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18.12.2015

11:32 Uhr

Warmes Winterwetter

Warum wir wohl keine weiße Weihnacht erleben

VonDaniel Lingenhöhl
Quelle:Spektrum.de

Die aktuellen Temperaturen lassen statt Weihnachtsstimmung eher Frühlingsgefühle aufkommen. Die Wetterkonstellation lässt wenig Raum für Hoffnungen auf weiße Weihnachten – stattdessen könnte ein Wärmerekord fallen.

Für weite Teile Deutschlands bleibt die Hoffnung auf weiße Weihnachten wohl unerfüllt. dpa

Christbaum im Schnee

Für weite Teile Deutschlands bleibt die Hoffnung auf weiße Weihnachten wohl unerfüllt.

HeidelbergBis zu 16 Grad Celsius erwartet der Deutsche Wetterdienst für den kommenden Samstag in Teilen Deutschlands – da kommen eher Frühlingsgefühle als weihnachtliche Stimmung auf. Und bis über die Weihnachtsfeiertage hinaus deutet sich kein Wintereinbruch an, selbst wenn die Temperaturen zwischen den Jahren nach ersten Prognosen etwas sinken könnten.

Setzt sich die milde Witterung fort, könnte ein jahrhundertealter Wärmerekord aus dem Jahr 1761 gebrochen werden. Systematische und flächendeckende Aufzeichnungen gibt es zwar erst seit 1881, doch die vorhandenen Daten vereinzelter Wetterstationen aus der Zeit seit 1761 deuten an, dass es selbst damals nicht so warm war wie in diesem Dezember.

Folgen des milden Winters

Frühe Obstblüte

„Die eine oder andere Obstblüte hat sich schon blicken lassen“, so Biologe Dennis Klein vom Bund für Umwelt und Naturschutz. In Berlin wurden beispielsweise blühende Kirschbäume gesichtet. Im Frühjahr dürften dadurch allerdings entsprechend weniger Blüten an den Obstbäumen sitzen.

Zugvögel

Manche Zugvögel wie etwa Störche sparen sich den Weg nach Afrika und bleiben hier. Wenn kein oder kaum Schnee liegt, finden sie auch hierzulande genug Futter. Auch Kraniche haben sich an die milderen Temperaturen mit weniger Schnee angepasst und bleiben verstärkt in Deutschland.

Streusalz

Für Hersteller von Streusalz sind es jetzt hingegen schlechte Zeiten. „Wir sind auf einen guten Winter angewiesen“, betont der kaufmännische Leiter des Salzbergwerks im baden-württembergischen Haigerloch, Frank Joppen. Ein guter Winter bedeutet für ihn tagsüber Nieselregen und nachts zwei bis drei Grad minus. „Wetter, das sonst keiner haben will.“

Glühwein

Auf Kälte hofft man auch auf Weihnachtsmärkten. „Dass die Temperaturen zurzeit den Glühweinständen nicht besonders entgegenkommen, das ist klar“, sagt der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Schausteller und Marktkaufleute, Hans-Peter Arens. So mancher Budenbetreiber verkauft dieser Tage mehr kaltes Bier als heißen Wein.

Handel

Auch dem Handel kommt das Wetter nicht entgegen. „Wintermode wird dann gekauft, wenn es wirklich kalt draußen ist“, sagt Kai Falk vom Handelsverband Deutschland. „Der Textilhandel leidet schon sehr unter den milden Temperaturen.“ Allein im November seien die Erlöse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um etwa 5 Prozent zurückgegangen.

Wintersport

Selbst in Bayern ist nur in wenigen hochgelegenen Skigebieten der Betrieb angelaufen. In den Mittelgebirgen wird es nicht kalt genug für Schnee, so etwa im Skigebiet Willingen im hessischen Teil des Rothaargebirges. „Wir warten geduldig, bis es kalt wird und schneit“, sagt Seilbahnbetreiber Jörg Wilke. „Das ist bei aller Technik eben immer noch eine Natursportart.“

„Schuld“ daran ist eine Wetterkonstellation, die seit Monatsanfang anhält und konstant milde Luft aus Südwesten nach Mitteleuropa führt. Verursacht wird sie zum einen von der momentan ziemlich stabilen Position des Polarwirbels – ein mit Kaltluft angefülltes Höhentief, das sich im Winterhalbjahr in der Atmosphäre über dem Nordpol ausbildet und die Region mit der kältesten Luft markiert.

Sein Zentrum liegt zwischen Nordkanada und Grönland, von wo es nur extrem langsam ostwärts wandert. Aus diesem Polarwirbel dringt immer wieder kalte Luft nach Süden über den warmen Nordatlantik, so dass sich durch Verwirbelung laufend neue Tiefdruckgebiete entwickeln, die Richtung Europa ziehen.

Gleichzeitig liegt über Süd- und Osteuropa ein stabiles Hoch, das die heranrauschenden Tiefs abblockt und diese über Großbritannien Richtung Skandinavien zwingt. Mitteleuropa befindet sich zwischen dem Hoch und der Tiefdruckkette auf dem Atlantik und damit beständig in einer straffen Südwestströmung, in der es wiederholt zum Vorstoß von sehr milder subtropischer Meeresluft kommt.

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