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11.06.2013

19:01 Uhr

Windenergie

Mehr Platz an Land statt auf hoher See

Deutschlands Strombedarf kann über Windkraftanlagen auf dem Festland gedeckt werden – wenn ausgebaut wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Umweltbundesamtes, die einen Bedeutungsverlust für Offshore-Parks sieht.

Bald könnten mehr Windräder auf Deutschlands Feldern stehen. Eine Studie des Umweltbundesamtes rät zum Ausbau der Windenergie auf dem Festland. dpa

Bald könnten mehr Windräder auf Deutschlands Feldern stehen. Eine Studie des Umweltbundesamtes rät zum Ausbau der Windenergie auf dem Festland.

DessauDeutschland verfügt einer Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zufolge über genug Fläche, um seinen Strombedarf mehrfach ausschließlich über Windkraftanlagen auf dem Festland zu decken. Bis zu 13,8 Prozent der Landesfläche könnten für Windenergie genutzt werden, ohne Abstriche beim Lärmschutz und Naturschutz zu machen, ergab die am Dienstag veröffentlichte Studie im Auftrag des UBA. Bundesweit bestehe daher "großer Gestaltungsspielraum" für den Ausbau von Windenergie.

Die potenziell mit Windrädern bebaubare Landesfläche von 13,8 Prozent ergebe sich, wenn zu Wohngebieten ein Mindestabstand von 600 Metern eingehalten werde, hieß es in der UBA-Studie. Dies würde den Vorgaben des Gesetzes und von Verwaltungsgerichten entsprechen.

Fragen zum Netzausbau

Wie groß ist der Ausbaubedarf?

Der von den Netzbetreibern vorgestellte Entwicklungsplan sieht bis 2022 insgesamt 3.800 Kilometer neue Stromtrassen vor, dazu den Ausbau von 4.400 Kilometern bereits bestehender Leitungen. Das soll rund 20 Milliarden Euro kosten.

Um welche Leitungen geht es?

Es gibt zwei Arten von Stromleitungen: Übertragungsnetze und Verteilnetze. Das Übertragungsnetz verhält sich zum Verteilernetz in etwa so wie eine Autobahn zu einer Landstraße oder innerstädtischen Straße. Beim Ausbau der Netze geht es vor allem um die Übertragungsnetze, die den Strom etwa vom windreichen Norden in den Rest der Republik transportieren sollen.

Das Übertragungsnetz

Das Übertragungsnetz in Deutschland ist rund 35.000 km lang und wird von den vier Übertragungsnetzbetreibern Tennet, 50Hertz, Amprion und Transnet BW betrieben.

Das Verteilnetz

Das Verteilnetz in Deutschland ist hingegen rund 1,7 Millionen Kilometer lang und wird von etwa 900 Unternehmen, darunter viele Stadtwerke, betrieben.

Wer bezahlt den Ausbau?

In letzter Instanz zahlt der Stromverbraucher über eine Umlage auf den Strompreis den Netzausbau. Diese Umlage nennt sich Netzentgelt, also eine Gebühr dafür, dass der Strom der Verbraucher über die Leitungen der Netzbetreiber geschickt werden darf. Die Gebühr macht derzeit 23 Prozent des Strompreises aus.

Über diese Umlage finanziert der Staat den Netzausbau: Die Netzbetreiber erhalten von der Bundesnetzagentur auf ihre Investitionskosten 9,5 Prozent Eigenkapitalverzinsung garantiert. Sie müssen lediglich dafür sorgen, das nötige Kapital für den Ausbau aufzutreiben.

Ausgeklammert worden seien aus den Berechnungen auch Nationalparks und Naturschutzgebiete, Straßen, Wasserflächen und Flughäfen. Für den besonderen Artenschutz notwendige Flächen wie Vogelbrut- oder Vogelraststätten hingegen hätten nicht berücksichtigt werden können, die etwa auch außerhalb von Schutzgebieten lägen.

Werde der Mindestabstand zu Wohngebieten auf 1,2 Kilometer verdoppelt, stünden noch immer 3,4 Prozent der Landesfläche zu Verfügung, hieß es in der Untersuchung des Umweltbundesamtes. Auch dies sei "mehr als ausreichend". Die Berechnungen fußten auf der Nutzung von Windrädern, die auch bei schwächerem Wind Strom erzeugen könnten. Die Studie erstellte das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik im Auftrag des UBA.

Kommentare (8)

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Heinrich

11.06.2013, 19:15 Uhr

das ist der helle Wahnsinn: die Vollverspargelung unserer Landschaft. Eine intakte Landschaft ist die Grundlage des Naturschutzes schlechthin. Landschaftsschutz spielt bei dieser Energiewende keine Rolle mehr ! Bitte informieren Sie sich unter www.vernunftkraft.de

vandale

11.06.2013, 19:39 Uhr

Im Artikel wird Wasserkraft als "Erneuerbare Energie" bezeichnet. Wasserkraft erfüllt jedoch kein Kriterium "Erneuerbarer Energien" wie hoffnungslose Unwirtschaftlichkeit, Nutzlosigkeit (Der Strom aus Wind und Sonne ist als Zufallsstrom im Netz wertlos), tötet Menschen (Verbrennung von Lebensmitteln zur Stromerzeugung). Man sollte Wasserkraft nicht als "Erneuerbare Energie" bezeichnen.

Bei der umweltschädlichen Windstromerzeugung an Land fallen lange Zeiten ohne nennenswerte Stromerzeugung und kurze Zeiten mit sehr hoher Stromerzeugung an. Bei einem weiteren Ausbau der Landwindmühlen wird man demzufolge immer häufiger die Aufnahmefähigkeit des Netzes überfordern. Der Strom wird dann zu Negativpreisen vermarktet, oder Windmühlen bei voller Subventionszahlung stillgelegt. Zusätzliche Kapazitäten führen dann nur mehr zu höheren Kosten. Das ist ökologisch vorbildlich.

Vandale

Account gelöscht!

11.06.2013, 21:32 Uhr

@ vandale
"Man sollte Wasserkraft nicht als "Erneuerbare Energie" bezeichnen."
So was kann nur von Ihnen kommen. Schlußendlich kommt es auf den Mix an. Das Grundproblem für die renditeverwöhnten Konzerne bleibt: auch Wasser schickt keine Rechnung, der Strom ist zu billig! Steigende Rohstoffkosten sind auch da nicht zu erwarten.

Mit Wasserkraft kann man das Speicherproblem etwas kompensieren, falls man nicht ganz auf die Erdgassynthese bei überschüssiger Windkraft setzt.

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