Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.03.2016

10:10 Uhr

Umweltverschmutzung in Bangalore

Schaumberge und brennende Seen

Nirgendwo in Indien ist die Umweltverschmutzung so sichtbar wie in Bangalore, der Technologie-Metropole des Landes. Der Schaum der Abwässer spült durch die Straßen, die Seen der Stadt sind nur noch Kloaken.

In der Regenzeit schäumen die Seen in Bangalore wegen der eingeleitete Abwässer so stark, dass der Schaum durch die Straßen fließt. dpa

Schaumberg in Bangalore

In der Regenzeit schäumen die Seen in Bangalore wegen der eingeleitete Abwässer so stark, dass der Schaum durch die Straßen fließt.

BangaloreDer Varthursee in Indiens Millionenstadt Bangalore ist so verschmutzt, dass er immer wieder meterhohe Schaumberge produziert. Auf dem Wasser des benachbarten Bellandursees entzündeten sich jüngst Öle und Fette – es sah aus, als brenne der See. In dieser Woche nun kamen Tausende tote Fische an die Oberfläche des Ulsoorsees inmitten der boomenden Stadt. Sie bildeten einen riesigen Teppich aus Flossen und Schuppen.

„Das ganze Abwasser aus Bangalore landet in den Seen“, sagt T.V. Ramachandra, der am Indischen Institut für Wissenschaften (IISC) in Bangalore zu Gewässern forscht. In etlichen Studien hat er festgestellt: Sowohl die meisten Fäkalien als auch hochbelastetes Wasser aus der Industrie fließen in die Gewässer. „Ineffiziente Behörden, achtlose Unternehmen und zahlreiche nebenstaatliche Agenturen haben die Gartenstadt in eine unbewohnbare Stadt verwandelt“, heißt es in seinem jüngsten Gutachten zum Varthursee.

Unesco-Welterbe in Gefahr: Gefährlicher Stresstest für den Baikalsee

Unesco-Welterbe in Gefahr

Gefährlicher Stresstest für den Baikalsee

Industrie, Tourismus und Waldbrände machen der weltweit einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt des Baikalsees in Sibirien zu schaffen. Doch die größte Gefahr droht dem Unesco-Welterbe noch von anderer Seite.

Schuld an der Katastrophe – nicht nur in Bangalore, sondern in ganz Indien – ist nach Ansicht des nicht-staatlichen Zentrums für Wissenschaft und Umwelt (CSE) die ungeplante Urbanisierung. Es gebe in dem Land mit der zweitgrößten Bevölkerung der Welt nicht eine zuständige zentrale Stelle, vielmehr schöben unzählige Behörden die Aufgaben immer wieder hin und her. In der Folge würden die Gesetze nicht eingehalten, meint Sushmita Sengupta vom CSE-Wasserteam.

Methanblasen steigen aus der Brühe

Wo etwa der Fluss Yamuna durch die Hauptstadt Neu Delhi fließt, steigen Methanblasen aus der dunklen Brühe auf. Nicht einmal der heilige Ganges bleibt verschont. Die indische Regierung gibt auf der Homepage der „Nationalen Mission für einen sauberen Ganges“ zu, dass der Fluss in manchen Abschnitten zum Baden ungeeignet ist.

Dabei wollte eine Regierung nach der nächsten den Ganges säubern. „2000 Crore (271 Millionen Euro) wurden insgesamt schon ausgegeben und der Fluss ist noch immer dreckig“, stellte der Supreme Court, das höchste Gericht des Landes, laut indischen Medien jüngst fest.

Nirgendwo aber ist die Verschmutzung so sichtbar wie in Bangalore, der Technologie-Metropole des Landes mit mehr als acht Millionen Einwohnern. Wegen der hohen Einleitung an Waschmittel-Tensiden schäumen die Seen an ihren Ausflüssen. In der Regenzeit so stark, dass der Schaum Straßen überspült.

„Ich komme jeden Tag hier vorbei und sehe, wie der giftige Schaum auf den Autos und den Motorradfahrern landet“, sagt die 26-Jährige Software-Spezialistin Sanchita Jha. „Und das in einer IT-Stadt! Ich schäme mich dafür.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×