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12.11.2016

15:32 Uhr

Umstrittenes Großprojekt Myitsone

Myanmars Albtraum-Staudamm

Myanmar entscheidet in Kürze über die Zukunft eines ebenso gigantischen wie umstrittenen Staudamm-Projekts. Obwohl Millionen Menschen noch keinen Strom haben, lehnt die Mehrheit den Bau vehement ab.

Die Menschen am Irrawaddy lehnen den neuen Staudamm mehrheitlich ab. dpa

Fischer am Irrawaddy River

Die Menschen am Irrawaddy lehnen den neuen Staudamm mehrheitlich ab.

MyitkyinaDass bei den 300.000 Einwohnern von Myitkyina in der Kachin-Region im Norden Myanmars regelmäßig der Strom ausfällt, ist für viele nicht so wichtig. „Zuerst kommen die Menschen, dann die Elektrizität“, sagt Manam Tu Ja. Er gründete 2013 die Demokratische Partei des Teilstaates Kachin, um mobil zu machen gegen einen gigantischen Staudamm: das Myitsone-Projekt gut 1000 Kilometer nördlich der Hafenstadt Rangun nahe der Grenze zu China.

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Bei den meisten Anwohnern lief er offene Türen ein. Nach heftigen Protesten gegen den Damm stoppte der nach Jahrzehnten der Militärdiktatur ernannte Ex-General und Reformpräsident Thein Sein den Bau 2011 vorerst. Eine unabhängige Regierungskommission soll in diesen Tagen Empfehlungen vorlegen, ob und wie es weitergehen soll. Die Entscheidung trifft die Regierung von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi.

Einst führte sie selbst Kampagnen gegen das Projekt an. Heute muss sie als Außenministerin einen unmöglich scheinenden Spagat machen: Der Damm-Deal wurde von den Generälen der Junta 2007 mit einem chinesischen Staatsunternehmen geschlossen. Die China Power Investment Corporation (CPI) investierte schon mehrere Millionen Dollar, das Projekt sollte eigentlich 2018 fertig sein. Peking pocht darauf, dass der Vertrag eingehalten wird. China vor den Kopf zu stoßen, kann sich das arme Land nicht leisten.

Der mächtige Nachbar ist der größte Investor im Land, allein von Juli bis September 2016 hat China 1,3 Milliarden Dollar in die Energiewirtschaft investiert. CPI habe versucht, ihn umzustimmen, sagt Tu Ja. „Aber das hilft gar nichts“, sagt der 70-Jährige. „Wenn es um den Irrawaddy geht, lassen wir nicht mit uns reden.“

Der Irrawaddy, das ist ein Fluss mit mystischer Bedeutung für das südostasiatische Land. Er beginnt im Norden am Zusammenfluss zweier Flüsse und fließt nach gut 2000 Kilometer in die Andamanensee. Das Delta ist eine riesige fruchtbare Ebene, wo Reis und vieles mehr angebaut wird. Für Hunderttausende Menschen, die fischen oder an den Ufern Felder haben, ist der Fluss das Lebenselixier.

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