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23.09.2014

08:36 Uhr

Sechs Szenarien

Was Sie über den Klimawandel noch nicht wussten

VonThomas Trösch

Neben schmelzenden Eisschilden und steigendem Meeresspiegel gibt es weniger bekannte, aber nicht weniger bedeutsame Folgen des Klimawandels. Lesen Sie hier von sechs Szenarien, die Sie vielleicht so noch nicht kannten.

Der Klimawandel wird den Planeten Erde verändern - wie stark, das liegt noch in unserer Hand. dpa

Der Klimawandel wird den Planeten Erde verändern - wie stark, das liegt noch in unserer Hand.

BerlinNeue Runde im Konferenz-Marathon zum globalen Klimawandel: Der New Yorker Uno-Gipfel soll neuen Schwung in die internationalen Verhandlungen bringen, damit spätestens Ende 2015 ein neuer globaler Klimavertrag abgeschlossen werden kann.

Was passiert, wenn sich die Weltgemeinschaft nicht auf einen wirksamen Handlungskatalog einigen kann, haben Wissenschaftler in einer Vielzahl von Untersuchungen aufgezeigt. Schmelzende Eisschilde und steigende Meeresspiegel zählen dabei zu den bekannten Szenarien. Doch es gibt einige Folgen, die weniger bekannt, aber nicht weniger weitreichend sind.

  • Vulkane werden aktiver

Wie stark Vulkanausbrüche das Klima beeinflussen können, hat uns in jüngerer Vergangenheit der Pinatubo eindrucksvoll vor Augen geführt. Als der philippinische Feuerberg 1991 explodierte, legten sich seine riesigen Wolken aus Asche und Schwefelpartikeln wie ein Schleier um die Erde. Als Folge dieses natürlichen Sonnenschirms lagen die globalen Temperaturen in den folgenden Monaten im Schnitt um 0,5 Grad Celsius niedriger als im langjährigen Durchschnitt.

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel

Globale Erwärmung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.

Anstieg des Meeresspiegels

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.

Eisschmelze

Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.

Gletscherschwund

Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.

Extreme Wetterphänomene

In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.

Artensterben

Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.

Zwei-Grad-Ziel

Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.

Climategate

Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

Vulkane verändern also das Klima, doch der umgekehrte Prozess lässt sich ebenfalls nachweisen. Klimaveränderungen haben in der Erdgeschichte wiederholt zu verstärkter Vulkantätigkeit geführt – und zwar stets dann, wenn sich die Erde erwärmte. So haben Forscher des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung (Geomar) in Kiel anhand von Asche-Ablagerungen vor der Pazifikküste Mittelamerikas nachweisen können, dass über einen Zeitraum von 460.000 Jahren hinweg auf einen raschen Anstieg der weltweiten Temperaturen eine erhöhte vulkanische Aktivität folgte.

Verantwortlich dafür sind Gewichtsverschiebungen, die durch das Abschmelzen von Gletschern an Land und den damit verbundenen Anstieg der Meeresspiegel entstehen. Die abschmelzende Eislast reduziert das auf den Kontinenten lastende Gewicht, während die ozeanischen Erdplatten durch das zusätzlich in die Meere einströmende Schmelzwasser stärker unter Druck geraten. Durch die dabei auftretenden Spannungen in der Erdkruste öffnen sich an der Erdoberfläche neue „Abflussrohre“ für glutflüssiges Tiefengestein, gleichzeitig drängt verstärkt Magma aus der Tiefe nach – die Vulkane laufen regelrecht über.

  • Bis zu 40 Tage mehr Smog

Schon heute ist die Luft in den „Smog-Hauptstädten" der Welt – wie Delhi, Peking oder Jakarta – an vielen Tagen im Jahr so schmutzig, dass sich die Menschen nur noch mit Atemmaske ins Freie wagen. Nach Berechnungen der Weltgesundheitsorganisation WHO ist verschmutzte Luft pro Jahr für 3,7 Millionen Todesfälle weltweit verantwortlich. Und die Smogbelastung wird als Folge des Klimawandels weiter steigen, wie Forscher der Stanford University vorhersagen.

Sie berechneten anhand von Klimamodellen, wie sich der sogenannte Stagnationsindex entwickeln wird, wenn sich der globale Ausstoß an Treibhausgasen nicht verringert. Dieser Index zeigt die Häufigkeit von Bedingungen an, die für die Entstehung von Smog besonders günstig sind, wie etwa das Fehlen von Wind und Regen in Bodennähe bei gleichzeitig nur schwach ausgeprägten Höhenwinden.

Demnach dürften bis zum Ende des Jahrhunderts etwa 55 Prozent der Weltbevölkerung von einer im Vergleich zu heute stärkeren Smogbelastung betroffen sein. Für einige Gebiete sagen die Forscher bis zu 40 zusätzliche Smog-Tage pro Jahr voraus. Besonders gefährdet sind heute schon stark betroffene Gebiete wie Indien oder China, aber auch am Mittelmeer könnte es in Zukunft häufiger zu „dicker Luft“ kommen.

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