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06.07.2017

10:57 Uhr

Phlegräische Felder

Europas Supervulkan regt sich wieder

Unter der Erdoberfläche am Golf von Neapel rumort ein riesiger Vulkan. Wann die Phlegräischen Felder ausbrechen, kann niemand genau vorhersagen. Eine Eruption würde nicht nur die unmittelbare Umgebung verheeren.

Blick auf die Phlegräischen Felder bei Neapel. Direkt neben der italienischen Millionenstadt liegt ein Supervulkan. dpa

Phlegräische Felder

Blick auf die Phlegräischen Felder bei Neapel. Direkt neben der italienischen Millionenstadt liegt ein Supervulkan.

Pozzuoli/NeapelEs ist so laut und stickig wie im Maschinenraum einer Fabrik. Roberto Isaia macht Fotos von einem grauen, schlickigen Tümpel direkt vor seinen Füßen, der aus den Tuff-Hügeln zu entspringen scheint und in dem es unaufhörlich blubbert.

Der Wind dreht. Der Geologe verschwindet an dem ohnehin hitzigen Tag ein paar Sekunden in der warmen Rauchsäule, die aus dem Vulkanfeld aufsteigt. Es riecht nach faulen Eiern, der Wasserdampf ist mit Schwefel und zahlreichen anderen Gasen versetzt.

In Pisciarelli, auf dem Weg von Neapel in die Küstenstadt Pozzuoli, wird greifbar, dass da etwas Gigantisches schlummert in den Tiefen der Erde. Anders als der Vesuv auf der anderen Seite der Großstadt am Golf, der als wohlgeformter Berg mit Krater der „Classico“ unter den Vulkanen ist, sind die Phlegräischen Felder (Campi Flegrei) unscheinbar.

Das Gebiet, auf dem sie sich erstrecken, ist vergleichsweise flach und wirkt alles andere als bedrohlich. Erst Satellitenbilder machen die zahlreichen und zum Teil überlappenden Explosionskrater deutlich.

Das etwa 150 Quadratkilometer große Areal hat eine hohe vulkanische Aktivität – und bereitet Forschern derzeit mehr Sorgen als sein allzeit präsenter Nachbar, der die Bewohner täglich an den historischen Ausbruch im Jahr 79 erinnert, als die Städte Pompeji und Herculaneum unter einer dicken Schicht aus Asche und Gestein begraben wurden.

Problemkinder am Golf von Neapel

Warf der Vesuv damals etwa 4 Kubik-Kilometer Gestein und Lava aus, spuckten die Campi Flegrei vor 39.400 Jahren etwa 350 Kubik-Kilometer Material. Die Explosion muss seinerzeit enorm gewesen sein: Die Asche gelangte bis nach Zentralrussland und verteilte sich im ganzen östlichen Mittelmeerraum. Es war die größte vulkanische Eruption der letzten Hunderttausend Jahre in Europa.

Spätestens seit zahlreiche Medien eine Studie des University College London (UCL) und von Forschern aus Neapel aufgriffen, steht das Vulkanfeld als Hochsicherheitsrisiko mit Folgen für ganz Europa wieder im Blickfeld der Öffentlichkeit. „Eine Eruption der Phlegräischen Felder könnte näher sein, als gedacht“, heißt es. „Europas Supervulkan rumort“, titeln Zeitungen. „Ist ein schlafender Riese aufgewacht?“ fragen andere.

Im Observatorium des Nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV) in Neapel überwachen Isaia und seine Kollegen die Phlegräischen Felder 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Und nicht nur der Supervulkan interessiert die Wissenschaftler – auch die anderen Problemkinder des Golfs von Neapel werden beobachtet: der Vesuv und die Vulkaninsel Ischia.

Kommentare (1)

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Herr Holger Narrog

07.07.2017, 10:44 Uhr

Meine Kenntnisse zum Vulkanismus und Geothermale Energie sind begrenzt.

Was spräche denn dagegen die geothermale Energie dieses Supervulkans zu nutzen. Das mag vielleicht weniger wirtschaftlich sein als ein Kohlekraftwerk. Andererseits könnte man dem Supervulkan etwas Energie nehmen.

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