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04.02.2017

14:09 Uhr

Totes Meer in Gefahr

Ein Naturwunder trocknet aus

Das Tote Meer gilt als eines der eindrucksvollsten Naturwunder der Erde. Seine besonderen Heilkräfte sind seit Jahrtausenden bekannt. Doch der einzigartige Salzsee in Nahost ist vom Austrocknen bedroht.

Blick auf das Tote Meer in der Nähe des Kibbutz En Gedi in Israel. Das Naturwunder droht auszutrocknen, pro Jahr sinkt der Wasserspiegel um einen Meter. dpa

Totes Meer

Blick auf das Tote Meer in der Nähe des Kibbutz En Gedi in Israel. Das Naturwunder droht auszutrocknen, pro Jahr sinkt der Wasserspiegel um einen Meter.

Ein GediIn erhabener Stille schimmert das Tote Meer türkisblau in der milden Wintersonne. Die Wellen rollen sanft ans Ufer. Ein paar Touristen waten langsam ins Wasser. Wegen des extrem hohen Salzgehalts – mit 34 Prozent zehnmal höher als im Ozean – kann man sich im Toten Meer treiben lassen wie ein Korken, der nicht untergeht. Am Ufer reibt eine Amerikanerin ihren Mann mit dunklem Heilschlamm ein.

Es ist ein einzigartiger Ort, gelegen am tiefsten begehbaren Punkt der Erde – etwa 420 Meter unter dem Meeresspiegel. Besucher des Naturwunders fühlen sich in der spektakulären Landschaft mit ihren sandsteinfarbenen Bergen zurückversetzt in biblische Zeiten. „Es ist das erste Mal, dass ich einen Salzstrand sehe“, sagt Vince Russo aus dem US-Bundesstaat Michigan, der mit seiner Freundin unterwegs ist. „Wirklich wunderschön.“

Doch die Idylle ist in Gefahr. Das als Heilquelle vor allem für Hautkranke und Allergiker bekannte Meer, das zwischen Jordanien, Israel und den Palästinensergebieten liegt, trocknet langsam aus. „Gut einen Meter sinkt der Wasserspiegel im Jahr“, sagt die deutsche Umweltschützerin Gundi Schachal, die seit Jahrzehnten im Kibbutz Ein Gedi in Ufernähe lebt.

Wo einst das Tote Meer in unmittelbarer Nähe zum Baderesort war, muss nun ein Traktor Touristen zum Ufer befördern. dpa

Mit dem Traktor zum Strand

Wo einst das Tote Meer in unmittelbarer Nähe zum Baderesort war, muss nun ein Traktor Touristen zum Ufer befördern.

Ein Grund ist, dass das Süßwasser aus seinem Hauptzufluss, dem Jordan, fast komplett abgepumpt wird. Im Süden des Sees tragen die Unternehmen Dead Sea Works und die Arab Potash Company (Jordanien) zum Rückgang des Wasserpegels bei. Sie lassen Wasser verdampfen, um kostbare Mineralstoffe zu gewinnen.

Früher konnten Besucher des Ein Gedi Spa direkt ins Wasser gehen, heute muss ein Traktor sie in kleinen Wagen fast zwei Kilometer weit an den Strand ziehen, der immer weiter zurückweicht. Schachal kam 1979 zum ersten Mal in den Kibbutz. „Damals kam das Wasser noch fast bis an die Hauptstraße“, erzählt die 54-Jährige.

Auf dem Weg zum Strand lauern Tücken. Die Erde ist porös, bei jedem Schritt muss man fürchten, der Boden könnte einbrechen. Rund 5000 Senklöcher haben sich in den vergangenen Jahrzehnten gebildet. Jedes Jahr kommen rund 300 weitere dieser gefährlichen Erdlöcher dazu.

Vier Menschen seien bereits verletzt worden, als der Boden plötzlich unter ihnen einstürzte, erzählt Schachal, während sie Besuchern einen verlassenen Zeltplatz am Strand zeigt. „Bitte nicht alleine herumgehen, es ist wirklich gefährlich“, mahnt die schlanke, sportliche Frau, während sie in dem apokalyptisch wirkenden Sperrgebiet vorausläuft. Einige der schweren Betonplatten, auf denen früher die Zelte standen, sind eingebrochen, weil das Erdreich unter ihnen nachgab.

Kommentare (3)

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Herr Holger Narrog

06.02.2017, 10:54 Uhr

Ich war einmal auf der jordanischen Seite am Toten Meer. Jedes Jahr werden die Treppen die vom Hotel zum Meer führt etwas länger.

Das Projekt das Tote Meer über einen Kanal mit dem Roten Meer zu verbinden und das Gefälle für die Stromgewinnung zu nutzen gibt es seit mindestens Anfang der 70er Jahre.

Ich würde mich freuen wenn dieses Projekt internationale Unterstützung bekommt. Beispielsweise könnte Fr. Merkel auf ein paar ihrer Gäste zugunsten des Projekts verzichten.

Account gelöscht!

06.02.2017, 11:04 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

07.02.2017, 17:55 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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