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15.03.2017

14:48 Uhr

Umstrittener Unkrautvernichter

EU-Agentur hält Glyphosat nicht für krebserregend

Die europäische Chemikalienagentur Echa hat ein neues Gutachten zu Glyphosat veröffentlicht. Darin wird das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel nicht als krebserregend eingestuft.

Die Risiken von Glyphosat sind unter Experten umstritten. dpa

Umstrittener Unkrautvernichter

Die Risiken von Glyphosat sind unter Experten umstritten.

HelsinkiIm Streit über die Wiederzulassung des umstrittenen Pflanzengifts Glyphosat in der Europäischen Union ist eine Vorentscheidung gefallen: Die Europäische Chemikalienagentur Echa in Helsinki stuft die massenhaft als Unkrautvernichtungsmittel eingesetzte Chemikalie als nicht krebserregend ein. Die verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse erfüllten nicht die Kriterien, um Glyphosat als krebserregend zu bewerten, teilte die europäische Chemikalienagentur Echa am Mittwoch mit.

Glyphosat wird von den EU-Experten allerdings nach wie vor als schädlich für im Wasser lebende Organismen sowie als augenreizend eingestuft. Unstrittig sind zudem massive negative Einflüsse der Chemikalie auf die Artenvielfalt. Die Echa hatte für ihre Analyse nach eigenen Angaben die verfügbaren wissenschaftlichen Daten zu Glyphosat ausgewertet.

Glyphosat - Wie gefährlich ist das Pflanzengift?

Was ist Glyphosat?

Glyphosat ist ein chemischer Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln (Pestiziden) und dient der Unkrautvernichtung. Glyphosat kommt weltweit zum Einsatz und wird unter verschiedenen Namen von verschiedenen Firmen vermarktet. Der US-Konzern Monsanto hat Glyphosat in den 70er Jahren zum Pestizid entwickelt.

Warum wird das Mittel so großflächig eingesetzt?

In Europa wird das Mittel beim Anbau von Getreide, Raps, Wein, Oliven und Zitrusfrüchten angewandt, vor allem nach der Ernte. In Deutschland etwa werden 87 Prozent aller Rapsanbauflächen nach der Ernte mit Glyphosat behandelt. Das spart nach Angaben der Hersteller Zeit, Energie und Kosten, weil ein Acker oft nicht mehr umgepflügt werden muss. Ohne das Mittel würden sich die Ernteerträge einiger Pflanzen in Deutschland um fünf bis 40 Prozent verringern, erklärt die Arbeitsgemeinschaft Glyphosat.

Warum gibt es Streit?

Der Streit dreht sich um vor allem um mögliche Gesundheitsgefahren des Mittels. Strittig sind nicht nur die Ergebnisse verschiedener Berichte und Studien, sondern die wissenschaftliche Herangehensweise insgesamt, zum Beispiel wann eine Studie glaubwürdig ist.

Welche möglichen Gefahren sind benannt worden?

Bedenken äußerte im März die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC): Glyphosat sei „wahrscheinlich krebserzeugend bei Menschen“, erklärte die zur Weltgesundheitsorganisation gehörende IARC.

Zu welcher Erkenntnis kommen die Behörden in Deutschland und der EU?

Aufsichtsbehörden in Deutschland und der EU kamen zu dem Schluss, dass Glyphosat keine Gefahr für die Gesundheit von Menschen darstellt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) gab der EU-Kommission deshalb grünes Licht für eine erneute Zulassung von Glyphosat. Über den entsprechenden Vorschlag der Kommission werden die EU-Mitgliedstaaten nun abstimmen.

Wie kann es zu solch unterschiedlichen Einschätzungen kommen?

Darüber gibt es nur Spekulationen. Immer wieder wird behauptet, die Efsa fälle ihre Entscheidungen nicht völlig unabhängig von Industrieinteressen. Im Fall von Glyphosat fehlt dafür aber ein Nachweis.

Der amerikanische Monsanto-Konzern setzt Glyphosat unter dem Markennamen Roundup ein und hat damit Milliardenumsätze gemacht. In der Agrarindustrie wird das Mittel als entscheidend für eine Ertragssteigerung bewertet.

Die EU-Zulassung für Glyphosat war eigentlich am 30. Juni 2016 ausgelaufen. Die EU-Kommission hatte damals die Genehmigung um eineinhalb Jahre verlängert, obwohl der Einsatz unter den Mitgliedsstaaten umstritten ist, da die Chemikalie unter anderem als krebserregend galt. In dieser Zeit sollte untersucht werden, ob Glyphosat Krebserkrankungen auslösen kann.

Die Ergebnisse der Studie liegen nun vor. Der Vorsitzende der Abteilung für Risikobewertung der Echa, Tim Bowmer, erklärte, die Unbedenklichkeit von Glyphosat für die menschliche Gesundheit ergebe sich aus human- und tiermedizinischen Studien.

Nach einer redaktionellen Kontrolle schickt die Echa ihre Bewertung, auf deren Grundlage neu über die Zulassung von Glyphosat entschieden werden soll, an die EU-Kommission. Diese erklärte am Mittwoch, sie habe die Bewertung zur Kenntnis genommen.

Kommentare (1)

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Frau Nelly Sachse

15.03.2017, 17:50 Uhr

EU-Agentur hält... da braucht es keine weiteren Worte. Die zahlreichen Lobbyisten in Brüssel sagen ihren Lakaien sicher, wo es lang geht.

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