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19.04.2011

09:27 Uhr

Strom aus der Erde

Quelle nie versiegender Energie

VonKlaus Stratmann

Die Stromproduktion aus Sonne und Wind ist vom Wetter abhängig. Atommeiler können Wind und Sonne daher nicht vollständig ersetzen. Doch es gibt eine stetige, saubere und nie versiegende Energiequelle: die Geothermie.

Geothermiekraftwerk in Landau. Quelle: dpa

Geothermiekraftwerk in Landau.

BerlinStrom ist eben doch nicht gleich Strom. Kern- und Kohlekraftwerke liefern den langfristig kalkulierbaren Teil des Strombedarfs, die sogenannte „Grundlast“. Durch ihre Verlässlichkeit sind sie energiewirtschaftlich besonders wichtig. Die Stromproduktion von Windrädern und Photovoltaikanlagen dagegen schwankt stark und ist nicht langfristig prognostizierbar. Wenn kein Wind weht oder die Sonne nicht scheint, gibt es auch keinen Strom.
Händeringend wird daher nach Ersatz für wegfallende Kernkraftwerke gesucht. Zusätzliche Windräder und Photovoltaikanlagen können das Problem nicht komplett lösen. Und die Möglichkeiten, Strom zu speichern, sind begrenzt und teuer.

Enormes Potenzial

Die Geothermie könnte zur Lösung des Problems beitragen. „Das Potenzial der Geothermie in Deutschland ist gemessen am Gesamtenergiebedarf enorm. Es sollte möglich sein, im Jahr 2050 bis zu zehn Prozent des Stroms mittels geothermisch betriebener Kraftwerke zu produzieren“, sagt Rolf Emmermann vom Deutschen Geoforschungszentrum Potsdam. Emmermann gehört zugleich dem Präsidium der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften an.
Zum Vergleich: Die bereits mit hohen Milliardenbeträgen geförderte Photovoltaik-Technik liefert bislang nur zwei Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms, der Anteil des Windstroms liegt bei gut sechs Prozent. Die Kernkraftwerke liefern 22 Prozent des Stroms, ihr Anteil an der Grundlast liegt sogar bei 45 Prozent.

„Die von der Politik gewünschte Komplettumstellung der Stromversorgung auf erneuerbare Energien ist ohne einen nennenswerten Beitrag der Geothermie nicht vorstellbar. Geothermie-Kraftwerke haben den großen Vorteil, dass sie stetig Strom produzieren können“, sagt Geowissenschaftler Emmermann. Bei der Stromerzeugung mittels Geothermie wird heißes Wasser aus mehreren tausend Metern Tiefe zum Antrieb einer Turbine genutzt.

Bislang findet die Stromerzeugung mittels Geothermie hierzulande wenig Beachtung. „Große Teile der Politik unterschätzen die Potenziale der Geothermie. Wir müssen die Vorteile der Geothermie viel deutlicher in den Vordergrund rücken“, sagt Josef Daldrup, Vorstand der Daldrup & Söhne AG. Daldrup ist eines der europaweit führenden Geothermie-Unternehmen. Der Branche ist es bislang nicht gelungen, sich Gehör zu verschaffen.

Jetzt ist die Gelegenheit günstig, daran etwas zu ändern. Im Laufe des Jahres wird das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) novelliert. Dabei geht es um die Neufestsetzung der Vergütungen für Strom aus erneuerbaren Quellen. Deren Höhe ist von der Erzeugungsart abhängig. Sie beträgt für Windräder an Land in den ersten fünf Jahren 9 Cent je Kilowattstunde, bei der Photovoltaik beträgt sie für Dachanlagen derzeit etwa 28 Cent. Die Geothermie liegt – abhängig von der Größe der Anlage – zwischen 14,5 und 20 Cent.

Günstiger als Sonnenenergie

„Wir können mit den jetzigen EEG-Vergütungen, die ganz erheblich unter den Vergütungen für die Photolvoltaik liegen, gut zurechtkommen“, sagt Daldrup, der sich lediglich für eine zeitliche Umverteilung der Förderung ausspricht. „Wir haben am Anfang ein höheres Risiko. Es muss mehr von der Förderung nach vorne“, sagt er. Entlastung wünscht er sich an anderer Stelle: „Wir brauchen politischen Rückenwind für die Genehmigungsprozeduren. Sie stellen sich immer wieder als große Hürden dar“, klagt Daldrup. Die Genehmigungsverfahren seien schwer kalkulierbar, zögen sich lange hin. „In dieser Hinsicht könnte uns die Politik erheblich entgegenkommen, ohne dass es einen Cent kosten würde.“
Emmermann wünscht sich überdies ein Geothermie-Bohrprogramm. Industrie und Wissenschaft sollten die Konzepte dafür gemeinsam entwickeln. Ziel müsse es sein, die Ebene der „Bürgermeister-Projekte“ zu überwinden und geothermische Kraftwerke in neuen Größenklassen zu bauen.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

19.04.2011, 10:58 Uhr

Vielleicht sollte man bei diesem Artikel nicht nur die Sonnenseite der GT aufzeigen sondern mit den einhergehenden Erdbeben, Bodenauskühlungen, unkontrollierbaren Wasser/Gasaustritten usw. auch die Schattenseiten aufzeigen?? Wie sehen eigentlich die langfristigen Folhen der GT aus? Jeder Nutzer einer "Erdwärmepumpe" wird feststellen das der eigene Garten jedes Jahr später auftaut als das Jahr zuvor oder die Nachbargärten.

Kommentator

19.04.2011, 12:39 Uhr

commaik - da kann ich Dir nur Recht geben. Wenn wir die Energie aus dem Erdinneren abziehen und das wirklich in industrieellem Ausmaß - muss das Auswirkungen haben, wie eben eine erkaltete Erdoberfläche. Wieder ein Stück Zukunft, das wir unseren Kindern stehlen.

Auch die Sonne wird nicht ewig scheinen, dies läge aber nicht daran, dass wir uns die vorhandene Energie der Sonne zu Nutze machen. Liegt die Zukunft also nicht eher oben als unten?

Schmieder

19.04.2011, 18:32 Uhr

Wow! Strom, einfach so aus dem Boden. Toll! Damit kann man bestimmt ganz Deutschland versorgen. Und teurer wird's auch nicht. Und ist so umweltfreundlich, selbstredend.

Hört sich an wie Herr Schmieder, der zu Flowtexzeiten Horizontalbohrsysteme verleasen wollte. Paßt aber ins derzeitige Bild vom zukünftigen Strom aus Gänseblümchen.



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