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01.12.2011

10:17 Uhr

Treibhausgase

Permafrost-Schmelze befeuert den Klimawandel

Das Auftauen der Permafrostböden dürfte den Klimawandel deutlich stärker beschleunigen als bislang vermutet. Darauf deuten die Ergebnisse einer aktuellen Studie von mehr als 40 Klimaforscherin hin.

Permafrost-Boden in Alaska: Das zunehmende Auftauen solcher Böden beschleunigt den Klimawandel stärker als bislang erwartet. dapd

Permafrost-Boden in Alaska: Das zunehmende Auftauen solcher Böden beschleunigt den Klimawandel stärker als bislang erwartet.

LondonDie schmelzenden Permafrostböden beschleunigen den Klimawandel voraussichtlich stärker als bislang gedacht. Nach einer neuen Berechnung könnten sie bis zum Ende des Jahrhunderts ähnlich viel Kohlenstoff freisetzen wie die weltweite Abholzung. Die Auswirkungen auf unser Klima wären wegen der hohen Methankonzentration jedoch zweieinhalb Mal größer, berichten Wissenschaftler aktuell im Magazin „Nature“.

Wie sehr sich die Erderwärmung mit dem Auftauen der Permafrostböden beschleunigt, war bislang nicht genau zu berechnen. Edward Schuur, Benjamin Abbott und 39 weitere internationale Experten des „Permafrost Carbon Research Network“ berechneten nun anhand neuer Modelle, wie viel Permafrost auftauen wird, wie viel Kohlenstoff dies freisetzt und wie viel davon in Form von Kohlendioxid (CO2) und von Methan in die Luft gelangen könnte. Das Treibhausgas Methan heizt die Atmosphäre wesentlich stärker auf als Kohlendioxid.

Laut den neuen Berechnungen enthalten die Permafrostböden etwa 1700 Milliarden Tonnen organischen Kohlenstoff, also Überreste von Pflanzen und Tieren aus Tausenden von Jahren. Das ist dreimal mehr als bislang angenommen und etwa doppelt so viel, wie momentan in der Atmosphäre enthalten ist.

In dem sich erwärmenden arktischen und antarktischen Boden zersetzen Mikroben diesen alten Kohlenstoff und geben CO2 und Methan in die Atmosphäre ab. Riesige Tundrenfeuer und Methan, das aus arktischen Seen blubbert, seien bereits Zeugen dieses Erwärmungsprozesses, so die Forscher.

Um zu berechnen, wie schnell sich der Permafrost erwärmt und wie viel Klimagase er dabei freisetzt, orientieren sich die alten Modelle vor allem an der steigenden Lufttemperatur. Die Wirklichkeit sei jedoch sehr viel komplexer, so die Autoren.

Mit dem Schmelzen von Eiskeilen im Boden kollabiere der Untergrund – und dies beschleunige wiederum den Tauvorgang. Das sichtbare Ergebnis seien wie „betrunken“ aussehende, schief stehende Bäume.

Die Ergebnisse der neuen Berechnungen sind alarmierend: Unter dem stärksten Erderwärmungsszenario – ein Temperaturanstieg von 7,5 Grad Celsius bis 2100 – würden 47 bis 61 Prozent der obersten drei Meter des Permafrostbodens bis zum Ende des Jahrhunderts zerfallen. Der CO2-Ausstoß beschleunigt sich dabei über die Jahre: Bis 2040 würden 30 bis 63 Milliarden Tonnen Kohlenstoff freigesetzt – sowohl als CO2 als auch als Methan.

Bis 2100 vervielfache sich diese Menge auf 232 bis 380 Milliarden Tonnen. Dieser Anstieg an Kohlenstoff wäre 1,7 bis 5,2 Mal stärker als bisher berechnet, so die Wissenschaftler.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Horst_Trummler

01.12.2011, 13:06 Uhr

Putin soll einst im Interview gesagt haben das er sich sofern es einen Klimawandel gäbe für Russland freuen würde. Höhere Temperaturen wie im Mittelalter als man Grönland und Island besiedelte wären vorteilhaft für die Vegetation. Höhere Temperaturen bedeuten mehr Verdunstung über den Meeren und damit mehr fruchtbaren Regen. Ein höherer CO2 Gehalt (es gab in der Erdgeschichte Zeiten mit einem zig-fach höheren CO2 Gehalt in der Atmosphäre) wären für das Pflanzenwachstum ebenfalls positiv. Ich wäre demzufolge nicht unglücklich wenn sich die Erde mit steigenden CO2 Gehalten etwas erwärmen würde.

Die im Artikel genannte Menge von 200 - 400 Mrd. to Kohlenstoffemission über 90 Jahre hinweg ist ein Vielfaches der jährlichen CO2 Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe. Allerdings ist diese Menge gering im Verhältnis zum natürlichen Kreislauf. Bei einer Erwärmung der Atmosphäre ergeben sich auch gegenläufige Entwicklungen wie ein zusätzliches Pflanzenwachstum.

Insgesamt haben die Forscher den Klimaschwindel genutzt um in dessen Namen Gelder für ihre Forschungsarbeiten zu erhalten. Das IPCC hat dieses Detail genutzt um mit einer selektiven Information die Idee der oekologischen Klimakatastrophe mit einer neuen Katastrophenmeldung zu anzuheizen.

Wünschenswert wäre es wenn eine Zeitung entsprechende Meldungen relativieren würde.

Vandale

KarlNall

01.12.2011, 13:47 Uhr

Ich fände es schön wenn es wärmer würde. So wie im Mittelalter als es den Menschen richtig gut ging und auf Grönland Landwirtschaft betrieben wurde.
Doch leider wird es global wieder kälter und gekaufte Wissenschaftler trotzdem nicht müde durch Horrormeldungen weiter Geld zu kassieren.
Übrigens hatten wir im laufe der letzten 200 Jahre schon zweimal mehr CO2 in der Luft als heute. Aber das will keiner wissen, auch das Handelsblatt nicht.

ManfredForster

01.12.2011, 16:11 Uhr

Wahrscheinlich schreitet die Klimaerwärmung noch sehr viel
schneller voran als von Ihnen in diesem Artikel dargestellt.
Denn wenn erst ein Großteil des Poleises geschmolzen ist,
wird die hierfür bisher benötigte Energie voll in rapide
steigende Meerwassererwärmung umschlagen, da keine Energie
mehr für die Aggregatszustandsänderung des Polareises mehr
benötigt wird.
Na dann Gute Nacht.

Manfred Forster
Probierlweg 9
85049 Ingolstadt

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