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27.03.2017

12:23 Uhr

Wachsender Methan-Ausstoß

Forscher warnen vor klimaschädlichem Rindvieh

Rinder sind nicht besonders umweltfreundlich: Sie rülpsen große Mengen Methan aus, das als Treibhausgas den Klimawandel befeuert. Forscher warnen, dass der klimaschädliche Einfluss der Tiere kräftig steigen könnte.

In ihrem Verdauungstrakt produzieren Rinder das Treibhausgas Methan. dpa

Klimakiller Rind

In ihrem Verdauungstrakt produzieren Rinder das Treibhausgas Methan.

FrankfurtDie von Rindern produzierte Menge des Treibhausgases Methan könnte in den nächsten Jahren deutlich steigen. Zum einen nehme die von einzelnen Tieren freigesetzte Methanmenge zu, zum anderen würden wegen des steigenden Fleischbedarfs immer mehr Rinder gehalten, erklären Wissenschaftler im Fachjournal „Biogeosciences“.

Derzeit werden weltweit etwa 1,5 Milliarden Rinder gehalten. Ein Rind stößt täglich etwa 150 bis 250 Liter Methan aus. Als Treibhausgas ist Methan in der Atmosphäre 25 Mal so wirksam wie der bekannte „Klimakiller“ Kohlendioxid. Das Gas entsteht, wenn organisches Material unter Luftausschluss abgebaut wird – wie etwa Gras im Verdauungssystem einer Kuh.

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel

Globale Erwärmung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.

Anstieg des Meeresspiegels

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.

Eisschmelze

Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.

Gletscherschwund

Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.

Extreme Wetterphänomene

In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.

Artensterben

Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.

Zwei-Grad-Ziel

Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.

Climategate

Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

In Deutschland ist die Land- und Forstwirtschaft eine bedeutsame Methan-Quelle, insbesondere die Massentierhaltung. Auch in Klärwerken und Mülldeponien entsteht das Gas. In anderen Ländern werden beim Nassreisanbau große Mengen Methan freigesetzt.

Die Forscher, zu denen Peter Manning vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt gehörte, gehen davon aus, dass der Methan-Ausstoß jeder Kuh bis 2050 im Mittel um bis zu 4,5 Prozent steigen könnte. Ursache sei der im Zuge des Klimawandels vielfach sinkende Nährwert von Futterpflanzen. Untersuchungen zufolge hätten sie in wärmeren Gebieten häufig einen geringeren Nährwert als in kühleren. Die Rinder müssen zum Ausgleich mehr davon fressen und verdauen länger, was wiederum zur verstärkten Bildung von Methan führt.

Kommentare (4)

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27.03.2017, 13:50 Uhr

Die Menschheit muss von solchen Forschern gewarnt werden. Danke!

Herr Grutte Pier

27.03.2017, 14:16 Uhr

Ich fordere diese "Forscher" auf, endlich Ihrem persönlichen Dienst an der Menschheit zum Klimaschutz nachzukommen und umgehend das Atmen und Essen einzustellen.

Nur so kann das Klima "gerettet" werden.

G. Nampf

27.03.2017, 14:44 Uhr

Andere Studien sagen:

Selbst bei einer Steigerung der Fleischproduktion wäre der Klimaeffekt der gesamten Tierzucht ( nicht nur der Rinder!!!) marginal im Vergleich zu anderen Treibhausgasquellen z. B. dem Straßenverkehr und der Energieerzeugung.

Falls das stimmt, wäre es wie so oft:

Ein eher kleiner Effekt wird aus symbolischen Gründen aufgebauscht, und die eigentlichen Problemursachen ignoriert (Stichwort: Glühlampenverbot, mit einem Gesamtanteil der Beleuchtung am Energieverbrauch um ca. 2%).

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