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30.07.2011

11:10 Uhr

Rückbau von Kraftwerken

Die Last mit der Altlast

VonJürgen Flauger, Dieter Fockenbrock

Der Atomausstieg ist für die Energiekonzerne ein finanzieller GAU, jetzt kommt noch der Rückbau der AKW auf sie zu. Der wird die Bilanzen der Konzerne zusätzlich belasten - und vermutlich viel teurer werden als erwartet.

Atomkraftwerk Biblis. Nach dem Aus für die Atomkraft heißt es nun: Was kostet die Entsorgung der Kernkraftwerke? Quelle: dpa

Atomkraftwerk Biblis. Nach dem Aus für die Atomkraft heißt es nun: Was kostet die Entsorgung der Kernkraftwerke?

DüsseldorfKeine Kilowattstunde Strom, kein Cent Gewinn. Seit Mitte März stehen die Reaktoren Biblis A und B in Hessen, Isar 1, Philipsburg 1 und Neckarwestheim 1 in Süddeutschland sowie Unterweser, Krümmel und Brunsbüttel im Norden schon nutzlos herum.

In den Vorstandsetagen der Atomkonzerne ist der Ärger über den Atomausstieg und den Verlust ihrer zuverlässigsten Gewinnbringer schon groß genug. Noch ärgerlicher ist, dass jetzt das Milliardenprojekt Rückbau und Entsorgung beginnt. Es wird die Bilanzen der Konzerne noch über Jahrzehnte belasten - und vermutlich viel teurer werden als erwartet.

Bislang hatten die vier Unternehmen zusammen 32 Milliarden Euro für den Rückbau der deutschen Anlagen eingeplant. Am Donnerstag stockte der Vattenfall-Konzern seine Rückstellungen schon einmal um 570 Millionen auf - nun hat der Energieversorger 2,6 Milliarden Euro für den Rückbau in den Büchern. "Der Atomausstieg in Deutschland belastet uns schwer", sagte Vorstandschef Øystein Løseth. EnBW wird heute bei der Präsentation des Zwischenberichts die Rückstellungen ebenfalls um einen dreistelligen Millionen-Betrag erhöhen.

Auch Eon und RWE werden in zwei Wochen, im Halbjahresbericht, um eine deutliche Erhöhung der Rückstellungen nicht herum kommen. Der Eon-Konzern wird schon allein durch Vattenfall unter Druck gesetzt. Er ist an Krümmel zu 50 Prozent und an Brunsbüttel zu einem Drittel beteiligt.

Die Konzerne müssen jetzt unmittelbar auf den Ausstiegsbeschluss reagieren. Weil die Kernenergie schon 2022 endgültig beendet wird, zwölf Jahre früher als geplant, benötigen sie das Geld für den Rückbau schneller. Fällt eine zukünftige Belastung früher an, ist sie in der Bilanz höher zu bewerten.

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