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01.09.2011

13:54 Uhr

Torf statt Gas

Russlands schmutzige Torfträume

VonFlorian Willershausen

Weil sich Gas im Ausland viel teurer verkaufen lässt, sollen Russlands Bürger darauf verzichten und künftig mit Torf heizen. Erste Hersteller träumen bereits von Exporten nach Deutschland.

Torf-Abbau in der Region Schatura nahe Moskau. Russlands Regierung will den billigen Brennstoff bei der einheimischen Bevölkerung als Alternative zum Gas populär machen. picture alliance / RIA Novosti

Torf-Abbau in der Region Schatura nahe Moskau. Russlands Regierung will den billigen Brennstoff bei der einheimischen Bevölkerung als Alternative zum Gas populär machen.

TwerGut ein Jahr ist es her, dass dichter Rauch durch die Straßen von Moskau zog. Die Hauptstädter konnten vom einen Ufer des Flusses Moskau nicht zum anderen schauen, die Metropole befand sich im Ausnahmezustand. Ursache waren Brände vor den Stadttoren: Wochenlange Hitze hatte Torfflächen in Brand gesteckt. Die vertrockneten Moore ließen sich kaum löschen.

Für Wladimir Nikitin waren die Brände ein Glücksfall - auch wenn er das so nicht formulieren würde. Der 51-Jährige ist Geschäftsführer der Brennenergie-Firma Twer, die Torf als Brennstoff salonfähig machen will. "Torf ist unverzichtbar für die Energiesicherheit Russlands und Europas", glaubt Nikitin. Der Brennstoff sei sauberer und billiger als Kohle, in Russland entstünden immer neue Vorkommen. Darum will Nikitin Torf im großen Stil zu Briketts verarbeiten - und als Alternative zu Kohle und Erdgas auf den Markt werfen.

Das Potenzial der organischen Sedimente ist riesig. Allein in Russland, vor allem rund um Moskau, lagern rund 175 Milliarden Tonnen Torf. Die russische Regierung will die Verarbeitung fördern. Im Energieministerium basteln Fachleute an einem Paket an Steuererleichterungen, die Investitionen im Torfgewerbe attraktiv machen sollen: Die Moore könnten kostenlos verpachtet, Zinskosten erstattet und die im Rohstoffsektor happige Gewinnsteuer herabgesetzt werden. In der Energiestrategie der russischen Regierung ist vorgesehen, die Torferzeugung bis 2020 auf acht Millionen Tonnen jährlich zu vervierfachen.
Russisches Gas für den Export.

Die politische Führung will so den Gasverbrauch im Inland reduzieren: Der Brennstoff ist zu kostbar für den Binnenmarkt. Monopolist Gazprom verscherbelt sein Gas in Russland zum Spottpreis, im Ausland hingegen erzielt das Unternehmen traumhafte Margen. Also soll der heimische Verbrauch so niedrig wie möglich gehalten werden, zumal Russland vor der letzten Finanzkrise hin und wieder Probleme hatte, in strengen Wintern den Binnenbedarf zu decken. Die Verbrennung von Torf ist zwar schmutziger - doch Umweltaspekte scheren in Moskau nur wenige.

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