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07.07.2014

10:35 Uhr

Smog

„Man kann ja nicht aufhören zu atmen“

VonMichael Lenz

Kanzlerin Merkel erlebt derzeit den erdrückenden Smog von Peking. Doch die Stadt ist nicht die einzige mit Luftproblemen. Im indonesischen Jakarta leben 12 Millionen Einwohner mit Abgasen von 16 Millionen Fahrzeugen.

Jakartas alltäglicher Verkehrswahnsinn: 16 Millionen Fahrzeuge verstopfen die Straßen der indonesischen Hauptstadt. Michael Lenz

Jakartas alltäglicher Verkehrswahnsinn: 16 Millionen Fahrzeuge verstopfen die Straßen der indonesischen Hauptstadt.

JakartaWardha Azha geht nie ohne Atemschutzmaske aus. Ob die Bankangestellte aus Jakartas Stadtteil Kemang auf dem Markt Lebensmittel kauft oder zur Arbeit fährt – Nase und Mund sind hinter einer lindgrünen Maske verborgen, wie man sie sonst nur aus Arztpraxen kennt. „Die Luft ist einfach zu schmutzig und zu ungesund“, sagt Wardha.

Atemschutzmasken sind ein immer häufiger gesehenes Accessoire in Indonesiens Hauptstadt Jakarta. Es gibt sie in Blau, in Braun, in Grün und gar schon in bunten modischen Farben. Verkehrspolizisten tragen sie ebenso wie Mopedfahrer. Fliegende Händler bieten sie an Straßenkreuzungen den Autofahrern feil, die einem der notorischen Staus der indonesischen Hauptstadt feststecken. Unter den von Dauersmog geplagten asiatischen Metropolen nimmt Jakarta mit seinen 12 Millionen Einwohnern einen Spitzenplatz ein.

Jakartas öffentliches Nahverkehrssystem ist alt, unmodern und völlig unzureichend. Wer vorankommen will, der ist auf Auto oder Moped angewiesen. Mehr als 16 Millionen Fahrzeuge – 4,1 Millionen Autos, rund eine halbe Millionen Lastwagen aller Größen und gut zwölf Millionen Mopeds –  verstopfen die Stadt.

Smog in Peking: Chinas Hauptstadt geht die Puste aus

Smog in Peking

Chinas Hauptstadt geht die Puste aus

Die Luft in Peking wird immer dicker – ein durchschnittlicher Tag Leben in Chinas Hauptstadt entspricht dem Konsum von 21 Zigaretten. Jetzt werden Rufe nach drastischen Maßnahmen gegen die Luftverschmutzung laut.

Alle zusammen pusten sie Gifte wie Blei, Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid, Stickstoffdioxid und Feinstaub von einem Durchmesser von weniger als 10 Mikrometer (PM10) in die Luft. Diese Stoffe können Atemwegserkrankungen, Krebs und Herzkrankheiten verursachen.

Isa, die wie viele Indonesier nur einen Namen hat, ist in Muara Baru zu Hause, einem Armenviertel in Nord-Jakarta. Als Aktivistin des Urban Poor Network streitet sie für bessere Lebensbedingungen der städtischen Armen. Die 30-jährige weiß um die Gesundheitsgefahren des Smogs.

„Die meisten Menschen hier leiden unter dem Smog. Die Probleme reichen von Kopfschmerzen bis zu Lungenerkrankungen“, sagt Isa und fügt hinzu: „Die Regierung tut zu wenig, um über die Gefahren aufzuklären und die Ursachen zu bekämpfen.“

Im wohlhabenden Süd-Jakarta lebt seit drei Jahren Jan Woischnik mit seiner Familie. „Seit wir hier sind hat meine vierjährige Tochter einen chronisch wiederkehrenden Husten mit starkem Schleimauswurf“, sagt der Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Indonesien. Auch er selbst habe immer mal wieder mit diesem Problem zu kämpfen. „Machen kann man da nicht viel. Sie können ja nicht einfach aufhören zu atmen“, sagt Woischnik lakonisch.

Solche Geschichten könnte man auch aus Neu Delhi, Rangun, Bangkok oder Peking erzählen. Chinas Hauptstadt etwa durchleidet derzeit eine der schlimmsten Smogphasen der letzten Monate. Ende vergangener Woche lag der Air Quality Index in der Stadt bei 300 - alles über 200 gilt als extrem ungesund. Keine guten Bedingungen also für Bundeskanzlerin Angela Merkel, die derzeit auf Staatsbesuch im Land weilt: Sie mag die dicke Luft in Chinas Hauptstadt gar nicht. Inzwischen machen Unternehmen aus dem Problem ein Geschäft: So kündigte der IT-Riese IBM am Montag an, Peking in den nächsten Jahren beim Kampf gegen den Smog zu unterstützen.

Kommentare (1)

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Herr Franz Paul

07.07.2014, 10:43 Uhr

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