Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.12.2015

15:11 Uhr

Rhein durch Mikroplastik in Gefahr

Winzige Plastikteile belasten den Fluss

Die Zeiten, in denen der Rhein die Kloake Europas war, sind dank moderner Umwelttechnik vorbei. Doch wirklich sauber ist das Flusswasser nicht: Extreme Konzentrationen von Plastik-Mikropartikeln bereiten Experten Sorgen.

Der Rhein bei St. Goar (Rheinland-Pfalz). Experten haben hohe Konzentrationen von Plastikpartikeln im Rheinwasser nachgewiesen. dpa

Mittelrheintal

Der Rhein bei St. Goar (Rheinland-Pfalz). Experten haben hohe Konzentrationen von Plastikpartikeln im Rheinwasser nachgewiesen.

BaselDer Rhein gehört zu den weltweit am stärksten mit Plastikteilchen verunreinigten Gewässern. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung von Schweizer Wissenschaftlern hervor.  Besonders viele dieser Mikroteile finden sich im Ruhrgebiet, berichten Forscher der Universität Basel in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“.

„Die Konzentrationen von Mikroplastik im Rhein liegen im Bereich der höchsten Konzentrationen der bisher weltweit untersuchten Gewässer“, sagt die Leiterin der Studie, die Biologin Patricia Holm vom Departement Umweltwissenschaften der Universität Basel. Am Rheinknie in Basel sei die Belastung noch leicht unter jener des Genfersees, in der Rhein-Ruhr-Region sei sie hingegen zehnmal höher.

Verschmutzung durch Plastik ist eines der großen Probleme für die Gewässer der Erde. In den Weltmeeren bildet Plastikabfall riesige treibende Inseln. Plastikteile von 0,3 bis 5 Millimeter finden sich inzwischen in fast allen Gewässern.

„Sie treten als Zwischenprodukt bei der Kunststoffherstellung sowie als Granulat in Reinigungs- und Pflegeprodukten auf und entstehen bei der Zersetzung größerer Plastikteile in der Umwelt“, erklären die Forscher. Auf dem Wasser treibender Plastikmüll sieht nicht schön aus, die Minipartikel bereiten den Forschern aber weit größere Sorgen: Je kleiner sie sind, desto leichter können sie von Tieren aufgenommen werden.

191 Millionen Partikel pro Tag

In Würmern, Schnecken, Muscheln, Wasserflöhen und Muschelkrebsen ließen sich bereits aufgenommene Mikropartikel nachweisen. Gefährlich ist neben der mechanischen Wirkung vor allem, dass die Partikel Schadstoffe enthalten und anreichern können. Pestizide zählen dazu, Polychlorierte Biphenyle (PCB) und Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) – allesamt gesundheitsschädlich oder krebserregend. Ihre Konzentration kann in den Plastikpartikeln nach Analysen bis zu 100.000-fach höher sein als in der Umgebung.

Der Rhein sei der erste große Meereszufluss, der auf Plastikabfall untersucht wurde. Andere Forschende hätten zuvor Ozeane, Seen und kleinere Flüsse unter die Lupe genommen, berichten die Forscher. Sie entnahmen bis zur Rheinmündung nahe Rotterdam an elf Standorten insgesamt 31 Proben an der Flussoberfläche. Dabei wurde Mikroplastik in einer durchschnittlichen Konzentration von 892.777 Partikeln pro Quadratkilometer gefunden.

Zwischen Basel und Mainz waren es 202.900 Partikel, in der Gegend um Köln 714.053 und im Rhein-Ruhr-Raum im Mittel 2,3 Millionen Partikel. Der Spitzenwert von 3,9 Millionen Partikeln pro Quadratkilometer wurde in Rees gemessen, rund 15 Kilometer vor der niederländischen Grenze. Weiter meerwärts sanken die Mikroplastik-Werte wieder.

Zum Vergleich: Im Genfersee wurden 220.000 Partikel, im Erie-See in den USA 105.500 festgestellt. Rechne man den Spitzenwert von Rees hoch, so bringe der Rhein jeden Tag 191 Millionen Partikel zum Atlantik, was sich auf zehn Tonnen im Jahr summiere, erklärte Holm.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×