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30.11.2014

09:05 Uhr

Regenwald-Zerstörung

Null-Abholzung bleibt ein Traum

Klimaschutz in Südamerika bedeutet vor allem Kampf gegen die Regenwald-Zerstörung am Amazonas. Dort kommen die Motorsägen einfach nicht zum Stillstand. Das Wunschziel „Null-Abholzung“ liegt in weiter Ferne.

Die Motorsägen kommen im Amazonas-Regenwald einfach nicht zum Stillstand. dpa

Die Motorsägen kommen im Amazonas-Regenwald einfach nicht zum Stillstand.

Rio de JaneiroNicht nur Umweltschützer sind sich einig über die essenzielle Rolle des Amazonas-Regenwaldes fürs globale Klima. Das größte zusammenhängende Regenwaldgebiet der Welt ist ein wichtiger CO2-Speicher und erstreckt sich über neun Länder. Die jeweiligen Regierungen haben mehr oder weniger umfassende Strategien zum Schutz des Regenwaldes. Jedoch fallen die Bilanzen gemischt aus. Bei der UN-Klimakonferenz in Perus Hauptstadt Lima schlägt von Montag an wieder die Stunde der Wahrheit.

Je nach Region ist der Wald-Raubbau unterschiedlich begründet. In Brasilien, dem mit rund 60 Prozent Regenwaldfläche größten Amazonas-Land, setzen Rinderzucht, Sojaplantagen und die Holzmafia dem Ökosystem zu. In den ebenfalls wichtigen Regenwaldländern Peru und Kolumbien kommen die Auswüchse des illegalen Minenbaus hinzu. In Zeiten wirtschaftlicher Krisen steigt der Goldpreis und damit auch das Goldfieber, das vor dem Regenwald nicht haltmacht. 

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel

Globale Erwärmung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.

Anstieg des Meeresspiegels

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.

Eisschmelze

Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.

Gletscherschwund

Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.

Extreme Wetterphänomene

In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.

Artensterben

Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.

Zwei-Grad-Ziel

Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.

Climategate

Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

Rund 35 Prozent der Treibhausgas-Emissionen sind in Brasilien auf Waldzerstörung und extensive Landwirtschaft zurückzuführen. Das Land konnte die Abholzungsrate in den vergangenen Jahren deutlich bremsen. Wurden im schlimmsten Jahr 2004 noch 27.772 Quadratkilometer Regenwald zerstört, waren es 2011/2012 „nur“ 4571 Quadratkilometer. Für 2013/2014 meldete das nationale Institut für Raumfahrtforschung (INPE) am Mittwoch nach vorläufigen Zahlen einen Rückgang um 18 Prozent auf 4848 Quadratkilometer im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Während Brasilien schon lange ein ausgeklügeltes Satelliten-Kontrollsystem zur Überwachung der Wälder nutzt, stellte Kolumbien dieses Jahr zum ersten Mal überhaupt offiziell die Abholzungsrate vor. 1200 Quadratkilometer Waldfläche fielen dort 2013 Motorsäge oder Brandrodung zum Opfer.

Ähnlich hoch liegt die Rate im Gastgeberland der UN-Klimakonferenz Peru. Perus Umweltminister Manuel Pulgar-Vidal steht zu dem Ziel, mittelfristig die Entwaldung zu stoppen: „Es gibt seit 2009 in Peru das Ziel, bis 2021 die Abholzung netto auf null zu reduzieren, indem wir entwaldete Flächen wiederaufforsten.“

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