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28.11.2015

10:47 Uhr

Wetterphänomen

Blutregen war keine biblische Plage

VonDaniel Lingenhöhl
Quelle:Spektrum.de

Im Herbst 2014 staunten die Bewohner der spanischen Provinz Zamora über blutrotes Wasser, das nach Regenfällen aus Brunnen und Leitungen strömte. Kein göttliches Strafgericht, sondern ein seltenes Naturphänomen.

Normalerweise sind diese Algen grün, doch unter für sie ungünstigen Lebensbedingungen produzieren sie das rote Karotinoid Astaxanthin. (Foto: Wikipedia/Frank Fox - mikro-foto.de/CC BY-SA 3.0 DE)

Blutregenalge Haematococcus pluvialis

Normalerweise sind diese Algen grün, doch unter für sie ungünstigen Lebensbedingungen produzieren sie das rote Karotinoid Astaxanthin.

(Foto: Wikipedia/Frank Fox - mikro-foto.de/CC BY-SA 3.0 DE)

HeidelbergBlutregen ist ein seltenes, aber ungefährliches Wetterphänomen: Meist ist Saharastaub beteiligt, der zum Teil weite Reisen durch die Atmosphäre unternimmt, bis er schließlich von Regentropfen zum Erdboden zurücktransportiert wird. Dort hinterlässt der Staub dann rotbraune Schlieren, die gerade auf hellen Flächen gut auffallen.

Derartige Partikel schieden als Ursache jedoch aus, als im Herbst 2014 nach einem Regenguss plötzlich Brunnen und Leitungen in der spanischen Provinz Zamora tiefrotes Wasser lieferten. Die Ursache hierfür war jedoch keine biblische Plage, wie manche Gläubige befürchtet hatten – und auch keine in der Umwelt versprühte Chemikalie.

Stattdessen handelte es sich um völlig harmlose Mikroalgen der Art Haematococcus pluvialis, wie Analysen von Javier Fernández-Lozano von der Universität in Salamanca und seinem Team ergaben, die jetzt im „Journal der Spanish Royal Society of Natural History“ erschienen sind.

Normalerweise sind diese im Süßwasser lebenden Algen grün, doch unter für sie ungünstigen Bedingungen wie direkter Sonneneinstrahlung oder Nahrungsmangel produzieren sie das rote Karotinoid Astaxanthin. Es schützt sie vor schädlichen freien Sauerstoffradikalen, die bei starker UV-Strahlung entstehen und Verbindungen in ihrem Organismus oxidieren können.

Wahrscheinlich wurden die Algen aus trocken gefallenen Gewässerabschnitten oder durch Stürme ausgeweht und durch die Atmosphäre transportiert, bis sie in Zamora durch die Regenfälle wieder auf die Erde gelangten. Unter Stress produzieren die Algen dickere Zellwände, die sie vor dem eigenen Austrocknen bewahren, weshalb sie ungünstige Witterungsphasen längere Zeit problemlos überstehen.

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