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17.03.2011

08:58 Uhr

Strahlungs-Messung

Was steckt hinter der Einheit Sievert?

Die radioaktive Strahlung am Atomkraftwerk Fukushima hat in der Nacht zum Mittwoch neue Rekordmarken erreicht. Gemessen wird sie in Millisievert. Doch was steckt hinter der Einheit?

Untersuchung eines Bewohners der Evakuierungszone rund um das AKW Fukushima. Bei der Gefährlichkeit von Strahlung wird die Einheit Millisievert zur Grund gelegt. Quelle: dapd

Untersuchung eines Bewohners der Evakuierungszone rund um das AKW Fukushima. Bei der Gefährlichkeit von Strahlung wird die Einheit Millisievert zur Grund gelegt.

Düsseldorf/München/DresdenIn der Nach zum Mittwoch ist am Atomkraftwerk Fukushima ein Wert von 1000 Millisievert (1 Sievert) gemessen worden, berichtete Regierungssprecher Yukio Edano. Am Mittwochmorgen habe der Wert bei weiteren Messungen zwischen 600 und 800 Millisievert gelegen. 1000 Millisievert sind in Deutschland das Tausendfache dessen, was ein Mensch über ein ganzes Jahr hinweg an zusätzlicher Strahlung aufnehmen darf.

Die Maßeinheit Sievert (Sv) gibt die biologische Wirkung der radioaktiven Strahlung auf Menschen, Tiere oder Pflanzen an. Ein Sievert ist bereits eine sehr große Dosis. Üblich sind daher Angaben in tausendstel Sievert (Millisievert, mSv). Die bislang um das havarierte japanische Kernkraftwerk gemessenen Werte sollen im Bereich von bis zu mehreren hundert Millisievert je Stunde liegen.

Der Leiter des Instituts für Strahlenbiologie am Helmholtzzentrum München, Professor Michael Atkinson, erklärt verschiedene Strahlendosen und ihre Folgen. Eine Auflistung nach zunehmender Stärke:

In der Umwelt gibt es natürliche radioaktive Substanzen, allerdings in sehr geringer Konzentration. Die natürliche Hintergrundstrahlung, die ein Deutscher deshalb im Durchschnitt pro Jahr abbekommt, liegt bei zwei Millisievert. Dieser Wert ist von Region zu Region unterschiedlich, je nach Beschaffenheit des Bodens.

Die zusätzliche Belastung durch medizinische Untersuchungen, etwa durch das Röntgen, liegt für jeden Deutschen im Jahr bei durchschnittlich ebenfalls zwei Millisievert. In einem Jahr sammelt ein Deutscher - statistisch gesehen - also vier Millisievert an.

Wer mit dem Flugzeug von Deutschland nach New York reist, nimmt dabei eine zusätzliche Belastung von einem Zehntel der Jahresdosis in Kauf. In großer Höhe ist jedes Flugzeug der Höhenstrahlung ausgesetzt.

Im Krankenhaus bedeutete ein CT-Scan - je nach Gerät und Anwendung - eine zusätzliche Dosis von zehn bis 100 Millisievert.

Dieser Wert von 100 Millisievert ist zudem ein wichtiger biologischer Grenzwert, erklärt Atkinson. „Wenn man 100 Menschen mit 100 Millisievert belastet, sterben statistisch gesehen 31 von ihnen an Krebs. Wenn man 100 Menschen nicht mit 100 Millisievert belastet, sterben statistisch gesehen 30 Menschen an Krebs.“ Statistisch gesehen lässt sich also ein Todesfall mit dieser zusätzlichen Strahlendosis in Verbindung bringen.

Ab 2,5 Sievert binnen kurzer Zeit kommt es zu medizinischen Problemen. Das ist ein sehr hoher Wert, der nur bei Strahlungsunfällen erreicht wird. Ohne medizinische Hilfe stirbt dann etwa die Hälfte der verstrahlten Menschen, erklärt Atkinson. „Bei guter medizinischer Versorgung kommen hingegen viel weniger Menschen um.“

Ab Kurzzeit-Dosen von fünf Sievert gibt es kaum Überlebende.

Ab zehn Sievert ist der Tod nahezu unausweichlich.

Kommentare (1)

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Island

17.03.2011, 21:42 Uhr

Vielen Dank für diesen Informativen Artikel, ich weiß zwar das die Maßeinheit jetzt „Sievert“ heißt aber es erschwert für mich die Umrechnung in „Röntgen“ weil ich gerne „Fukushima“ mit „Tschernobyl“ vergleichen möchte und mit der Änderung der „Maßeinheiten“ ist die Vergleichbarkeit doch erschwert.

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