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13.07.2012

11:28 Uhr

Zerstörter Regenwald

Verzögertes Artensterben im Amazonasbecken

Große Flächen des brasilianischen Regenwaldes wurden in den vergangenen Jahrzehnten zerstört. Viele Arten starben aus - doch es müssten wesentlich mehr sein. Den Grund für diese Verzögerung haben Forscher nun aufgespürt.

In den vergangenen Jahrzehnten wurden mehr als 800.000 Quadratkilometer Wald im Amazonasbecken zerstört dpa

In den vergangenen Jahrzehnten wurden mehr als 800.000 Quadratkilometer Wald im Amazonasbecken zerstört

LondonSeit vier Jahrzehnten wird der Regenwald im Amazonasbecken massiv zerstört. Ein Prozess, dem nach Modellrechnungen gut sechs Prozent der dort heimischen Vogel-, Amphibien- und Säugetierarten zum Opfer gefallen sein müssten. Doch bis 2008 waren gerade einmal ein Prozent tatsächlich verschwunden, berichten Biologen in der Fachzeitschrift „Science“.

Grund für das verzögerte Artensterben sei die sogenannte Aussterbeschuld (extinction debt): Wenn der Lebensraum einer Tierart zerstört werde, dauere es einige Generationen, bis die Art vollständig verschwinde. Der brasilianische Regenwald beginne gerade erst, seine Aussterbeschuld anzuhäufen.

Oliver Wearn vom Imperial College London hatte dafür mit Kollegen ein mathematisches Modell entwickelt. Es sagt voraus, wie schnell Wirbeltierarten in einer Region aussterben, abhängig davon, wie viel von ihrem Lebensraum verloren geht.

Zunächst wurde mit dem Modell rekonstruiert, wie viel Wald zwischen 1970 und 2008 im brasilianischen Amazonasbecken zerstört und wie sehr dadurch die Artenvielfalt gefährdet wurde. Anschließend wurden vier Szenarien erstellt, wie es im Jahr 2050 um den Artenschwund und die Aussterbeschuld stehen könnte. Die Szenarien waren abhängig von der künftigen Entwaldung und wurden jeweils für Gitterzellen von 50 mal 50 Kilometer Größe durchgerechnet.

Das bedrohlichste Szenario: Der Regenwald wird weiter wie bisher zerstört, das heißt, es gehen wie im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre mindestens 28.000 Quadratkilometer pro Jahr verloren. Das entspricht fast der Fläche Brandenburgs. In diesem Szenario würden 10,3 Prozent der Wirbeltierarten bis 2050 aussterben, weitere 26,9 Prozent wären gefährdet.

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