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07.09.2016

11:39 Uhr

Wildlife Control am Flughafen

Vogelpolizei mit Laser und Pistole

Normalerweise wird auf Flughäfen der Servicegedanke groß geschrieben. Das Wildlife Control Team soll den Frankfurter Airport dagegen für bestimmte Gäste möglichst unattraktiv machen – auch mit drastischen Maßnahmen.

Das Wildlife Control Team am Flughafen ist unter anderem dafür da, Vögel zu verscheuchen, die Flugzeugen gefährlich können. dpa

Wildlife Control am Flughafen Frankfurt

Das Wildlife Control Team am Flughafen ist unter anderem dafür da, Vögel zu verscheuchen, die Flugzeugen gefährlich können.

FrankfurtPlötzlich muss es schnell gehen. Jürgen Ebert gibt Gas, lenkt sein Allradauto über einen Feldweg entlang einer Start- und Landebahn. Aus seiner Schreckschusspistole kommt ein lauter Knall, ein Schwarm Stare sucht das Weite.

Kurz darauf dröhnt ein Jet vorbei, wuchtet sich in die Höhe. Aufgabe erfüllt. Ebert ist Biologe und als Leiter des Wildlife Control Teams am Frankfurter Flughafen unter anderem dafür da, Vögel zu verscheuchen, die Flugzeugen gefährlich können. Vergrämen heißt das im Fachjargon.

„Wir sorgen für ein reibungsloses Miteinander von Natur und Flughafenbetrieb“, umschreibt Ebert den Job seines vierköpfigen Teams. Es ist täglich während des Flugbetriebs am größten deutschen Airport von 5 bis 23 Uhr in Rufbereitschaft und kümmert sich um rund 620 Hektar Wald sowie 50 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche im Umfeld.

Das Grundprinzip: Es Vögeln möglichst ungemütlich zu machen, etwa indem man sie nicht in Ruhe lässt. Und Freiflächen so gestaltet, dass sich dort nicht allzu viele Beutetiere tummeln.

Meistens gehen Vogelschläge – Kollisionen von Maschinen mit Vögeln – glimpflich aus, wie Ebert sagt. In 90 Prozent der Fälle entstehe gar kein Schaden, in ganz wenigen Fällen könne es aber gefährlich werden. „Der Start ist kritischer als die Landung, weil die Systeme da auf Volllast laufen“, erklärt Ebert. Ab der Größe eines Turmfalken, der bis zu 1400 Gramm wiegen könne, fange es an, kritisch zu werden. Aber auch kleinere Vögel könnten in Schwärmen Probleme machen.

Vogelschlag-Fälle mit in Deutschland registrierten Maschinen der gewerblichen Luftfahrt werden dem Deutschen Vogelschlagkomitee gemeldet. Dessen Vorstandsvorsitzender ist der Vogelschlagbeauftragte des Stuttgarter Flughafens, Hans Peter Schmid. Er sagt: „Es gibt nie hundertprozentigen Schutz.“ Die Fallzahl sinke tendenziell, variiere aber - je nach den Bedingungen für Jungvögel im jeweiligen Jahr.

„Sie können keinen Flughafen absolut vogelfrei bekommen“, betont Schmid. Kein Flughafen sei mit dem anderen vergleichbar. Während in Hamburg und Bremen vor allem Seevögel wie Möwen eine Herausforderung seien, liege in München und Stuttgart der Fokus auf Greifvögeln.

Auch in Frankfurt fliegt allerlei umher. Das Spektrum reicht von Bussarden über Milane, Turmfalken und Singvögel bis zu Wasservögeln. Nil-, Grau- und Kanadagänse würden mehr, sagt der bei Fraport angestellte Ebert. „Das sind unsere Sorgenkinder.“

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