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04.08.2015

19:04 Uhr

Umweltverbände

Bahn könnte jeden dritten Inlandsflug ersetzen

Flugzeuge produzieren klimaschädliches Kohlendioxid. Unter dem Lärm beim Starten und Landen leiden die Anwohner. Die Regierung könnte mehr dagegen tun, meinen Verbände. Und legen Vorschläge vor.

Fast 150.000 innerdeutsche und grenzüberschreitende Flüge könnten laut den NGOs sofort durch Zugverkehr ersetzt werden, mittelfristig weitere 50.000. dpa

Unnötiger Klimaausstoß

Fast 150.000 innerdeutsche und grenzüberschreitende Flüge könnten laut den NGOs sofort durch Zugverkehr ersetzt werden, mittelfristig weitere 50.000.

BerlinJeder dritte Inlandsflug könnte nach Berechnungen von Nichtregierungsorganisationen ohne Zeitverlust auf die Schiene verlagert werden. Heute gebe es für die rund 170 Kilometer zwischen Nürnberg und München täglich vier Flugverbindungen, dabei fahre auf der Strecke jede Stunde ein ICE, kritisierte Michael Müller-Görnert vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) am Dienstag in Berlin.

Fast 150.000 innerdeutsche und grenzüberschreitende Flüge könnten den Angaben zufolge sofort durch Zugverkehr ersetzt werden, mittelfristig weitere 50.000. Müller-Görnert sagte aber auch, dass die Bahn dafür in Sachen Komfort, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit zulegen müsse.

Für mehr Klima- und Lärmschutz fordert das Bündnis neue Strukturen im Luftverkehr. „Wir sehen eine Riesen-Überkapazität im deutschen Flughafennetz“, sagte Werner Reh, Luftverkehrsexperte des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Statt die sechs großen Flughäfen immer weiter auszubauen, sollten diese besser mit den zahlreichen schlecht ausgelasteten Regionalflughäfen kooperieren. Außerdem fordern die Organisationen eine Klimaabgabe von 10 Euro pro ausgestoßener Tonne CO2. Diese müsse bis zum Jahr 2030 auf 80 Euro steigen.

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel

Globale Erwärmung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.

Anstieg des Meeresspiegels

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.

Eisschmelze

Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.

Gletscherschwund

Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.

Extreme Wetterphänomene

In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.

Artensterben

Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.

Zwei-Grad-Ziel

Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.

Climategate

Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

Der Kohlendioxid-Ausstoß im deutschen Flugverkehr konnte laut den Verbänden zwar seit 1990 um 16 Prozent reduziert werden, vor allem durch größere Maschinen. Pro Passagier und Kilometer sei er im Durchschnitt aber immer noch 16-mal so hoch wie bei der Bahn.

Um Anwohner vor Fluglärm zu schützen, setzt das Konzept auf konkrete Reduktionsziele. Damit soll der Lärm zunächst unter eine Obergrenze gebracht und dann in Jahresschritten weiter gesenkt werden.

Im Verkehrsministerium entsteht derzeit ein Luftverkehrskonzept, das sich Union und SPD 2013 in ihrem Koalitionsvertrag vorgenommen hatten. Aus Sicht der Umwelt- und Lärmschutzverbände geht es dabei aber zu sehr um Wachstum und die Förderung des Luftverkehrsstandorts Deutschland. Deshalb haben sie nun ein eigenes Konzept vorgelegt.

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft hält die Vorschläge nicht für tragfähig. „Mit restriktiven staatlichen Eingriffen im nationalen oder europäischen Alleingang sind die im internationalen Wettbewerb stehenden deutschen Luftfahrtunternehmen immer im Wettbewerb deutlich benachteiligt und damit dauerhaft nicht lebensfähig“, kritisierte Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Peter Bast

04.08.2015, 19:36 Uhr

Ich habs immer schon gewusst.. Die Bahn ist laut VCD, geräuschlos unterwegs.. oder könnte es sein, dass auf 170 km , viel mehr vom Lärm der Bahn betroffen sind. Achso..wir sind in Deutschland ja..ein dünn besiedeltes Land.. -

Herr Alexander von Obert

05.08.2015, 08:40 Uhr

Allein die Strecke Nürnberg-München zu fliegen ist natürlich Unsinn. Aber als Zubringerflug sieht das ganz anders aus: Der Flughafen in Nürnberg hat U-Bahn-Anschluss, in München ist man allein vom Hauptbahnhof aus erst mal eine Stunde mit der S-Bahn unterwegs. Von Nürnberg aus bedeutet das mehrfaches Umsteigen, jeweils mit Rumgezerre des Gepäcks und der Gefahr, dass einen die Bahn einfach sitzen lässt.

Ich bin schon mal von Regensburg aus auf meine Kosten mit dem Taxi zum Münchner Flughafen gefahren, weil mich die Bahn trotz reichlicher Übergangszeit in Regensburg hat stranden lassen.

Dazu kommt das Schienennetz. Viele heutige Trassen wurden vor 150 Jahren gebaut, als die Loks schwer und schwach waren und die Alternative "Postkutsche" hieß.

Das ganz große Problem der Bahn ist ihre Unzuverlässigkeit. Deshalb mache ich mit diesem Chaosverein nur noch im äußersten Notfall Geschäfte und plane auf keinen Fall Tagesrand-Verbindungen ein.

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