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26.09.2013

19:52 Uhr

Rezension „Klimafakten“

Ein Wetterfrosch erklärt das Klima

VonThorsten Giersch

Nach dem Abgang von Jörg Kachelmann ist Sven Plöger der bekannteste Wetterexperte der TV-Republik. Passend zum neuen IPCC-Bericht ist sein Buch „Klimafakten“ erschienen, in dem er mit vielen Missverständnissen aufräumt.

Seit dem Abgang von Jörg Kachelmann ist Sven Plöger Deutschlands bekanntester Wetterfrosch. dpa

Seit dem Abgang von Jörg Kachelmann ist Sven Plöger Deutschlands bekanntester Wetterfrosch.

DüsseldorfNicht jeder Fernsehmann vor einer Wetterkarte ist gelernter Meteorologe. Zudem geben gerade private TV-Sender verstärkt knapp bekleideten weiblichen Schönheiten den Vorzug. Sven Plöger steht für Qualität. Der studierte Meteorologe berichtet seit 1999 in Funk und Fernsehen über das Wetter und ist seit dem Abgang von Jörg Kachelmann Deutschlands bekanntester „Wetterfrosch“.

Nun hat Plöger gemeinsam mit Frank Böttcher, dem Chef des Instituts für Wetter- und Klimakommunikation, ein hilfreiches Buch geschrieben. Der Titel „Klimafakten“ könnte langweiliger kaum sein, gibt aber einen Hinweis auf die nüchterne Aufräumarbeit, die hinter dem Projekt steht. Plöger ist Journalist und als solcher so objektiv, wie es ein Buchautor eben sein kann. Das gilt auch für den Wissenschaftler Frank Böttcher.

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel

Globale Erwärmung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.

Anstieg des Meeresspiegels

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.

Eisschmelze

Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.

Gletscherschwund

Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.

Extreme Wetterphänomene

In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.

Artensterben

Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.

Zwei-Grad-Ziel

Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.

Climategate

Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

Wie wichtig das gerade beim Thema Klimawandel ist, erklären die Autoren gleich zu Beginn des Buches: „Die einen sagen, dass der Klimawandel eine Katastrophe ist, die wir Menschen verursachen. Die anderen sagen, dass der Klimawandel von der Sonne verursacht wird.“ Nicht-Wissenschaftler würden in dieser Gemengelage der eloquenten Fachleute leicht zu falschen Eindrücken kommen.

Diesem Urteil kann man nicht widersprechen und entsprechend lesenswert ist dieses Buch, eben weil es Unwissenheit zugibt, wo es keine klaren Antworten gibt. Plöger vereinfacht komplizierte Dinge nicht über Gebühr - trotz einer verständlichen Sprache. Das Buch soll ein „Wegweiser durch die Stimmenvielfalt“ sein, aber kein „allumfassendes Klimabuch“. Diesem Anspruch wird genüge getan.

Zunächst machen die Autoren deutlich, dass wir über unsere Verhältnisse leben: Weil wir etwa alljährlich die nachwachsenden Ressourcen von 1,4 Erden verbrauchen. Handeln tut also Not, aber auch weh. Denn irgendwer muss die Energiewende („wird sicher kommen“) bezahlen. Und wer zahlt schon gern für etwas, wovon er nichts hat, sondern erst die Nachkommen?

Kommentare (4)

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Klimamanifest_von_Heiligenroth

27.09.2013, 07:08 Uhr

Ich kann nur jedem empfehlen, sich die "unbequemen Wahrheiten" über den "Klimapapst" Hans Joachim Schellnhuber anzuschauen: http://www.klimamanifest-von-heiligenroth.de/wp/?p=249

Sven Plöger ist auch jemand, der diese Informationen - trotz Wissen - nur allzugerne verschweigt. Sven Plöger lässt dann auch schon mal Bild- und Tonaufzeichnungen bei seinen öffentlichen Vorträgen, die das dokumentieren würden, verweigern. So geschehen im Oktober 2012 in Dülmen.

Account gelöscht!

27.09.2013, 09:43 Uhr

Leute von HB, ihr reitet ein totes Pferd:

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/f-william-engdahl/falsche-klimaprognosen-ipcc-und-al-gore-geraten-in-panik.html

http://www.welt.de/wirtschaft/article120219019/Forscher-entziehen-Klimaregulierern-die-Grundlage.html

"Die Kunst der Besteuerung liegt darin, die Gans zu rupfen, dass sie unter möglichst wenig Geschrei so viele Federn wie möglich lässt." J.B. Colbert (1619 - 1683)

Wer ständig lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn es an der Steuer gebricht!

Auch sonst fliegen, die grünen Lügen auf (insbesondere aufgrund von Tatsachen, daß sie nicht dem Umweltschutz, sondern dem Abzocken der Bürger dienen):

http://www.iknews.de/2013/09/27/teuer-nutzlos-abgezockt-naechster-preisschub-wegen-eeg/

Account gelöscht!

27.09.2013, 09:47 Uhr

PS: es ruiniert die beste Wissenschaft (und zwar immer), wenn staatliche und großkapitalistische Interessen hineinspielen. Man schaue sich nur den desolaten Zustand der Wirtschafts-"Wissenschaften" an.

Forschung beruht auf Forschungs-FREIHEIT, Ideologie auf Steuerung via "Forschungsgeldern" und (gezielter) Wissenschafts-Förderung. Über die Rollen der Medien in diesem Zusammenhang lasse ich mir hier besser nicht weiters aus - das kann sich aber jeder selbst denken.

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