Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.07.2011

10:26 Uhr

Umstrittene Gasförderung

Aus dem Boden gepresst

VonMarkus Ziener

Die Gasindustrie schwelgt in den Perspektiven für Schiefergas – und könnte sich verspekulieren. Die Schar der Kritiker ist schon jetzt groß und schlagkräftig, wie das Beispiel USA zeigt.

In Deutschland regt sich Protest gegen die umstrittene Fördermethode - wie hier im Februar 2011vor der Baustelle zur Erdgasprobebohrung des Energieerzeugers ExxonMobil in Lünne. Quelle: dpa/picture alliance

In Deutschland regt sich Protest gegen die umstrittene Fördermethode - wie hier im Februar 2011vor der Baustelle zur Erdgasprobebohrung des Energieerzeugers ExxonMobil in Lünne.

Wilkes Barre/PennsylvaniaEin knappes Jahr haben die Männer von der kanadischen Minengesellschaft EnCana hier im Westen von Pennsylvania nach Gas gebohrt – doch am Ende war die Suche vergeblich. Denn zumindest an diesem Bohrloch in Luzerne County in der Nähe des Susquehanna Flusses stießen sie nicht auf jene Mengen Schiefergas, auf die sie gehofft hatten.

Ein Bulldozer rattert jetzt über die Erdhügel und ebnet den Bohrplatz wieder ein. Danach wird auch der Schotter weggeräumt, neues Gras angepflanzt und bald wird nur noch die gerodete Lichtung daran erinnern, dass hier ein mehrere Millionen teures Explorationsprojekt unternommen worden war. Ein Projekt, das den Kanadiern im Erfolgsfall viel Geld hätte einbringen sollen.

Denn angesichts hoher Energiepreise, dem Wunsch nach größerer Unabhängigkeit von Öl- und Gasimporten sowie wachsenden Zweifeln an der Atomenergie hat auch in den USA die Suche nach neuen Energievorkommen kräftig Fahrt aufgenommen. Die Förderung von Schiefergas ist dabei besonders vielversprechend. Es liegt vor der Haustür, ist vergleichsweise sauber und hat enormes Potenzial.

Auch in Deutschland soll Fracking zum Einsatz kommen

Dabei handelt es sich um Gasvorkommen, die in großer Tiefe zwischen den Gesteinsschichten eingelagert sind. Um an sie heranzukommen, wird durch die Bohrung mit hohem Druck ein Gemisch aus Millionen Litern Wasser und Chemikalien in den Boden gepumpt, das die Schichten auseinandertreibt und das Gas freisetzt. 25 Prozent des amerikanischen Erdgases wird inzwischen auf diese Art und Weise gewonnen, elf Jahre zuvor war es gerade mal ein Prozent.

„Fracking“ nennen Experten dieses Verfahren, das Mineralölgesellschaften auch in Deutschland zum Einsatz bringen wollen. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen werden beträchtliche Schiefergasvorkommen vermutet. In NRW steht der Ölmulti Exxon bereits in Gesprächen über eine Probebohrung, in Niedersachsen wurde bereits gebohrt. Und die Regierung Polens, die seit Juli den Ratsvorsitz in der EU führt, will das Thema in den nächsten sechs Monaten auch auf europäischer Ebene kräftig anschieben.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

vanGogh

08.07.2011, 11:12 Uhr

Es ist erstaunlich welche schlecht recherchierten Arktikel heute in einer renomierten Deutschen Zeitung, wie dem Handelsblatt, publiziert werden.
Hier werden die Schilderungen reisserische Dokumentationen wie Gasland als Tatsachen verkauft.
Es gibt bis heute noch keinen einzigen Fall, in dem eine unabhaengige Studie Hydraulic Fracturing direkt mit Grundwasserverschmutzung in Verbindung gebracht hat.
Weiters wird nirgendwo erwaehnt, dass der New York Times Bericht von ziemlich allen Experten aus Industrie und Forschung/Verwaltung als haltlos kritisiert wurde.

jaja

08.07.2011, 11:22 Uhr

Da müssen Sie sich wohl erst selber informieren. So ein Umweltexperiment kann sich vergleichsweise flächenmäßig keines Land wie Deutschland nicht leisten. Falls es schief geht, dann gibt es fatale Folgen.

Rueckmeldung

15.07.2011, 10:29 Uhr

Auch das Europäische Parlament diskutiert kontrovers und hat sich ein wissenschaftliches Gutachten erstellen lassen, das letzten Freitag veröffentlicht wurde unter:
http://www.europarl.europa.eu/activities/committees/studies/download.do?language=en&file=41771

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×