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05.06.2011

10:20 Uhr

Smart Grid

Paulaner verdient Geld mit Stromlücken

VonAxel Höpner

Auch Unternehmen können zum Gelingen der Energiewende beitragen. Der Bierbrauer Paulaner schaltet seine Kälteanlagen ab, um das Stromnetz zu entlasten. Dabei profitiert das Unternehmen gleich doppelt.

Die Stromkosten machen für den Bierbrauer Paulaner etwa fünf Prozent der Herstellungskosten aus. Quelle: dpa

Die Stromkosten machen für den Bierbrauer Paulaner etwa fünf Prozent der Herstellungskosten aus.

München

Die Bierbrauer sind ja nicht unbedingt als allzu offen für Innovationen bekannt. Schließlich brauen sie seit Jahrhunderten nach demselben Rezept. Doch bei der Münchener Traditionsbrauerei Paulaner hat bereits begonnen, worüber anderswo noch gesprochen wird: die Energiewende.

In einer Halle auf dem Firmengelände am berühmten Münchener Nockherberg stehen mehrere lärmende Kältekompressoren, sie spielen eine Schlüsselrolle im aktuellen Stromprojekt der Firma. Denn sie können - wenn sie gerade nicht auf Volllast laufen müssen - aus der Ferne kurzzeitig abgestellt werden, um die Stromnetze zu entlasten. Demand Response, automatische Laststeuerung, nennt man diese Technik, eine spezielle Anwendung vom sogenannten Smart Grid, dem intelligenten Stromnetz.

Dafür, dass diese Laststeuerung bei Paulaner funktioniert, sorgt das Münchener Unternehmen Entelios. Es nutzt die Schwächen der Energieversorger wie RWE oder Eon und die der Unternehmen wie Paulaner und verwandelt sie in Stärken.

Die Versorger haben nämlich das Problem, dass sie zeitweise zu wenig Strom liefern können, wenn beispielsweise während Windflauten kein Strom von Windkraftanlagen in die Netze eingespeist werden kann. Natürlich müssen die Versorger aber dennoch ihre Kunden konstant mit Strom beliefern. Um die Lücken zu schließen, müssten die Versorger teuer Strom zukaufen.

Auf der anderen Seite laufen bei vielen Stromkunden Geräte, die in dem Moment der Stromlücke möglicherweise gar nicht gebraucht werden. Beispiel Paulaner: Beim Brauen muss das Bier stets gut gekühlt werden. Dafür ist viel Strom notwendig - allerdings vor allem bei der Produktion von untergärigem Bier. Braut Paulaner gerade Weißbier, können die Kühlmaschinen dagegen auch schon einmal heruntergefahren werden.

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

04.06.2011, 14:44 Uhr

Gezielte Sparmaßnahmen bringen eine Menge: dies und Ausbau der EE plus ein paar GUD-Werke und/oder Verbindungen zu Pumpspeicherwerken in Skandinavien reicht allein um AKW überflüssig zu machen.

Mollemopp

05.06.2011, 12:24 Uhr

Jeder der etwas von Betriebswirtschaft versteht, lacht sich beim Lesen dieses Artikels schlapp. Der Strom-Anteil der Herstellungskosten beträgt bei Paulaner 5%. Und davon können 3% durch dieses Verfahren eingespart werden. Dafür muss aber wiederum Paulaner an Entelios für die intelligente Stromsteuerung Geld bezahlen. Also kaum Stromeinsparung und wahrscheinlich keine oder nur eine geringe finanzielle Einsparung. Dafür aber Einschränkungen in der Flexibilität der Produktion. Paulaner nutzt hier nur die Werbewirksamkeit, die Firmen zuteil wird, wenn sie mit Öko und sogenannten Erneuerbaren Energien Publicity betreiben. Die mit der grünen Brille vor den Augen, feiern das als Erfolg. Jeder mit Sachverstand schüttelt mit dem Kopf und fragt sich, wie weit dieser Schwachsinn noch gehen wird.

christian

05.06.2011, 14:03 Uhr

Ich glaube "Mollemopp" sieht das Thema ein wenig zu oberflächlich. Nur wenige Dinge sind absolut sicher, aber das die Strompreise steigen werden, dagegen wird niemand mehr wetten wollen. D.h. man sollte dieses Thema nicht nur in der Gegenwart rechnen, sondern auch für die Zukunft. Ich erinnere mich hier an das Thema Compliance, vor 10 Jahren eher unbekannt. Heute hat fast jedes Unternehmen einen Compliance Beauftragten und dieses Thema wird gesetzlich wie auch von den Shareholdern regelmäßig abgefragt. Die Betrachtung singulärer Fälle mit einer "nur" 5% Einsparung ist sicher nicht relevant, aber viele 5% Einsparungen ergeben in Summe dann doch schon relevante Werte.

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