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10.06.2011

10:13 Uhr

Schwarm-Forschung

Klimawandel lässt Bienen den Frühling verschlafen

Wegen der Klimaerwärmung blühen viele Pflanzen früher. Tieren wie der Honigbiene kann dies Probleme bereiten. Ein Kooperationsprojekt an der Technischen Uni in München erforscht, wie die Biene mit dem Wandel umgeht.  

Eine von Carnica-Bienen besetzte Honigwabe Quelle: dpa

Eine von Carnica-Bienen besetzte Honigwabe

MünchenAls in diesem Jahr die ersten Blumen blühten und die Natur erwachte, fehlte ein Tier: die Honigbiene. Sie schien ihren Frühlingsausflug verschlafen zu haben. „Mit dem Klimawandel sehen wir zunehmend ein Auseinanderdriften zwischen Temperatur und der ersten Flugaktivität“, erklärt der Bienenexperte Jürgen Tautz von der Universität Würzburg.

Obwohl Forscher nachgewiesen haben, dass sich der europäische Frühling alle zehn Jahre um 2,5 Tage nach vorn verschiebt, scheinen die früher steigenden Temperaturen die Bienen kalt zu lassen.  Wie die Honigbienen auf die höheren Frühjahrstemperaturen reagieren, versucht Raimund Henneken herauszufinden. Er ist Doktorand an der Technischen Universität (TU) München. „Durch die Umgebungstemperatur sind die Bienen direkt und durch die Blüte der Pflanzen indirekt vom Klima abhängig. Daher ist es sinnvoll, Bienenvölker Jahr für Jahr in den Frühjahrsmonaten zu beobachten. So kann man später Rückschlüsse auf das Verhalten der Bienen im Klimawandel ziehen“, erklärt er.  

Das Projekt „Klimabiene“ konzentriert sich auf einen der wichtigsten Zeitpunkte im Leben der Tiere, auf das Schwärmen. Mit diesem Naturschauspiel vermehrt sich ein Volk. Damit die Tiere schwärmen, muss das Wetter über mehrere Wochen mild gewesen sein. Die Insekten müssen körperlich fit sein, und sie müssen sich im alten Heim so gut vermehrt haben, dass die Behausung - ob hohler Baumstamm oder künstlicher Imkerkasten - schlichtweg zu eng wird.

Das Zünglein an der Waage ist jedoch ein sonniges und warmes Wetter am Ausflugstag.  Dann teilt sich das Volk, und es passiert das, was viele Münchner an einem sonnigen Maitag dieses Jahres mitten in der Innenstadt bestaunen konnten: Zu einer schwarzen Traube geformt, hingen Tausende Bienen an einem Blumenkasten - bis ein Imker kam und sie einfing. „Hätte man sie nicht eingefangen, wären sie spätestens nach zwei, drei Tagen weg gewesen“, sagt Henneken. Dann sucht sich der Schwarm mit der alten Königin ein neues Heim.

Zwischen Mai und Juli findet dieses Phänomen viele Tausend Male in Deutschland statt.  Imker können das Ereignis vorhersehen, wenn sich sogenannte Weiselzellen (Königinnenzellen) in ihrem Kasten finden. Schauen sie nicht danach, hängt früher oder später irgendwo in der näheren Umgebung eine Traube Bienen.

Kommentare (2)

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Manni0815

19.06.2011, 09:01 Uhr

Was ein Humbug.

Die Bienenvölker waren zur richtigen Zeit an den Obstbäumen und zur Obstblüte sehr gut entwickelt. Die Schwärme kamen zwei bis drei Wochen früher als üblich, entsprechend des sehr warmen Frühlingsklimas 2011.
Bis Anfang Juni konnte man neben 40 Kilo Honig pro Volk 3 Jungvölker schaffen, ohne ein Gramm Zucker verfüttern zu müssen, das war Rekord. Warum keine Bienen mehr in den Obstgärten zu finden sind, wissen die an der Studie beteiligten Wissenschaftler nur zu gut. Seit einem Jahrzehnt sterben jährlich 30 % der Bienenvölker an Pestiziden, insbesondere durch Neonicotinoide.
Nur das darf eine Forschung deutscher Wissenschaftler nicht ergeben. Also erfindet man hanebüchene Ursachen und merkt gar nicht, wie man als Wissenschaftler der Natur und der ganzen Menschheit damit schadet.
Bitte verschwendet nicht alle europäischen Subventionen für Lug und Trug, sondern fördert die Imkerei, solange noch genug Menschen da sind, die diesen Beruf beherrschen.
Würde ich als Berufsimker bei den derzeitigen Verhältnissen weiter mit Bienen arbeiten, müsste ich bei 150 Bienenvölkern pro Jahr etwa mit 15000 Euro Verlust rechnen. Und das bei einer Bestäubungsleistung von etwa 75000 Euro die der Gemeinschaft zu gute käme.
Mit der derzeitigen Landwirtschaftspolitik wird man dem drittwichtigstem Haustier nicht gerecht.

Manfred Gerber, Umweltbund e.V.

Mueller

28.06.2011, 23:11 Uhr

Das Projekt Klimabiene ist privat finanziert und wird ehrenamtlich betreut. Daher werden genau 0 Euro öffentliche Gelder für dieses Forschungsprojekt ausgegeben. Von einer Abhängigkeit zu Pestizid-Produzenten kann daher keine Rede sein.

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