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27.11.2013

14:17 Uhr

Zukunfts-Mobilität

Wenn das Fahrzeug Nerven zeigt

Quelle:dpa

Unzählige Funktionen sind in Autos miteinander verkabelt. Nun stoßen die Geräte an ihre technischen Grenzen. Eine mögliche Lösung: die Übertragungsform Ethernet. Doch birgt die Technik auch Gefahren, etwa durch Hacker.

Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften erforscht System- und Echtzeitprogrammierung für intelligente Auto-Steuerungen. Foto: Axel Heimken dpa

Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften erforscht System- und Echtzeitprogrammierung für intelligente Auto-Steuerungen.

Foto: Axel Heimken

HamburgWie wir uns künftig in Fahrzeugen fortbewegen, ist in Science-Fiction-Filmen hinlänglich bekannt: Autos rollen wie eine Flotte Raumschiffe über blinkende Bahnen. Ein Bordcomputer leitet sie per Auto-Pilot ans gewünschte Ziel, Unfälle gehören der Vergangenheit an - wegen eingebauter Schutzschilde, dank derer die Wagen automatisch ausweichen. Schon heute parken Autos ohne menschliches Zutun ein, Sensoren warnen auf der Windschutzscheibe vor zu schnellem Fahren, Kameras suchen die Umgebung nach Gefahren ab.

Möglich machen dies Steuergeräte, die so etwas wie die Regler der einzelnen elektronischen Bauteile sind und im Innenleben des Autos miteinander kommunizieren. Mehrere tausend Schnittstellen sind in modernen Pkw verbaut - die Anforderungen an sie nehmen stetig zu. «Immer mehr Funktionen überfordern zunehmend die Fahrzeugnetzwerke», sagt Franz Korf, Informatiker der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Es zeichne sich ab, dass die herkömmlichen Leitungen, die zum Austausch von Informationen benötigt werden, bald an ihre Grenzen stoßen.

In einem Forschungsprojekt entwickelt Korf eine intelligente Bordnetz-Architektur für das Auto - was man mit einer neuen Art von Nervensystem für Fahrzeuge vergleichen könnte. Das Ziel: Ein einziges schnelles Ethernetkabel soll die schier unüberschaubare Zahl kleiner Kabel ersetzen, um so Herr über das elektronische Sprachengewirr zu werden - und den Weg für größere Datenpakete zu bahnen. «Datenpakete müssen zwischen Geräten zum richtigen Zeitpunkt übertragen werden. Wenn die Rückfahrkamera für den Bruchteil einer Sekunde später reagiert, kann es sein, dass ich mit einem Fahrrad zusammenstoße», sagt Korf.

Ethernet wird längst im Alltag verwendet und verbindet über sogenannte Switche in Büros den Computer etwa mit dem Drucker. Bis 2021 soll die von Korf erforschte Technologie in Luxus-Limousinen serienmäßig eingebaut werden. Das Bundesforschungsministerium unterstützt das dreijährige Projekt, das im vergangenen Herbst an den Start ging, mit rund 310.000 Euro. Die Bundesregierung begrüße damit die Entwicklung «einer leistungsfähigen und intelligenten Fahrzeugelektronik», teilte das Ministerium mit.

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Mit seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter Till Steinbach forscht Korf an einer Maschine, die auf den ersten Blick wie ein Simulator für Autorennen aussieht: Vor einem PC-Bildschirm ist ein Lenkrad aufgebaut, über einem mit Computerplatinen vollgepackten Schaukasten springt ein Scheinwerfer an. Daneben schiebt sich eine Achse via Tastendruck hin und her. Im Inneren testet gleichzeitig der Rechner, ob das digitale Nervensystem die Signale über das Ethernet-Kabel zu den Bauteilen richtig überträgt, sagt Steinbach.

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