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30.10.2014

13:16 Uhr

Plastikabfall

Kläranlagen versagen bei Mikroplastik

Plastikmüll wird zu einer zunehmend größeren Belastung für unsere Umwelt. Eine aktuelle Studie zeigt: Winzige Plastikteilchen schwimmen im Abwasser und können von Kläranlagen nur zum Teil herausgefiltert werden.

Filterwechsel an der Kläranlage des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV) in Oldenburg (Niedersachsen). Ohne solche Spezialfilter können Kläranlagen Mikroplastik nicht vollständig aus dem Abwasser beseitigen. dpa

Filterwechsel an der Kläranlage des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV) in Oldenburg (Niedersachsen). Ohne solche Spezialfilter können Kläranlagen Mikroplastik nicht vollständig aus dem Abwasser beseitigen.

BrakeKläranlagen sind mit Mikroplastik im Abwasser überfordert. Nur eine teure Schlussfiltration kann die Belastung drastisch reduzieren, wie eine Untersuchung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) ergab. Doch nur eine von zwölf untersuchten Anlagen verfügt über ein solches Filtersystem.

Mikroplastik besteht aus Teilchen von weniger als fünf Millimetern Größe. Viele dieser winzigen Partikel stammen direkt aus Duschgels, Zahnpasta oder anderen Artikeln mit Peeling-Effekt. Andere sind Bruchstücke und Fasern, die durch Abrieb und Zersetzung von Plastikgegenständen oder Fleece-Pullovern entstehen. Mikroplastik ist ein ökologisches Problem, weil es Schadstoffe an sich bindet und in die Nahrungskette gelangt.

Für die jetzt veröffentlichte Untersuchung im Auftrag des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands (OOWV) und des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) wurden Proben aus dem Ablauf von zwölf Kläranlagen entnommen. Die Belastung durch Partikel reichte von 86 pro Kubikmeter bis zu 714 je Kubikmeter, bei Fasern reichte die Spannbreite von 98 bis 1479 pro Kubikmeter.

Einzig die Kläranlage Oldenburg verfügt derzeit über eine Schlussfiltration per Tuchfilter. Diese reduzierte die Gesamtfracht von Mikroplastikpartikeln und -fasern um 97 Prozent. Bei einer Kläranlage fielen die Werte mit mehr als 13.000 Partikeln je Kubikmeter völlig aus dem Rahmen. Hier sei unbedingt eine weitere Untersuchung nötig, sagte der Mikrobiologe des AWI, Gunnar Gerdts, der die Proben auf Helgoland untersucht hat.

Je nach Anlagengröße gelangen pro Jahr zwischen 93 Millionen und 8,2 Milliarden Partikeln in die Vorfluter und damit in die Flüsse. Auch im Klärschlamm wurden große Mengen Mikroplastik gefunden. Je Kilogramm Trockenmasse waren es zwischen gut 1000 und mehr als 24.000 Teilchen.

Für jede Kläranlage ergibt das hochgerechnet Werte zwischen 1,2 und 5,7 Milliarden Partikeln und Fasern. Wenn Klärschlamm auf Felder ausgebracht wird, gelangen die Teilchen abermals in die Umwelt.

Die Studie ist nach Gerdts Angaben bisher einmalig, weil erstmals Mikroplastik nicht nur optisch erfasst und gezählt wurde. Mit Hilfe von Spektroskopie-Verfahren konnten verschiedene Kunststoffe wie Polyamid, Polyethylen oder Polystyrol identifiziert und von natürlichen Materialien abgegrenzt werden. Eine ähnliche Studie zur Rückhaltefähigkeit von Kläranlagen gab es bisher aus dem russischen St. Petersburg.

Kommentare (1)

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G. Nampf

30.10.2014, 16:07 Uhr

Ein sehr guter Artikel zur Plastik-Problematik!

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