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26.06.2014

12:19 Uhr

Umweltproblem

Geisternetze in der Ostsee

Jedes Jahr verlieren Fischer Netze in der Ostsee. Als Geisternetze verfangen sie sich an Wracks oder Felsen, gefährden die Tierwelt und verschärfen das Müllproblem. Eine Ausstellung zeigt die Dimensionen des Problems.

Zehn Prozent des Mülls in den Weltmeeren bestehen nach Schätzungen aus Geisternetzen - rund 640.000 Tonnen. dpa

Zehn Prozent des Mülls in den Weltmeeren bestehen nach Schätzungen aus Geisternetzen - rund 640.000 Tonnen.

StralsundSie sind mit Muscheln und Algen bewachsen und liegen wie ein Schleier über Wracks, verlorenen Ankern oder großen Steinen am Meeresgrund: Fischernetze, die in den vergangenen Jahrzehnten verloren gegangen sind.

„Seit 60 Jahren wird auf den Meeren mit Kunststoffnetzen gefischt“, sagt der Vorsitzende des Vereins Archaeomare, Thomas Förster. „Anders als ihre Vorgänger verrotten die Nylon-Netze nicht und haben sich über die Jahrzehnte an Hindernissen gesammelt.“

Im vergangenen Jahr sind Taucher des Vereins in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Meeresmuseum und der Naturschutzorganisation WWF zu 28 Wracks um Rügen getaucht. Das Ergebnis ist alarmierend: „An allen angetauchten Wracks hatten sich Netze verfangen“, sagt Förster, der am Deutschen Meeresmuseum Stralsund arbeitet.

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Verloren gegangene Fischernetze sind ein Teil des Müllproblems in allen Meeren, nicht nur in der Ostsee. Schätzungen des WWF zufolge besteht der weltweite Meeresmüll zu einem Zehntel aus Geisternetzen – das macht 640.000 Tonnen. Die Naturschutzorganisation gehe von 5000 bis 10.000 Netzen oder Netzteilen aus, die jedes Jahr neu in der Ostsee landen, so ihr Ostseebüro-Leiter Jochen Lamp.

Der Archaeomare-Vorsitzende Förster formuliert es vorsichtiger, spricht von wenigen Tausenden Netzen. „Wir wissen eigentlich gar nicht genau, wie viele Netze pro Jahr abhandenkommen“, sagt er. Eine Dokumentationspflicht für verlorene Netze gibt es bislang nicht.

Die Kunststoffnetze gehören neben verloren gegangenen Schiffsladungen und Plastikmüll von Stränden oder aus Flüssen zum Zivilisationsmüll, der sich in den Meeren sammelt. Auch nach Jahrzehnten stellen die Netze eine Gefahr für die Meeresumwelt wie auch für die im Wasser lebenden Tiere dar – denn sie erfüllen noch immer ihren eigentlichen Zweck.

„Vor allem bei Tauchgängen in den Wintermonaten haben wir in den Netzen Dorsche, Flundern und Seeskorpione gefunden“, berichtet Förster. Offenbar suchen die Tiere gerade in den kalten Monaten Zuflucht an schützenden Wracks. Die Netze werden dann zu tödlichen Fallen.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes kann es um die 450 Jahre dauern, bis sich ein Produkt aus Plastik in der Umwelt zersetzt. Größere Teile werden zu Minipartikeln zerrieben, die mit schädlichen Zusatzstoffen wie Weichmachern von Muscheln und Plankton aufgenommen werden und so in die Nahrungskette gelangen.

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