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09.06.2011

13:56 Uhr

Solarthermie

Wie Sonnenwärme Konzern-Kosten senkt

Bislang nutzte die Industrie solare Prozesswärme meist nur zu Demonstrationszwecken. Doch zunehmend wird sie auch kommerziell eingesetzt. Ein Zuschuss vom Staat erleichtert den Einstieg in die ökologische Wärmegewinnung.

Metrostation in New York: Deutsche Solartechnik wärmt das Wasser für die Reinigung der U-Bahn. Quelle: dpa

Metrostation in New York: Deutsche Solartechnik wärmt das Wasser für die Reinigung der U-Bahn.

Köln

Jörg Schiffer ist bekennender Kaltduscher. "Deshalb kommt Solarthermie zu Hause für mich nicht infrage", sagt der Chef des Galvanikbetriebs Schiffer im sauerländischen Menden. Wenn es um seinen Betrieb geht, denkt er anders. Als einer der Ersten hat er schon vor sechs Jahren erkannt: "Solare Prozesswärme spart Energiekosten."

Also hat sich Schiffer eine Solarthermie-Anlage auf das Dach der Produktionshalle bauen lassen. Auf 100 Quadratmetern fangen Kollektoren Sonnenstrahlen auf. Das mit Hilfe der Solarenergie erwärmte Wasser bringt die Temperaturen in den galvanischen Bädern, wo Badarmaturen veredelt werden, auf bis zu 70 Grad. "38 Prozent des Gesamtwärmebedarfs für die Produktion kommen von dieser Anlage. Für den Rest verwenden wir wie üblich Gas", sagt Schiffer. Wegen der steigenden Preise für Energie zahlt sich die Investition schneller aus als erwartet. Denn Wartungskosten fielen bisher keine an - die Anlage läuft fehlerfrei.

Industrie startet erste Projekte

Bislang nutzte die Industrie die solare Prozesswärme meist nur zu Demonstrationszwecken. "Wir stehen noch am Anfang", sagt Martin Reiner, bei der Sächsischen Energieagentur (Saena) zuständig für das Projekt So-Pro, mit dem die Europäische Union die Verbreitung von Anwendungen mit solarer Prozesswärme fördert.

Doch wie bei Schiffer tritt auch andernorts immer häufiger die kommerzielle Verwendung in den Vordergrund: 50 industrielle Anlagen gibt es in Deutschland bereits - und das Potenzial ist noch riesig. Bei 30 Prozent der Prozesswärme genügen Temperaturen von unter 100 Grad - diese können herkömmliche Solaranlagen liefern.

Anwender können auf staatliche Zuschüsse setzen: Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle fördert Solarthermie-Anlagen über 40 Quadratmeter Größe noch bis Ende des Jahres mit 120 Euro pro Quadratmeter. Auch die KfW-Bankengruppe unterstützt Unternehmer, die solare Prozesswärme einsetzen. Sie gewährt einen Tilgungszuschuss von 30 Prozent der Investitionskosten.

Viele Branchen können profitieren: Die Lebensmittelindustrie benötigt die Wärme zum Beispiel bei der Herstellung von Molkereiprodukten, die Textilindustrie braucht sie zum Färben von Kleidung. In New York werden schon U-Bahn-Züge mit Hilfe von Solaranlagen gereinigt - dafür hat die Karlsbader Firma Ritter XL Solar im vergangenen Jahr gesorgt. Auf dem Dach einer Werkstatt in Coney Island sammeln Kollektoren auf 164 Quadratmeter Fläche das Sonnenlicht und erwärmen rund 7500 Liter Waschwasser auf 70 bis 90 Grad. Damit säubert die Verkehrsbehörde MTA die Bahnen.

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