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06.03.2017

13:08 Uhr

Verseuchter Titicacasee

Der heilige See der Inkas verkommt zur Müllkippe

Der tiefblaue Titicacasee hoch in den Anden ist ein Touristenmagnet. Doch die Naturidylle trügt, der See wird durch Abwässer und Schwermetalle verseucht. Seit langem versprechen Politiker Abhilfe – geschehen ist nichts.

Der größte See Südamerikas verkommt zur Müllhalde. AP

Verschmutzter Titicacasee

Der größte See Südamerikas verkommt zur Müllhalde.

TiticacaseeDer Titicacasee, zwischen schneebedeckten Berggipfeln gelegen, wurde einst von den Inkas verehrt, sein tiefblaues Wasser als Geburtsstätte der Sonne gefeiert. Heute sind die Ufer des größten Sees Südamerikas mit toten Fröschen, weggeworfenen leeren Farbtöpfen und Plastiktüten mit allem möglichen Müll übersät. Weniger sichtbare Gefahren lauern im Wasser selber: Blei und Quecksilber in giftigen Konzentrationen.

Der Zustand der viel besuchten Touristenattraktion ist inzwischen so schlimm geworden, dass er bei vielen der 1,3 Millionen Menschen, die an den verseuchten Ufern des Gewässers in Peru und Bolivien leben, Gesundheitsprobleme ausgelöst hat. Ungeklärte Abwässer aus zwei Dutzend nahegelegenen Städten und illegalen Goldminen hoch in den Anden schwemmen jedes Jahr bis zu 15 Tonnen Quecksilber in einen Fluss, der zum See führt.

„Wenn die Frösche reden könnten, würden sie sagen, „dies hier bringt mich um““, sagt Maruja Inquilla. Die örtliche Umweltaktivistin ist kürzlich aus Protest gegen die Umweltzerstörung mit Taschen voller toter Frösche zur Gouverneursresidenz in der Stadt Puno gekommen. Die empfindlichen Tiere werden durch die Giftstoffe im See getötet.

Die wachsende Besorgnis über die Verschmutzung hat zu einer Serie wissenschaftlicher Studien und Versprechen von offizieller Seite geführt, das Problem in Angriff zu nehmen. So haben die Regierungen von Peru und Bolivien im Januar 2016 ein Abkommen unterzeichnet, nach dem sie umgerechnet rund 500 Millionen Euro für eine Reihe von Maßnahmen ausgeben wollen. Wofür genau, blieb aber weitgehend unklar.

Ein Jahr später hat der neue peruanische Präsident Pedro Pablo Kuczynski den Bau von zehn Kläranlagen für etwa 450 Millionen Euro am See versprochen, „damit der schönste See der Welt auch der sauberste auf der Welt ist“. Aber Einzelheiten, wie diese Anlagen finanziert werden sollen, nannte er nicht. Politiker haben in den vergangenen 20 Jahren immer wieder Maßnahmen zur Bekämpfung des Problems versprochen – aber nichts ist geschehen.

Viele der mehr als 400.000 Touristen allein aus Peru, die jedes Jahr den See besuchen, legen zunächst einen Stopp in Juliaca ein – einer Stadt, die täglich 200 Tonnen Müll produziert. Ein großer Teil davon landet im örtlichen Fluss, der zu einem Förderband für die Abfälle in Richtung See geworden ist. Injektionsnadeln, Autoreifen, alte Schuhe und schmutzige Windeln sind über die Kartoffelfelder an den Ufern des riesigen Sees verstreut.

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