smogproblem. Ganz im Gegenteil: Anfang des Jahres 2013 schrieben sogar Chinas Staatsmedien von apokalyptischen Zuständen. Nach Messungen der US-Botschaft in Peking erreichte die Feinstaubkonzentration (PM 2,5) damals den historischen Rekordwert von 886 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Die WHO hält nur eine Belastung von bis zu 25 Mikrogramm Feinstaubbelastung pro Kubikmeter Luft für unbedenklich.

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