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01.07.2017

15:21 Uhr

Wildbestand setzt Wäldern zu

Rehe bitte draußen bleiben!

Rehe sind zwar scheu, doch sie hinterlassen Spuren im Wald – unter anderem fressen sie die Triebe junger Bäume. Angesichts des großen Wildbestands ein Problem, über dessen Lösung die Meinungen weit aber auseinandergehen.

Der hohe Wildbestand setzt den Wäldern zu. dpa

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Der hohe Wildbestand setzt den Wäldern zu.

BerlinIm Wald von Ernst-Detlef Schulze müssen Rehe und Damwild draußen bleiben. Der Mittsiebziger öffnet einen Zaun und stapft stolz durch die vielen jungen Ahorne und Ulmen, die hier gedeihen. Vor zehn Jahren habe er den Wald hier im nordthüringischen Rehungen durchforstet, um Licht für die nächste Generation von Bäumen zu schaffen. Die sind jetzt auf eine Höhe von rund drei Metern herangewachsen.

„Das haben sie aber nur geschafft, weil ich damals gleich zwei der drei Parzellen eingezäunt habe“, erklärt er. „Sonst hätte sie das Wild weggefressen, und es gäbe nur Buchen, die robuster gegen Wildverbiss sind.“ So wie in der dritten Parzelle, wo er erst Jahre später die Reißleine gezogen und sie ebenfalls eingezäunt hat.

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Während sich Spaziergänger oft über den Anblick von Wildtieren in Wald und Feld freuen, klagen Waldbesitzer wie Schulze über zu viel Reh-, Dam- oder Rotwild. Die Folge seien erhebliche Schäden an jungen Bäumen. Das gehe soweit, dass bestimmte Baumarten durch Wildverbiss fast komplett verschwinden.

Die Wildtiere vertilgen nicht nur die Triebe junger Bäume. Oft schälen sie auch deren Rinde oder wetzen sie mit ihren Geweihen ab, so dass das zarte Bäumchen abstirbt. Fachleute sprechen dann von Fegeschäden. „Nur mit Hilfe des Zaunes habe ich hier durch natürliche Verjüngung einen Edelholzlaubmischwald erzeugen können“, erklärt Schulze, der Jahrzehnte als Waldbiologe geforscht hat – unter anderem am Jenaer Max-Planck-Institut für Biogeochemie.

In einer 2014 veröffentlichten Studie hat er zusammen mit Kollegen gezeigt, dass in Thüringen etwa 50 bis 60 Prozent der Baumarten durch Wildverbiss verloren gehen. Das jüngste Verbiss- und Schälgutachten der Thüringer Landesforstanstalt kam voriges Jahr zu dem Ergebnis, dass im Mischwald auf einem Drittel der Fläche das Ziel der Verjüngung wegen Wildeinflüssen nicht erreicht wird.

Dabei sind die Förster auch angesichts des Klimawandels bestrebt, die Vielfalt in hiesigen Wäldern zu erhöhen und weg von reinen Nadelwäldern von Fichte oder Kiefer zu kommen. So sollen die Wälder robuster werden.

Kommentare (1)

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Herr Paul Kersey

03.07.2017, 16:02 Uhr

Dieser Artikel ist ein Paradebeispiel dafür was passiert, wenn sich Redaktionslaien einem Thema widmen und dieses an eine Laien-Leserschaft durchreichen, die genauso ahnungslos ist und sich womöglich entsprechend beeindrucken lässt. Absolut haarsträubend! Rehe und Rotwild leben in der Natur, ernähren sich von der Natur und nutzen die Natur wie seit Aberjahrtausenden. Dann kommt der Mensch daher und macht den Wald zum wirtschaftlich genutzten Forst. Und Schwups wird aus einem Wildtier plötzlich ein Schädling, der aus seinem ursprünglichen Habitat unter allen Umständen herausgeworfen werden muss. Und dann sind auch noch die Jäger dran schuld! Jagd ist nicht Schädlingsbekämpfung! Kein Jäger pachtet 9 oder 12 Jahre ein Revier und zahlt 20-25 EUR/ha, um 2 x im Jahr eine konzentrierte Drückjagd durchzuführen und alles tot zu schießen, was sich bewegt. Jagd ist Freizeitgestaltung mit hohem Engagement für Wild und Natur. Ein waidgerechter Jäger mit Passion nutzt das Wildbret als natürlichstes Biofleisch, das es gibt und das will er möglichst frisch haben. Also muss er auch 9 Monate (außer den Aufzuchtzeiten im Frühjahr (Februar/März/April) jagen können. Schäden, die nachweislich das Wild in Forst und Landwirtschaft verursacht, zahlt der Jagdpächter per Pachtvertrag geregelt über die Wildschadensregelung mit barer Münze an die Landbesitzer. Somit entsteht schon einmal überhaupt kein wirtschaftlicher Schaden. Solchen Schwachsinn liest man nur von erz-kommerziellen Waldnutzern, denen das Wild als Lebewesen absolut nichts bedeutet und die keinerlei Ahnung von Jagd haben. Ernst-Detlef Schulze darf man getrost als Vollidioten bezeichnen, der keine Ahnung von nachhaltiger Forstwirtschaft hat, denn in anderen Regionen Deutschlands wächst der Wald ausgezeichnet. Wenn er es nicht kann, soll er es lassen und nicht die Presse nutzen, um sein Dogma in die Welt zu posaunen!

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