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24.02.2014

15:50 Uhr

Smog in Peking

Chinas Hauptstadt geht die Puste aus

VonFinn Mayer-Kuckuk

Die Luft in Peking wird immer dicker – ein durchschnittlicher Tag Leben in Chinas Hauptstadt entspricht dem Konsum von 21 Zigaretten. Jetzt werden Rufe nach drastischen Maßnahmen gegen die Luftverschmutzung laut.

Dichter Smog in Peking

„Ich mache mir große Sorgen um meine Gesundheit!“

Dichter Smog in Peking: „Ich mache mir große Sorgen um meine Gesundheit!“

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PekingIn ihrer Heimat, der Hafenstadt Qingdao, folgt die Jogging-Strecke von Zhang Jinfei kilometerweit der Küste des Gelben Meeres. „Dort hat eine frische Brise immer allen Schmutz fortgeweht, es war herrlich“, sagt die Mittzwanzigerin. Doch seit sie vor zwei Jahren zum Arbeiten nach Peking gezogen ist, musste sie ihr Laufhobby aufgegeben. „Keiner weiß, was man sich einfängt, indem man hier bloß den grauen Nebel einatmet“, sagt die Büroangestellte aus der Gartenbaubranche. „In Peking ist es gesünder, auf Sport zu verzichten.“

Nicht nur Zhang macht sich Sorgen um die Folgen der Luftverschmutzung in China. Inzwischen beschäftigen sich auch die staatlichen Wissenschaftsakademien des Landes mit den Kosten für Leib und Leben. Peking sei „kaum noch bewohnbar“, warnen Forscher der angesehenen Shanghai Academy of Social Sciences. Die Stadt rangiere auf dem zweitletzten Platz von 40 untersuchten Weltstädten – nur in Moskau sei die Lage schlimmer.

Die Unzufriedenheit der Bürger mit der Atemluft beschäftigt auch die hohe Politik. Die Kommunistische Partei ist grundsätzlich bemüht, die Bevölkerung zufrieden zu halten, um ihr keinen Grund für Umsturzgedanken zu geben. Premier Li Keqiang hat daher bereits angekündigt, die Luftverschmutzung mit „eiserner Faust“ zu bekämpfen.

Vergangene Woche hat Li ein kurzfristiges Paket im Wert von 1,2 Milliarden zur Luftreinhaltung angekündigt. Langfristig will die Regierung die gigantische Summe von 360 Milliarden Euro für den Schutz von Luft und Wasser ausgeben – Li zufolge derzeit eine der bestmöglichen Investition für Staatsmittel.

Doch auch die Führung gibt zu, dass Veränderungen hier eher Jahrzehnte dauern als Monate. Die Regierung lässt die schlimmsten Dreckschleudern zwar schon seit Jahren systematisch schließen. Doch einerseits nimmt der Straßenverkehr ständig zu, andererseits müssen wegen des schnellen Wachstums laufend neue Kohlekraftwerke ans Netz. Parallel läuft zwar auch der Ausbau emissionsfreier Energiequellen, doch der braucht – wie auch in Deutschland – viel Zeit.

Unterdessen werden die Chinesen selbst immer frustrierter. Dramatische Zahlen schrecken die Öffentlichkeit auf: Binnen zehn Jahren ist die Quote von Lungenkrebs in Peking um 60 Prozent gestiegen – obwohl die Leute weniger rauchen. Einer Greenpeace-Studie zufolge sterben pro Jahr eine Viertelmillion Menschen an den Folgen des Smogs. Er löse jährlich Asthma bei über 300.000 Kindern aus und beschere der Wirtschaft 140 Millionen Fehltage. Ein durchschnittlicher Tag Leben in Peking entspricht anderen Berechnungen zufolge 21 Zigaretten.

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

24.02.2014, 16:26 Uhr

Eigentlich auch in China ganz einfach. Finger weg von fossilen Energien und das heißt in China besonders, von der Kohleverstromung.

Account gelöscht!

24.02.2014, 16:32 Uhr

Gott straft sie alle; jetzt rächt sich massiv der bewußt vernachlässigte Umweltschutz. Keine Filter, alte Technik, nur billig musste es sein, aber die Gesundheit der Menschen zählte noch nie.

Deutschland ist Weltmarktführer in Umwelttechnologie, es kommen also rosige Zeiten auf diese Branche zu

Sonnenschein

24.02.2014, 16:51 Uhr

Obwohl China inzwischen mehr Geld in den Ausbau der erneuerbaren Energien steckt als in Kohlekraftwerke, wird auch in den kommenden Jahren der Ausstoß an CO2 und krebserregenden Schadstoffen weiter zunehmen. Der Energiebedarf wächst einfach zu schnell als dass er durch den Ausbau der Windenergie und Photovoltaik allein abgedeckt werden könnte.

Immerhin; China zwar am Fliegenfänger einer Gesellschaft, deren Energiehunger noch im Steigen begriffen ist , aber es hat die Zeichen der Zeit erkannt und investiert wie kein anderes Land der Erde in Photovoltaikanlagen, WKAs und Wasserkraftwerke. Es wird sich auszahlen aber im Moment überwiegt noch der Dreck, der aus den tausenden Kohlekraftwerken in die Luft geblasen wird.

http://www.sonnenseite.com/index.php?pageID=6&article:oid=a27867

PS.: Kernenergie spielt praktisch keine Rolle mehr. Der Anteil der Kernenergie an der neu installierten Leitung betrug 3,5 %; uninteressant.

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