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21.10.2014

10:09 Uhr

„The Ocean Cleanup“

Zwei Millionen Dollar für den Meeresretter

VonLaura Waßermann

Der 21-jährige Holländer Boyan Slat will eins der größten Umweltprobleme beheben: Plastikmüll im Meer. Dafür hat er ein Konzept entwickelt, das auf Kritik stößt. Slat hält dagegen – mit zwei Millionen Dollar im Rücken.

Boyan Slat will die Weltmeere retten; zumindest von Plastikmüll befreien. Ein großes Vorhaben mit vielen Unterstützern. Quelle: The Ocean Cleanup

Boyan Slat will die Weltmeere retten; zumindest von Plastikmüll befreien. Ein großes Vorhaben mit vielen Unterstützern.

Quelle: The Ocean Cleanup

DüsseldorfAuf die Frage, was er sich für die Zukunft wünsche, antwortet Boyan Slat: „Ich wünsche mir, tauchen zu gehen und durch Fische zu schwimmen anstatt durch Plastik.“ Plastik ist das große Problem der Ozeane. Jeden Tag wird es produziert, jeden Tag landet in den Meeren dieser Welt. Der 21-Jährige Holländer hat die Organisation „The Ocean Cleanup“ (TOC) gegründet und will mit dem gleichnamigen Projekt den Kampf gegen die Meeresverschmutzung revolutionieren.

Das Konzept ist simpel: Auf der Meeresoberfläche des Nordpazifiks sollen zwei 50 Kilometer lange Schläuche montiert werden, an denen durchlässige Behälter hängen. Darin soll sich der Müll verfangen – und zwar ohne, dass Tiere oder Plankton dabei zu Schaden kommen.

Damit die Schläuche an dem selben Platz bleiben, sind sie mit Gewichten am Meeresboden befestigt. Alle 45 Tage sollen Schiffe das Modell anfahren und die Behälter leeren. Und das soll auch noch Geld bringen: umgerechnet 50 Euro für eine Tonne Plastikmüll, der an Land recycelt wird.

Der Gründer von "The Ocean Cleanup" im Interview: Boyan Slat

Denken Sie, dass Ihr Projekt die plötzliche Aufmerksamkeit ausgelöst hat?

Vielen Dank. Ich denke schon. Was aber viel wichtiger ist, dass die Menschen, die sich vorher nicht dem Problem beschäftigt haben, dieses nun im Blickfeld haben.

Was genau tun Sie jetzt mit zwei Millionen US-Dollar?

Mit einer Reihe von Tests zur Hochskalierung werden wir direkt in die Pilotphase gehen, die wahrscheinlich drei bis vier Jahre dauern wird. Mit dem Crowdfunding-Geld können wir zumindest erstmal die nächsten zwölf Monate finanzieren, in denen wir das Pilotmodell in nennenswertem Umfang auf die Meeresoberfläche bringen.

Zudem werden wir ozeanographische Untersuchungen machen, um verbleibende Unsicherheiten in der Konstruktion zu beseitigen.

Wird “The Ocean Cleanup” der Umwelt helfen?

Die Kombination aus Bewusstseinsbildung, der Beseitigung des Plastikmülls, der sich momentan in den Meeren befindet und der Entwicklung von Technologien, wie der Müll präventiv abgefangen werden kann – diese drei Dinge werden hoffentlich signifikant zur Verminderung von Kunststoff-Verschmutzung beitragen.

Kritiker behaupten, Sie hätten Mikroplastik nicht bedacht. Stimmt das?

Unsere Studien zeigen, dass die Minimalgröße des gesammelten Plastiks zwischen zwei und 20 Millimetern liegt. Die formale Größenordnung von Mikro-Partikeln liegt unter fünf Millimetern.
Aber selbst, wenn unser Modell nur Partikel, die größer als 20 Millimeter sind filtern würde, wären das allein über 90 Prozent des Plastikmülls. Und weil kleine Plastikpartikel meist durch die Zersetzung großer Müllteile entstehen, würden wir im Grunde den Anstieg von Mikroplastik um das Zehnfache verringern.

Was ist Ihr größer Wunsch für die Zukunft?

Ich wünsche mir, tauchen zu gehen und durch Fische zu schwimmen anstatt durch Plastik.

Allein in Nord- und Ostsee landen jeden Tag Tonnen von Plastikmüll im Meer. Gründe dafür sind die Schifffahrt, der Tourismus und die Industrie an Land. Seit Jahrzehnten versuchen Wissenschaftler, das Meer von Müll zu befreien und stoßen immer wieder auf dieselben Probleme: zu teuer, zu aufwendig, zu gefährlich für Fische und andere Meeresbewohner.

Besonders den letzten Punkt mahnen Tierschützer regelmäßig an. So werden zum Abfischen des Mülls heute meist Fangnetze eingesetzt. Diese können vielen Tieren das Leben rauben, sagt Stefanie Werner vom Umweltbundesamt. „Bei Slats Modell können Organismen wie Fische mit hoher Wahrscheinlichkeit einfach darunter wegtauchen.“ Das müsse sich in der Praxis allerdings noch beweisen.

Kommentare (14)

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G. Nampf

21.10.2014, 11:21 Uhr

Schön, endlich gibt es eine realistische Chance, den Müll in den Meeren zu reduzieren.

Allerdings hilft die Methode nur gegen den groben Müll. Ein wesentlicher zusätzlicher Plastik-Eintrag in die Meere kommt von:

- Textilfasern beim Waschen von Synthetik-Gewebe
- Handreinigungspaste
- Zahnpasta, mit Polymeren statt mineralischen Füllsbstanzen

Dieses sog. Mikroplastik wird von Kläranlagen nicht zurückgehalten und wird von Kleinstorganismen geradezu zwangsläufig aufgenommen. Letztendlich landen solche Mikropartikel dann auf unserem Teller.

Herr Alex Hemp

21.10.2014, 11:35 Uhr

Was für eine sinnlose Argumentation. Weil die Idee nicht 100% alles kann, perfekt ist, müll intelligent von Tieren unterscheiden kann und selbst kleinste Restmengen an Plastik automatisch erkennt, ist sie schlecht. Miserabel sozusagen. Auf gar keinen Fall sollte man das unterstützen.
Dieser nihilistische Schwachsinn hilft auch keinem weiter. Wenn man gar nichts macht, wird's auch nicht besser. Kopf in den Sand. Wird schon von alleine weggehen.
Ich kann manchmal gar nicht soviel essen, wie ich am Liebsten k***en möchte.

Herr Peter Aue

21.10.2014, 12:34 Uhr

Und dank bejubelter Nanotechnologie geht's durch die Blut-Hirn-Schranke direkt in's Gehirn.
Spezies Mensch - das schlimmste Raubtier von allen - und wohl eine evolutionäre Sackgasse.
Aber wie soll ein Umdenken einsetzen wenn Religionen und Marxismus den selbstgerechten Schwachsinn vom Menschen als Herren über die Natur und als Krone der Schöpfung schon von klein an in die Hirne hämmern und das dann 24/7 von tausenden TV-Stationen weiterbetrieben wird?

10 Milliarden diese Spezies. Kein Problem! Unser Planet könne angeblich sogar 15 Milliarden dieser entsetzlichen Spezies ertragen! Hurra! Eine Spezies die zwar bald zum Mars fliegen wird, aber so rücksichtlos und skrupellos ist, ein Geldsystem zu dulden und zu hofieren, welches auf exponentiellem Sculdenwachstum auf einem begrenzten Planeten fußt...

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