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20.09.2011

10:42 Uhr

Schiefergas

„Das Risiko ist beherrschbar“

VonDaniel Lingenhöhl
Quelle:Spektrum.de

Steigende Preise für Öl und Gas haben die Erschließung neuer Vorkommen beschleunigt. Darunter befindet sich auch das umstrittene Schiefergas. Doch wie groß sind die Umweltgefahren durch unkonventionelle Gaslagerstätten? Ein Interview mit dem Physiker Ingo Kapp vom Geo-Forschungs-Zentrum Potsdam.

Bürger der Interessengemeinschaft "Schönes Lünne" demonstrieren vor einer Baustelle zur Erdgasprobebohrung des Energieerzeugers Exxon Mobil in Lünne (Kreis Emsland). Die Förderung von Schiefergas ist umstritten. dpa

Bürger der Interessengemeinschaft "Schönes Lünne" demonstrieren vor einer Baustelle zur Erdgasprobebohrung des Energieerzeugers Exxon Mobil in Lünne (Kreis Emsland). Die Förderung von Schiefergas ist umstritten.

Herr Kapp, immer wieder hört oder liest man von brennenden Gashähnen im Zusammenhang mit der Förderung von Schiefergas. Ist diese eine reelle Gefahr, die bei der Förderung des Rohstoffs beachtet werden muss?

Ingo Kapp: Sie haben wahrscheinlich den Film "Gas Land" gesehen, in dem diese brennenden Wasserhähne gezeigt werden. Dabei handelt es sich jedoch um ein generelles Problem, das bei jeder Gasförderung auftreten kann – und nicht nur bei Schiefergas. Bisweilen gelangt brennbares Methan auch auf natürliche Weise in das Grundwasser, etwa in der Nähe von Mooren. Generell muss man sauber arbeiten und ein ordentliches Qualitäts- und Risikomanagement beachten, dann reduziert sich die Gefahr, dass brennbare Gase als Folge einer Erdgasförderung aus dem Wasserhahn austreten können.

Was muss sich der Laie unter "sauber arbeiten" vorstellen?

Es existiert ein umfassendes Regelwerk, nach dem Bohrungen ausgebaut und gesichert werden – dies betrifft etwa die Zementierung des Bohrlochs, also der dicht abschließenden Verbindung der Verrohrung mit dem umliegenden Gestein. Die Einhaltung dieser Vorschriften muss ständig überprüft werden. Wenn dabei allerdings etwas schiefläuft, kann durchaus Erdgas in darüber liegende Bodenschichten gelangen und ins Grundwasser eintreten. Diese Gefahr ist bekannt, und wir sollten sie nicht verharmlosen, doch können wir uns dagegen wappnen – das Risiko ist beherrschbar.

Ingo Kapp, Physiker am Geo-Forschungs-Zentrum Potsdam erforscht unter anderem, welche Umweltauswirkungen die Förderung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten hat. PR

Ingo Kapp, Physiker am Geo-Forschungs-Zentrum Potsdam erforscht unter anderem, welche Umweltauswirkungen die Förderung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten hat.

Wie häufig tritt ein derartiges Problem auf?

Dabei handelt es sich nicht um ein Massenphänomen, in Europa kennen wir es eigentlich überhaupt nicht. In den USA kam es allerdings häufiger zu Zwischenfällen, weil dort in den 1990er und frühen 2000er Jahren sehr viele Bohrungen niedergebracht wurden – auch durch Firmen, die kein wirksames Qualitäts- und Risikomanagement einhielten. In Europa sind die Forderungen und Kontrollen strenger, das ist einer der Gründe, warum Bohrungen etwa vier Mal so viel kosten wie in den USA. Aber auch in den USA wurden die Qualitätsstandards und -kontrollen inzwischen deutlicher verbessert. In Deutschland und in anderen Ländern Europas hatten wir meines Wissens noch keine Fälle von Methan im Grundwasser durch Erdgasbohrungen

Die brennenden Hähne dienen also eher als dramatisches Element für die Berichterstattung? 

Methan kann generell auf natürlichem Weg in das Grundwasser und damit ebenso in normale Hauswasserbrunnen gelangen, etwa in der Nähe von Moorgebieten oder flachen Kohleflözen. Über brennende Wasserhähne wurden daher früher ebenfalls schon berichtet – vor der Schiefergaszeit. Es soll sogar Wasserfälle geben, die periodisch in Brand geraten. Diese Phänomene werden nun im Zusammenhang mit den Diskussionen über die Umweltauswirkungen der Schiefergasförderung inszeniert, da sie sich in einem kritischen Film gut machen und Aufmerksamkeit erregen. Ich will die Problematik nicht verharmlosen, aber letzten Endes handelt es sich dabei nicht um ein spezifisches Problem der Schiefergasförderung, das sich zudem durch sauberes Arbeiten in den Griff bekommen lässt. 

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

20.09.2011, 11:14 Uhr

Ein Lobbyst hat gesprochen!

fenfir

20.09.2011, 23:42 Uhr

Das Risiko ist beherschbar,

wo her kenne ich das

USA / Russland / Japan,

es war immer beherschbar

Kuno

21.09.2011, 01:37 Uhr

"Das Risiko ist beherrschbar"

Vermutlich ist es Zufall, dass ich ausgerechnet jetzt an Fukushima denken muss...

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