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16.09.2013

12:44 Uhr

Selbstfahrender Mercedes

„Finger weg, jetzt lenke ich“

VonBenjamin Bessinger
Quelle:Spotpress

Mit einer autonomen Testfahrt beweist mir Mercedes, dass der Autopilot keine Utopie mehr ist. Die Aussicht auf noch mehr Entspannung in der S-Klasse lockt mich. Aber der Weg dahin ist purer Nervenkitzel.

Mit einer autonomen Testfahrt auf historischer Route beweist Mercedes, dass der Autopilot keine Utopie mehr ist.  Mercedes

Mit einer autonomen Testfahrt auf historischer Route beweist Mercedes, dass der Autopilot keine Utopie mehr ist.

Dieser Mann hat Nerven wie Drahtseile: Ralf Herrtwich sitzt im Fond einer Mercedes S-Klasse und doziert in alle Ruhe darüber, weshalb der freundliche Herr vorne am Steuer so mir nichts, dir nichts die Hände vom Lenkrad nimmt. Die Limousine beschleunigt auf Tempo 100, vor uns, hinter uns und auf der Gegenspur rollt der ganz normale Alltagsverkehr und der Fahrer ist plötzlich nur noch Passagier. Und Herrtwich verzieht keine Miene. Denn der Mann weiß, was sein Fahrer da tut. Schließlich ist er Forschungschef bei Mercedes und diese S-Klasse sein neuester Prototyp.

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Basierend auf den zahlreichen Sensoren des Serienmodells hat er die bis auf ihre weißen „Intelligent Drive“-Aufkleber eher unscheinbare Limousine mit so viel Zusatztechnik aufrüsten lassen, dass sie jetzt ganz autonom durch den Verkehr zwischen Mannheim und Pforzheim schwimmt.

Auf dieser historischen Route, auf der vor 125 Jahren schon Bertha Benz bei der ersten Langstreckenfahrt des Autos unterwegs, will Mercedes beweisen, dass der Autopilot keine ferne Utopie mehr ist und Projektleiter Eberhard Kaus nur noch zur Sicherheit hinter dem Steuer sitzt.

Selbst jetzt, als die Straße auf Bruchsal zuführt, die S-Klasse das Tempo heraus nimmt und mit genau 50 km/h am Ortschild vorbei rollt: Chaotisch parkende Autos auf der engen Einfallstraße, Ampeln und Zebrastreifen, Fußgänger und Radfahrer, Kreuzungs- und Gegenverkehr: Herrtwich sitzt im Fond und lächelt ungerührt und Kaus krümmt selbst jetzt keinen Finger.

Die Aussicht auf eine führerlose S-Klasse und noch mehr Entspannung am Steuer ist verlockend. Mercedes

Die Aussicht auf eine führerlose S-Klasse und noch mehr Entspannung am Steuer ist verlockend.

Zwar hat der die Hände im Schoß und die Füße auf dem Boden, aber mit konzentriertem Blick folgt er dem Geschehen und wäre jederzeit bereit einzugreifen, wenn bei dieser Testfahrt etwas aus dem Ruder liefe. Mit der Entspannung und Entlastung, die Mercedes den S-Klasse-Kunden von Übermorgen mit solchen Systemen in Aussicht stellt, hat seine Fahrt dabei noch nicht viel gemein.

Schon nach ein paar Minuten steht ihm der Schweiß auf der Stirn, der Blick ist fokussiert und die Antworten auf etwaige Zwischenfragen werden immer kürzer. Zu groß ist ihm das Risiko, dass die Kamera mal eine rote Ampel übersieht, dass in letzter Sekunde ein Fußgänger auf die Fahrbahn läuft oder dem Paketkurier da vorne ein Päckchen von seiner Sackkarre fällt. Kaus ist deshalb angespannt wie ein Leistungssportler im Zehnkampf und stöhnt bei einem kurzen Stopp: „Das ist viel anstrengender als selbst zu fahren.“

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