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05.04.2011

18:20 Uhr

Umweltschutz und Sozialstandards

Investoren decken Schwächen auf

VonSusanne Bergius

Mit Lippenbekenntnissen geben sich Verbraucher und Geschäftskunden nicht gerne ab: Unternehmen müssen Umweltschutz und Sozialstandards ernst nehmen. Wer nur so tut, bekommt rasch Ärger.

2010 gingen Opel und VW irreführend mit grünen Sprüchen auf Kundenfang. ap

2010 gingen Opel und VW irreführend mit grünen Sprüchen auf Kundenfang.

BerlinGetäuschte Kunden verbreiten über das Internet blitzschnell Wissen über zweifelhafte Geschäftspraktiken, Nichtregierungsorganisationen bringen Skandale ans Licht.

Es können Boykotte, Auslistungen, Abmahnungen oder gar juristische Schritte folgen. So geschehen im vergangenen Jahr, als Opel und VW irreführend mit grünen Sprüchen auf Kundenfang gingen, die Handelskette Lidl mit nachweislich nicht erfüllten Sozial- und Arbeitsstandards warb oder das Deutsche Atomforum Windräder in ein Werbebild montierte.

Greenwashing betreibt, wer zu Unrecht nachhaltiges Engagement für sich in Anspruch nimmt. Ein riskantes Unterfangen. Denn: "Rund 40 Prozent der Reputation eines Unternehmens werden von seinem ökologischen und sozialen Engagement geprägt", sagt Florian Haller, Hauptgeschäftsführer der Agentur Serviceplan.

Aktuell entspreche die Berichterstattung nicht den Bedürfnissen von Investoren und Kreditgebern, kritisieren Branchenvertreter. Kein Wunder: Das Nachhaltigkeitsmanagement ist meist noch in der Findungsphase. "In mehr als der Hälfte der Firmen klafft eine beträchtliche Lücke zwischen selbstdefiniertem Anspruch und aktuellen organisatorischen Strukturen", sagt Alexander von Preen, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Kienbaum. Das gefährde die Glaubwürdigkeit, es drohen wirtschaftliche Risiken.

Fachleute halten mit Blick auf den Finanzmarkt eine Integration von Kernkriterien (KPI) zu Umwelt-, Sozial- und Governance-Leistungen (ESG) in die Geschäftsberichte für nötig. "Die ESG-Integration ist ein Managementansatz, der die langfristige Performance für die Anspruchsberechtigten maximiert", sagen 84 Prozent von 251 durch die französische Researchagentur Novethic befragten europäischen Investoren, die 7,5 Billionen Euro verwalten.

Zwar müssen Lageberichte über die für die Geschäftsentwicklung relevanten Umwelt- und Sozialaspekte informieren. Das geschehe aber zu wenig oder mit nur geringer Aussagekraft, urteilen Wirtschaftsprüfer. "Es werden kaum Zielgrößen formuliert, es wird kein Soll-Ist-Vergleich gemacht", sagt Peter Poppe, Geschäftsführer der Agentur HGB Hamburger Geschäftsberichte.

Nachhaltigkeitsberichte werden künftig in den Geschäftsberichten aufgehen, gab gut die Hälfte der von HGB befragten Investor-Relations-Verantwortlichen an. Zwar integrieren erste Firmen öko-soziale Leistungen in die Finanzberichterstattung, die Datenqualität ist aber uneinheitlich. "Eine Herausforderung wird sein, die internen Reportingsysteme für die Integration fit zu machen", sagt Poppe. Auch sind Vorschriften aus Brüssel oder Berlin zu erwarten, wie über Kundenorientierung, Klimaschutz oder Personalpolitik zu berichten ist.

Investoren reichen freiwillig integrierte Geschäftsberichte nicht. Sie fordern in der Sustainable Stock Exchange Initiative von den 30 größten Börsengesellschaften die verbindliche Einführung von Offenlegungspflichten zur Nachhaltigkeit für gelistete Unternehmen. Diese müssten "vergleichbare und brauchbare Informationen liefern", verlangen die Unterzeichner, die 1,6 Billionen Dollar verwalten.

Die Deutsche Börse sei "noch nicht bereit", eine ESG-Informationspflicht einzuführen, sagt CSR-Chefin Julia Taeschner. "Wir prüfen aber eine freiwillige Offenlegungsmöglichkeit." Zur Initiative, die auch die Deutsche Börse anspricht, gehören Aviva Investors, die Vereinigung Institutioneller Privatanleger sowie RCM, eine Tochter der Allianz Global Investors.

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