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22.03.2017

10:08 Uhr

Sonnensimulator Synlight

Künstliche Super-Sonne für den Treibstoff von morgen

Eine Super-Sonne scheint künftig in Jülich. Der Sonnensimulator Synlight des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt braucht selbst zwar Strom aus der Steckdose, soll aber helfen, Energieprobleme von morgen zu lösen.

Die Anlage besteht aus 149 Lampen, die normalerweise für Großkino-Projektoren verwendet werden. dpa

Sonnensimulator Synlight

Die Anlage besteht aus 149 Lampen, die normalerweise für Großkino-Projektoren verwendet werden.

JülichDie künstliche Super-Sonne scheint nicht vom Himmel, sondern in einem Gebäude: In Jülich nimmt am Donnerstag der Sonnensimulator Synlight des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) den Betrieb auf. Gebündelt auf einen kleinen Fleck ist die Lichtintensität der strombetriebenen Hochleistungs-Sonne so groß, als würde sie von 10.000 Sonnen kommen. Selbst die indirekte Strahlung von den Wänden der Anlage ist noch so stark, dass der Mensch sie nur etwa eine Sekunde lang aushalten könnte.

Wissenschaftler des DLR-Instituts für Solarforschung wollen mit Synlight Produktionsverfahren für Kraftstoffe aus Sonnenlicht entwickeln. Es geht um Treibstoffe für große Flugzeuge. „Bei den Autos glauben wir, dass Elektromobilität eine super Sache ist. Für große Flugzeuge ist es im Augenblick nicht vorstellbar, dass man sie elektrisch antreibt“, sagt DLR-Projektleiter Kai Wieghardt.

Ein Ziel der Anlage ist die effiziente Herstellung von Wasserstoff, der als besonders umweltfreundlicher Treibstoff der Zukunft gilt. Da Wasserstoff nur als chemische Verbindung vorkommt – beispielsweise im Wasser gebunden an ein Sauerstoffatom – wird er in Jülich in einem direkten chemischen Prozess abgespalten.

Dabei kommt die Energie der künstlichen Sonne zum Einsatz, wie Wieghardt erklärt: Metall wird damit auf 800 Grad erhitzt und mit Wasserdampf bespritzt. Das Metall reagiert mit dem Sauerstoff, der Wasserstoff bleibt übrig. Beim weiteren Erhitzen wird der Sauerstoff wieder vom Metall getrennt. In Laborversuchen soll auch untersucht werden, welches Metall sich am besten dafür eignet.

Wegen der Wolken und der Luftzirkulation unter freiem Himmel haben die Forscher in der Natur nie gleiche Strahlungsverhältnisse, wie sie für reproduzierbare Versuche nötig sind. Und bisherige Laboranlagen sind viel zu klein, um aus den Ergebnissen Wahrscheinlichkeiten für die Praxis berechnen zu können. Das soll mit dem großen Sonnensimulator anders werden.

Kommentare (7)

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22.03.2017, 10:23 Uhr


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22.03.2017, 10:55 Uhr

Wasserstoff stellt man am billigsten mit der Kernkraft her.

Herr Holger Narrog

22.03.2017, 10:58 Uhr

Eine künstliche Supersonne ist für viele Forschungsfelder ein grosser Segen.

Das man diese Investition mit der ökoreligiösen Vision der Solarenergie begründet hat, erstaunt angesichts der religiösen Einstellung der Regierung und grosser Teile der Urbevölkerung wenig.

Sachlich ist die Solarenergie die mit Abstand grösste Energiequelle auf der Erde. Die Sonnenenergie ist die Ursache für Wind und die nutzbare Wasserkraft. Allerdings ist die Einstrahlungsdichte auf der Erde zu gering und die zeitlich Verfügbarkeit nicht gegeben um diese sinnvoll zur Stromerzeugung, oder für die beschriebenen thermischen Prozesse zu nutzen.

Dann kann es analog Deutschlands passieren, dass aus religiösen Gründen viele Milliarden € jährlich für wertlosen Zufallsstrom ausgegeben werden.

Sinnvoller ist es für solche Prozesse die Kernenergie zu nutzen. Sinnvoller wäre es auch das FZ Jülich wieder der Kernenergie zu widmen.

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