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08.10.2015

13:35 Uhr

Seattle unter Spannung

Warten auf das große Beben

Eine Stadt zerstört, zehntausende Menschen tot: Im Film San Andreas wird San Francisco durch ein Beben in Schutt und Asche gelegt. Vergleichbares könnte sich auch weiter nördlich abspielen: Seattle ist extrem gefährdet.

Seattle gilt als extrem erdbebengefährdet. Wissenschaftler rechnen jederzeit mit einem schweren Erdbeben in der Region. dpa

Seattle

Seattle gilt als extrem erdbebengefährdet. Wissenschaftler rechnen jederzeit mit einem schweren Erdbeben in der Region.

SeattleSeattle ist die vielleicht entspannteste Großstadt der USA. Denn die Metropole des Nordwestens ist nicht nur für Kaffee und Regen bekannt, sondern auch für ihre Hippie- und Studentenkultur, die alles etwas gemächlicher macht.

Und doch Seattle steht unter Spannung, seit Jahrhunderten schon. Und wenn sich diese Spannung entlädt, könnte es Zehntausende Menschen das Leben kosten: Die ganze Region ist erheblich erdbebengefährdet, und Wissenschaftler rechnen mit dem „Really Big One“, dem wirklich großen Beben. Nur weiß keiner, wann es kommt.

Von der San-Andreas-Spalte hat schon fast jeder gehört, und die geologische Verwerfung, die sich durch Kalifornien zieht, war gerade Namensgeber eines Films. Eines Katastrophenfilms. „Es ist der vielleicht am besten erforschte Graben der Seismologie, dabei könnte es im Norden viel gefährlicher werden“, sagt John Vidale von der University of Washington in Seattle.

Die Rede ist von der Cascadia-Subduktionszone. Was so technisch klingt, ist ein Graben, der sich von Nordkalifornien über die Bundesstaaten Oregon und Washington über Seattle bis nach Vancouver in Kanada zieht.

„Hier stoßen zwei Platten aneinander, und die Spannungen haben sich seit Jahrhunderten aufgebaut“, erklärt Vidale. „Wir wissen, dass das Beben kommen wird. Und es könnte das ganz große werden.“ „The Big One“, „das Große“, wird seit Jahrzehnten für Kalifornien erwartet mit einer Stärke von 8,0 bis 8,6 auf der Richterskala. Doch Cascadia, warnt Vidale, sei sogar für ein Beben jenseits der 9,0 gut: „Das wäre „The Really Big One“.“

Und bei dem „wirklich großen“ Beben müsse mit erheblichen Opfern gerechnet werden, selbst im dünn besiedelten Nordwesten. „Wir gehen von mindestens 3000, 4000 Toten aus. Aber wenn es zum Tsunami kommt und an einem schönen Tag alle am Wasser sind, könnten es auch 15.000 oder mehr werden.“ Das wäre die mit Abstand größte Katastrophe in der Geschichte der USA.

Die US-Katastrophenbehörde Fema geht von 13.000 Toten und doppelt so vielen Verletzten aus, von einer Million Obdachlosen und zwei Millionen Menschen ohne Wasser und Nahrung. „Dieses eine Mal hoffe ich, dass sich alle Wissenschaftler irren und es die nächsten tausend Jahre nicht passiert“, sagte Fema-Regionalchef Kenneth Murphy der Zeitschrift „The New Yorker“.

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