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15.04.2011

10:19 Uhr

Zukunft des Stromnetzes

Erdkabel statt Überlandleitung

VonRichard Friebe

Auch wer den Ausbau erneuerbarer Energien befürwortet, möchte nicht unbedingt einen Hochspannungsmast vor der eigenen Haustür sehen. Die Verlegung der Leitungen unter die Erde wäre eine Alternative – allerdings eine kostspielige.

Vattenfall-Ingenieur Christian Henschke begutachtet im Umspannwerk Berlin Friedrichshain in 20 Meter die Starkstromkabel. Quelle: dpa

Vattenfall-Ingenieur Christian Henschke begutachtet im Umspannwerk Berlin Friedrichshain in 20 Meter die Starkstromkabel.

BerlinDie Fantastischen Vier haben vor mittlerweile schon 12 Jahren mit „MfG“ dem deutschen Abkürzungswahn ein Denkmal gesetzt. Allerdings stehen andere Völker und Zungen den hiesigen Dichtern, Denkern und Akronymikern kaum nach. Eines der schönsten Beispiele aus dem angelsächsischen Sprachraum ist NIMBY. Die fünf Buchstaben stehen für „Not in my backyard“, was in deutsch so viel wie „nicht vor meiner Haustür“ bedeutet.

In der Diskussion über Deutschlands Energiezukunft, vor allem aber bei der praktischen Umsetzung all der großen Pläne, werden solche Einwände wahrscheinlich eine zunehmender Rolle spielen. Wer noch für die Atomkraft ist, möchte trotzdem nicht unmittelbar neben einem Meiler wohnen, wer alternative Energien bevorzugt, lehnt durchaus gerne auch Anblick und Geräuschpegel eines Windrades vor dem Küchenfenster ab.

Und auch, wer akzeptiert, das Windenergie vor allem im Norden produziert, aber im Süden gebraucht werden wird, möchte von den dafür laut der jüngsten Studie der Deutschen Energieagentur gebrauchten gut dreieinhalbtausend Kilometern neuer Hochspannungsleitungen keine vor der eigenen Haustür sehen.

Eine auch von Umweltverbänden und Bürgerinitiativen befürwortete Alternative für die Masten und Drähte sind Gräben und Kabel. Unterirdisch verlegt stören Stromleitungen zumindest nicht das Landschaftsbild, so lautet das rationale Argument – und 'was man nicht sieht, macht einem auch keine Elektrosmog-Angst' das eher irrationale.

Beide sind zwar leicht widerlegbar – auch für vergrabene Hoch- und Höchstspannung müssen Trassen freigehalten werden und anderthalb Meter tiefe Kabel umgeben den, der über ihnen steht, mit deutlich stärkeren magnetischen Feldern als jenen, der elf Meter unter einer Freileitung spazieren geht. Doch unterirdische Stromleitungen könnten in Zukunft durchaus eine weit wichtigere Rolle spielen als bislang. 

Kommentare (4)

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M.Kochhan

15.04.2011, 16:21 Uhr

Seit wann ist bitte ABB ein deutscher Konzern?! Bitte berichtigen!

Ron777

16.04.2011, 14:13 Uhr

Für die großen Stromkonzerne sind landschaftsverschandelnde Überlandtrassen ein alternativloses Ansinnen, da hier zeitaufwendige Genehmigungsverfahren zu durchlaufen und massive Bürgerproteste zu erwarten sind. Denn in Wirklichkeit fürtet die deutsche Stromindustrie nichts mehr als den Wettbewerb, der bei entsprechend ausgebauten Stromtrassen europaweit ausbrechen würde. Es gäbe kaum noch ein Argument, regenerativem und dezentral erzeugten Strom den Weg zu den Verbrauchern versperren zu können. Eine Katastrophe für die Stromdinosaurier, die weiter auf Großkraftwerke setzen wollen, obwohl diese einen deutlich schlechteren Wirkungsgrad als neue Formen der Energieerzeugung aufweisen. Schon sind die Lobbyisten in Berlin wieder aktiv, um den wirklichen Sprung in neue Technologien zu verhindern.

JFD

17.04.2011, 22:54 Uhr

Interessant dazu:
http://www.energie-und-technik.de/automatisierung/news/article/29817/0/Eine_HG-Pilotanlage_waere_sehr_hilfreich/
ABB verkauft den Kilometer HGÜ Seekabel für ca. 3 Mio Euro. Dürfte a) an Land und b) mit größerem Bestellvolumen vermutlich billiger werden.
Ein so kleines Kabel (< 15 cm Durchmesser) auf vorbelasteten Routen, z.B. Bahntrassen, Erdgasleitungstrassen, Autobahnen, etc. sollte einfach zu genehmigen sein.
Politischer Wille vorausgesetzt, ließe sich die Nord-Süd Stichverbindung in Rekordzeit herstellen.

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