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11.03.2011

09:58 Uhr

Zerstörerische Wasserwände

Was Tsunamis so gefährlich macht

VonThomas Trösch

Schneller als ein Düsenjet rasen Tsunamis durchs offene Meer. Trotzdem fallen die Monsterwellen auf hoher See kaum auf - erst beim Auftreffen auf die Küste entwickeln sie ihre zerstörerische Kraft.

Diese Aufnahme entstand am 1. April 1946, als ein Tsunami über Hilo Harbor auf Hawaii hereinbrach. Quelle: NOAA

Diese Aufnahme entstand am 1. April 1946, als ein Tsunami über Hilo Harbor auf Hawaii hereinbrach.

Tsunamis gehören zu den zerstörerischsten Naturphänomenen. Während die „Große Hafenwelle“ – so die Übersetzung des japanischen Worts Tsunami – auf ihrem Weg durch den Ozean allenfalls als kleine Erhebung zu beobachten ist, türmt sie sich an der Küste zu haushohen Wasserbergen auf, die mit unglaublicher Wucht an Land prallen.

Tsunamis werden durch unterseeische Erdbeben, aber auch durch Vulkanausbrüche oder Erdrutsche unter Wasser ausgelöst. Erdbeben sind dabei mit mehr als 80 Prozent die häufigste Ursache. Rings um den Pazifik besteht wegen der großen Aktivität der Erdkruste und daraus resultierenden Beben das höchste Tsunami-Risiko weltweit.

Die unterseeischen Erschütterungen setzen riesige Wassermengen in Bewegung. Ähnlich wie bei einem Tritt von unten gegen einen Wassereimer gerät beim Tsunami der gesamte Wasserkörper vom Meeresboden bis hin zur Oberfläche in Aufruhr. Die daraus resultierende Welle kann bis zu 150 Kilometer lang sein und bewegt sich mit Geschwindigkeiten bis zu 1000 Kilometer pro Stunde auf die Küste zu.

Trotz seiner enormen Größe fällt der Tsunami auf dem offenen Meer kaum auf: Die Welle breitet sich weitgehend unter Wasser aus, die Wellenkämme an der Oberfläche sind maximal zwei bis drei Meter hoch. Deshalb bilden Tsunamis für Schiffe auf hoher See üblicherweise auch keine Gefahr.

Erst beim Auftreffen auf die Küste entfalten die Riesenwellen ihre zerstörerische Kraft: In dem flacher werdenden Wasser wird die Dünung abgebremst, zugleich türmt sich die Welle auf, da ihre Energie sich im flachen Wasser nicht mehr über eine in größere Tiefe reichende Wasserwand verteilt.

Welche Kräfte im Moment des Auftreffens frei werden können, haben Experten bei dem verheerenden Tsunami berechnet, der im Dezember 2004 die Küsten des Indischen Ozeans verwüstete: Die Energie der Flutwelle, die seinerzeit die Insel Sumatra traf, entsprach in etwa dem gesamten Jahresverbrauch der USA.

Dass dabei sogar die Erdatmosphäre erschüttert wird, haben Messungen von französischen Forschern bewiesen: Sie konnten noch in 300 Kilometer Höhe über einem Tsunami Luftschwingungen nachweisen, die vom Heben und Senken der Wassermassen verursacht wurden.

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