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05.04.2011

21:10 Uhr

Sozial- und Umweltstandards

Schmutziger Kampf um die Rohstoffe

VonSusanne Bergius

Die Arbeitsumstände bei vielen Lieferanten sind oft sehr schlecht. Konzerne entwickeln zwar zunehmend Standards, aber vielfach fehlt ein strategisches Management.

Im Januar dokumentierte ein Film von CNN Money online gnadenlose Arbeitsbedingungen und Gesundheitsgefahren bei Foxconn in China - selbst Kinder arbeiten demnach bei dem Elektronikzulieferer zwölf Stunden täglich. dpa

Im Januar dokumentierte ein Film von CNN Money online gnadenlose Arbeitsbedingungen und Gesundheitsgefahren bei Foxconn in China - selbst Kinder arbeiten demnach bei dem Elektronikzulieferer zwölf Stunden täglich.

BerlinEine Selbstmordserie beim weltgrößten Elektronikteilehersteller Foxconn erschütterte vor einem Jahr die High-Tech-Branche. Verzweifelte Taten, ausgelöst durch unerträgliche Arbeitsbedingungen in den chinesischen Werken des taiwanesischen Zulieferers. Abnehmer sind Weltkonzerne wie Apple, Hewlett-Packard, Dell, Motorola, Nokia oder Nintendo. Die Kunden reagierten mit Ermittlungen, Foxconn zahlte schließlich mehr Lohn.

Die Verhältnisse aber hätten sich kaum verbessert, kritisiert die Nichtregierungsorganisation Makeitfair. Im Januar dokumentierte ein Film von CNN Money online gnadenlose Arbeitsbedingungen und Gesundheitsgefahren bei Foxconn in China - selbst Kinder arbeiten demnach bei dem Elektronikzulieferer zwölf Stunden täglich.

Zwar lancieren Konzerne Sozial- und Umweltstandards - doch oft werden diese unzureichend oder gar nicht umgesetzt. Dominant bleibt der Preisdruck auf Zulieferer, Ausbeutung ist die Folge. Ein aktives Vorgehen dagegen liegt aber im Interesse der Abnehmer von Produkten aus Schwellenländern. Denn verantwortliches Lieferkettenmanagement bietet wirtschaftliche und strategische Vorteile.

Zudem nehmen Gesetzgeber die Wirtschaft stärker in die Pflicht. Es geht nicht nur um Vorprodukte wie bei Foxconn. Die US-Regierung etwa hat verfügt, dass börsennotierte Firmen Liefer- und Produktketten offenlegen müssen, wenn sie Minerale aus Konfliktregionen enthalten. Das betrifft weite Teile der Wirtschaft, von der Elektronik- und Telekom- bis zur Auto-, Luftfahrt- und Maschinenbaubranche.

Das für den Bau von Handys oder Laptops unerlässliche Spezialmetall Tantal etwa stammt auch aus der Demokratischen Republik Kongo. Illegale Coltanminen - das Erz ist die Basis für Tantal - zerstören Urwälder. Der Kampf um die Vorherrschaft beim Abbau heizt seit Jahren den Bürgerkrieg an.

Auch andere Materialien stammen aus Konfliktgebieten. "Die Industrie hat noch nicht ganz begriffen, was an Herausforderungen auf sie zukommt. Jeder, der in der globalen Lieferkette aktiv ist, hat irgendwann mit heiklen strategischen Rohstoffen zu tun", warnt Franz Knecht, Chef der Schweizer Strategieberatung Connexis. Neben Liefersicherheit, Preisen und Produktqualität würden nichttechnische Fragen wie Förderbedingungen wichtiger.

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